Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Death by train

ACHTUNG: In diesem Text wird eine Selbsttötung erwähnt. Lesen Sie nicht weiter, wenn das Thema Sie belastet. Wenn Sie selbst über eine Selbsttötung nachdenken, sprechen Sie vorher mit jemandem. Die Telefonseelsorge ist ein guter Startpunkt – Sie erreichen sie kostenlos und bundesweit unter der Telefonnummer 0800 – 1110111.

7. Januar. Montag. Es sollte ein leises Einschleichen in die erste Arbeitswoche werden und wurde eine ziemliche Katastrophe. Mittags bei der Nachbarin zum Geburtstag gratuliert und in all ihrem Stress (am Abend vorher sind 14 Liter Gulaschsuppe komplett misslungen und mussten nun noch schnell durch etwas anderes ersetzt werden) tatsächlich ein entspanntes Gläschen Sekt getrunken. Wir mögen diese Menschen wirklich sehr und freuten uns auf die spontane Abendeinladung zur Suppenverkostung.
Wieder daheim wollte ich gerade gemütlich mit der Arbeit beginnen, während H. bei T. anrief, der auf allen Kanälen versucht hatte uns zu erreichen, jedoch ohne irgendwo eine Nachricht zu hinterlassen. Als ich sein entsetztes „Ach Du Scheiße“ hörte, war schon klar, dass irgendwas wirklich richtig Schlimmes passiert sein musste, brach sofort ab, was ich tat und wappnete mich.
Es war dann auch richtig schlimm, der 23-jährige Sohn hatte seinem Leben auf unschöne Weise ein Ende gesetzt, die Polizei hat zwei Tage gebraucht herauszufinden, wer er ist, umdie Angehörigen zu benachrichtigen. Die nun natürlich im Ausnahmezustand waren, also ließen wir alles stehen und liegen, organisierten über die Polizei ein Seelsorgerteam und fuhren hin, um zu beratschlagen, wie der jüngere Bruder, der am Nachmittag von der Berufsschule nach Hause kommen sollte, am schonendsten zu informieren sei.
Es war alles sehr schrecklich, und bei allem anfänglichen Aktionismus fühlte ich mich bald sehr überfordert und wollte nur noch dort weg. Wegen der doch recht besonderen psychischen Gemengelage in der Familie mache ich mir nun vor allem Sorgen um den jüngeren Sohn, der sich sofort in sich zurückgezogen hatte. Ich befürchte, er macht sich schwere Vorwürfe und wird sich durch das unangemessene Verhalten seiner Eltern noch weiter von ihnen entfremden. Ich hoffe, ich unterschätze ihn…

Woran ich mich erinnern will:
Auch in ganz schwierigen Situationen ist es für alle Beteiligten besser, ich ziehe mich kurz zurück, bevor ein Overload droht.

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