Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Weihnachtsmarkt III

15. Dezember. Samstag. H. schnarcht zum Gotterbarmen, deshalb stehe ich um halb sechs auf, obwohl ich einen anstrengenden Tag vor mir habe. Später hinlegen ist dann auch keine Option mehr, aber ich kann ja abends früh schlafen gehen.
Vormittags etwas leichte Arbeit, das vorletzte Miniprojekt erledigt, das letzte soll die Kollegin selber machen, mir fehlen zu viele Informationen, und eh sie mir das alles erzählt und testet, kann sie auch gleich selbst… – mal sehen.
Mittags M. in der Stadt getroffen, in den neu entdeckten Klamottenladen gefahren, ein bisschen stöbern. Vor der Ladentür steht ein Leierkastenmann und verbreitet dezente Weihnachtsstimmung in der ansonsten von Neu- und Bürobauten und wenigen Geschäften geprägten Nebenstraße. Eine noch viel dickere Frau als ich kauft ebenfalls hier ein (es ist kein Große-Größen-Geschäft wie M. fälschlicherweise dachte), und an ihr sehen die Sachen auch gut aus, es ist wohl also nur meine verquere Selbstwahrnehmung, die mich bei jedem Stück zweifelnd in den Spiegel schauen lässt. Der Hintern steht halt raus und der Oberköper ist zu kurz. Soll ich mich deswegen nur in Zeltplanen wickeln?
Ein pinkfarbenes Jäckchen wird es dann und eine witzige orangefarbene Mütze und ein paar schöne, bunte Socken. Nicht viel, aber die Sachen sind für mein übliches Budget halt auch ein bisschen arg teuer. Da achte ich dann umso mehr darauf, dass ich die Sachen lange tragen kann und voraussichtlich auch noch in ein paar Jahren mag.
Anschließend kämpfen wir uns mit der übervollen U-Bahn ein paar Kilometer weiter zum Weihnachtsmarkt an der Sophienstraße. Vorher kurze Rast in dem Lokal, das wir letztes Jahr entdeckt hatten, wo M. eine Erbsensuppe isst und ich den ersten Glühwein trinke. Als wir da so sitzen und die Blicke über den weihnachtlich dekorierten Hof schweifen lassen, fallen die ersten Schneeflocken. Schnee!!! Ich bin sofort mit allem und der Welt versöhnt und glücklich.
Der Weihnachtsmarkt ist schön, es kommt mir vor, als würden es wieder mehr Stände werden, ein paar alte Bekannte sind immer noch dabei, das macht mich froh. Auch die Geschäfte in der Straße sind immer noch dieselben, hier findet die Verdrängung also noch nicht statt, oder das Mietenniveau hat sowieso schon die oberste Grenze des Machbaren erreicht. Wobei, die Gier der Vermieter in dieser Stadt scheint ja keine Grenzen zu kennen, zur Not nimmt man eben Leerstand in Kauf und nutzt die ausbleibenden Mieteinkünfte als steuerliche Abschreibungen.
Ich trinke den zweiten Glühwein, der Schnee fällt so leise und sanft, ist auch so gar nicht nass, man spürt ihn kaum, sieht in nur. Liegen bleibt natürlich nichts, es ist einfach ein leichtes, zartes Schwirren in der Luft.
Ich kaufe diesmal nichts, das Geld ist arg knapp dieses Jahr. Zum Abschluss trinken wir einen weiteren Glühwein in demselben Lokal, dann geht es zur immer noch vollen U-Bahn und gemütlich nach Hause, wo ich, das Gesicht in den Himmel gereckt, langsam, glücklich und leicht benommen von all dem Glühwein durch die Straßen gehe.

Woran ich mich erinnern will:
Auf diesen Laden muss ich mich mental besser vorbereiten, er fordert mich sehr. Im Sommer bei meinem ersten Besuch hatte ich fast einen Overload, heute ging es etwas besser, war aber immer noch sehr anstrengend. Zu viele Sinneseindrücke, zu viele, sehr aufmerksame Verkäuferinnen.

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