Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Krankenbesuche

8. Dezember. Samstag. Nachdem mir gestern für heute eine (private) Aufgabe reingedrückt wurde, die etwa einen halben Tag in Anspruch nimmt, knicke ich diesen Samstag von vornherein sowohl für Arbeitsfortschritte als auch für Erholung. Morgens also ein bisschen in alten Kirchenbüchern kramen für die Familienforschung, mittags mit H. ein schneller Mini-Wochenend-Einkauf (Essen für drei Tage wird benötigt und alles, was fehlt, sind ein Sack Kartoffeln und eine Aubergine – die Vorratsschränle sind gut gefüllt).
Von 14:00 bis 20:00 Uhr in Familiendingen unterwegs. Zwei Verwandte sind unabgesprochen innerhalb von fünf Tagen in dasselbe Krankenhaus gekommen. Für den einen machen wr noch ein paar Erledigungen vor dem Besuch, dann fahren wir ins Krankenhaus, das zu bester Besuchszeit (Samstag Nachmittag um 15:00 Uhr) erstaunlich still daliegt – sind hier überhaupt Patienten? Am Empfang holen wir uns einen Merkzettel für jedes unserer beiden Schäfchen; auf dem Zettel sind Haus, Etage, Station und Zimmernummer vermerkt; die rustikal-berlinerische Empfangsdame schreibt jeweils noch den Vornamen dazu.
Die nächsten drei Stunden sitzen wir beim Lungenkranken bei geöffnetem Fenster im Zug, trinken auf der Privatstation leckeren Milchkaffee aus einem High-Tech-Kaffee-Vollautomaten, lehnen vehement ab, der Gefäßkranken das Abendbrot wegzuessen und sind dann irgendwann doch froh, gehen  zu können, obwohl alles sehr nett, entspannt und gut gelaunt war.
Noch ein paar Erledigungen für Patient 1, auf dem Weg eine schnelle und nicht besonders gute Portion Pommes, dann das Auto samt Schmutzwäsche und Einkäufen wegbringen und schließlich mit Bus und U-Bahn wieder nach Hause, wo wir pünktlich zum Samstagabend-Film „Unterwegs nach Cold Mountain“ aufschlagen, so erschöpft, dass zumindest ich nichts mehr essen kann, und das will schon was heißen.

Woran ich mich erinnern will:
Sollte ich jemals im Krankenhaus sein: Auch wenn ich mich über Besuch freuen würde, immer bedenken, was das für andere für einen Zeit- und Kraftaufwand bedeutet. Und es nicht als persönliche Zurückweisung empfinden, wenn sie (sich) diesen Aufwand nicht leisten können.

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