Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Karnevalsumzug

3. März. Sonntag. Vormittags noch ein paar Sachen für die Freundin recherchiert, dann: Karneval.
Wie immer vor eienr neuen Situation große Unsicherheit und Angst, sich „falsch“ zu verhalten. Dabei geht selbst hier auf dem Dorf heute schon mehr als zu den Zeiten, aus denen diese Ängste stammen, in der großen Stadt. Aber old habits die hard, und ich bin nicht immer kämpferisch genug, mich mit komischen Reaktionen auseinanderzusetzen, manchmal möchte ich einfach nur mit der Masse verschmelzen.
Nach einigem Hinundher in Sachen „verkleiden“ oder nicht (selbstverständlich haben wir kein Karnevalskostüm) folge ich also meiner ursprünglichen Idee, zieeh viele bunte T-Shirts übereinander (was bei den Temperaturen auch ganz passend ist), darüber mein schönes lila Kittelkleid und die gepunkteten Gummistiefel, und in letzter Minute, als ich eigentlich auf der Suche nach Luftschlangen bin, mit denen ich mich behängen wollte, stoße ich in meiner Kramschublade auf Omas Plastikostereier, die sie immer in den Strauch vor dem Haus hängt, und binde mir ein paar davon an den Sonnenhut aus Stroh. Noch eine Stoffblume ins Knopfloch und fertig ist der Frühling.
Der Karnevalsumzug im Dorf startet pünktlich um 14:11 Uhr und ist eine große Sache. Je mehr Menschen man „im Zuch“ kennt, desto voller werden die mitgebrachten Stoffbeutel. Oder man muss niedlich in Tier-Plüsch-Kostüme gehüllte Kleinstkinder mit sich führen.
Die Zuschauer marinieren sich fleißig in mitgebrachten oder aus Garagen und Carports von Nachbarn, Freunden und Bekannten angebotenen alkoholischen Getränken aller Art (viel Sekt, Bier, Schnaps), und als der Zug seine Runde durchs Dorf gedreht hat, verteilt sich die Einwohnerschaft je nach gegenseitigen Sympathien auf den verschiedenen Hofpartys.
Wir mäandern von Party zu Party, entdecken auch ein paar bekannte Gesichter und H. findet einen alten Schulkameraden aus der Grundschule wieder, der sich aber nur rudimentär erinnert (oder nicht erinnern will).
Der Alkohol fließt in Strömen, die Partymusik frisst sich ins Hirn, Männerhände landen auf Frauenärschen, und die ungelenken Jungs mit Brille und Überbiss, die wahrscheinlich bei den Kameraden als Nerds gelten, werden auch heute Abend leer ausgehen. Sie wissen noch nicht, dass das, was sie suchen, sich hier nicht finden lässt.
Wir sind wie fast immer unter den letzten, die gehen; alle, die noch dableiben, sind viel jünger als wir.

Woran ich mich erinnern will:
Wasser trinken!!!

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