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Fastenimpulse am Donnerstag nach Aschermittwoch

7. März. Donnerstag. Hat der Donnerstag nach Aschermittwoch auch einen Namen? Man ist jetzt so gewohnt an Schwerdonnerstag, Tulpensonntag, Rosenmontag, Veilchendienstag, Aschermittwoch… Namen, um die „närrischen“ Tage aus dem Einerlei der Wochen herauszuheben – gibt es denn auch Namen für die 40 Fastentage?

Quadragesima heißt die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern.

Die Fasten- bzw. Passionszeit umfasst sechs Sonntage: die fünf Fastensonntage und den Palmsonntag. Ihre Namen leiten sich vom ersten Wort des an diesem Tag zu lesenden Eröffnungsverses der heiligen Messe ab. Lustigerweise benutzen eher die Protestanten die lateinischen Namen der Fastensonntage, während die römisch-katholische Kirche eher durchzählt:

1. Sonntag der Passionszeit – Invocavit/Invocabit (dieses Jahr am 10.3.2019)
2. Sonntag der Passionszeit – Reminiscere (17.3.2019)
3. Sonntag der Passionszeit – Oculi (24.3.2019)
4. Sonntag der Passionszeit – Laetare (31.3.2019)
5. Sonntag der Passionszeit – Judica (7.4.2019)
6. Sonntag der Passionszeit/ Palmsonntag – Palmarum/Dominica in Palmis de passione Domini (14.4.2019)

Die übrigen Tage haben wohl keine besonderen Namen, das geht dann erst wieder in der Karwoche los.

Das morgendliche Internet-Lesefasten wirkt sich bereits aus: Der Kopf will loslegen, und anstatt sich füttern zu lassen, fängt er jetzt selber an, Gedanken und Fragen zu produzieren. Fragen wie die nach den Namen der Fastentage.

Und Ideen: Ist es nicht blöd, alles zu lesende eine Woche aufzuheben und dann am fastenbrechenden Sonntag sozusagen Binge Reading zu betreiben? Wird da der Kopf nicht total überflutet? Würde ich nach einer Woche Nahrung fasten wirklich erst einen Fast-Food-Laden und danach eine Konditorei leer essen? Oder würde ich mir nicht eher ausgewählte Häppchen gönnen, besondere Genüsse, die ich wirklich entbehrt habe?
Sollte ich dann nicht vielleicht doch wochentags jeweils ein bisschen lesen, vielleicht die Posts von einem ausgewählten Blogger? Sozusagen fokussiert konsumieren?

Ich merke, dass ich schon anfange, mich zu behumsen. Andererseits finde ich die Grundidee nicht schlecht, sich sozusagen als Lenkung täglich eine Frage, einen Gedankenanstoß zu holen, über den ich nachdenken und den ich in Bezug auf mein Leben und meine Fragen „bearbeiten“ kann.

Bei der Suche nach den Namen für die Tage der Fastenzeit stoße ich auf die Fastenimpulse auf domradio.de, die letztes Jahr von Kaplan Thomas Hufschmid aus Sinzig verfasst worden sind.
Thomas Hufschmid ist ein junger Priester (* 1990), der erst 2017 zum Priester geweiht wurde und nun als Kaplan (eine Art Hilfspfarrer) in Sinzig am Rhein tätig ist. Junger Mensch und eine Pfarrei, die hier sozusagen um die Ecke liegt, das passt, denke ich, also wähle ich mal seinen Fastenimpuls zum Donnerstag nach Aschermittwoch aus dem Jahr 2018 als heutigen Denkanstoß heraus.
(2019 gibt übrigens die Franziskanerin Schwester Katharina Hartleib, Ordensfrau in Olpe, die Fastenimpulse.)

Der Impuls von Kaplan Hufschmid bezieht sich auf das persönliche Glück. Darauf, wie sich hinter der Fassade von äußerem (materiellen) Glück häufig persönliches Unglück verbergen kann. Auf die Frage nach dem „wahren“ Glück. Ob das Glück wirklich in Dingen und Erlebnissen, also im Konsum, liegt und was wir brauchen, um unser inneres, tieferes Glück zu finden.
Das ist natürlich nicht nur ein philosophischer Dauerbrenner sondern auch eine Frage, die momentan wieder voll im Trend liegt: Was nützt materielles „Glück“, wenn wir beim Erwerb desselben die Umwelt und damit unsere Lebensgrundlage zerstören? Wie finde ich durch Reduktion meines Besitzes (Mari Kondo!) größere innere Zufriedenheit?

Mal abgesehen davon, dass ich die Postulierung einer Gegensätzlichkeit von „äußerem“ und „innerem“ Glück problematisch finde, schließlich schließt das eine das andere nicht aus und es gibt  erhebliche Wechselwirkungen und Abhängigkeiten, so soll es mir doch heute nicht um eine Begriffskritik gehen, sondern um den zugrundeliegenden – vielleicht wegen der Allgemeinverständlichkeit etwas zu pauschal und undifferenziert formulierten – Gedanken:

Für mich persönlich glaube ich sagen zu können, dass ich bereits inneres Glück erreicht habe. Für mich liegt das Glück darin, bei mir selbst sein zu können, ich sein zu dürfen, mein Leben selbst gestalten zu können. Materieller Wohlstand kann dabei enorm helfen, aber ich finde mein Glück auch ohne Geld. Die Existenz muss halt gesichert sein, alles weitere ist Luxus, und den genieße ich auch sehr bewusst, wenn er mir mal zuteil wird.

Ich weiß, dass ich nach außen auch durchaus materiell gutgestellt wirke. Wie schwer dieses bisschen Geld verdient ist und mit wieviel Sorgen jeden Monat die Existenzsicherung verbunden ist, lasse ich in der Regel nicht erkennen. Zum einen weil ich selbst nicht ständig darüber nachdenken will, zum anderen weil ich es zwar belastend finde, mich davon aber nicht verunsichern lassen will: Wer sich in eine Opferrolle begibt, verliert irgendwann den Ehrgeiz, die Situation zu ändern oder wirklich zu akzeptieren.

Hufschmid appelliert daran, sich auf die „wahre innere Freude“ zu besinnen.

Ich will zwar einiges ändern in meinem Leben, vor allem im Beruflichen, aber die wahre innere Freude habe ich – bei allem Zynismus, der mich auch auszeichnet – gefunden und will sie festhalten.
Mehr „äußeres“ Glück im Sinne eines materiell Besser-als-Existenzminimum-Gestelltseins strebe ich aber als Ergänzung ebenfalls an. Einfach, damit mich im Alter die Sorge um die Existenz nicht das Leben und das innere Glück kosten.

*******

Nachmittags dreienhalbstündiger Spaziergang in feinstem Aprilwetter: Sonne, Wolken, Sturmböen, Regengüsse, Regenbogen. Oben auf der Höhe den weiten, weiten Blick tief in die Eifel, den Hunsrück, den Westerwald und den Taunus hinein genossen. Das Spiel von Licht und Schatten auf den Hangwiesen beobachtet. Danach wunderbar erschöpft, aber – dank einer interessanten Aufgabe und persönlicher Neugier – nochmal vier Stunden an einem neuen Projekt gearbeitet. Auf dem Sofa im Wohnzimmer.

Woran ich mich erinnern will:
Bei Wind  u n b e d i n g t  eine Mütze aufsetzen, sonst Migräne!

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Ein Gedanke zu “Fastenimpulse am Donnerstag nach Aschermittwoch

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