Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Seelische Verdauung

16. März. Samstag. Neben der Funktion als Neutralisator des Gehirns zwischen zwei Aufgaben habe ich einen weiteren Anwendungsbereich des exzessiven Internetlesens bei mir gefunden: Den Kopf beschäftigen, wenn er selber keine sinnvollen Gedanken (mehr) produzieren kann, aber nicht bereit ist, einfach abzuschalten (oder schlafen nicht in Frage kommt). Gestern Nachmittag fiel es mir mit meinem Matschkopf schwer, mich auf Sinnvolles zu konzentrieren. Eine Stunde Twitterlesen wäre aber durchaus noch gegangen, und ich sehnte mich nach dem Geplätscher fremder Gedanken, Meinungen und Wortspiele.

Statt kreative oder hilfreiche Gedanken zu produzieren, verlagert sich momentan meien geistige Aktivität neben der Arbeit auf die Schlafenszeit: Ich träume unglaubliches Zeug. Regelrechte Geschichten mit teils sehr bedrohlichem Unterton, auch wenn vordergründig gar nicht so viel passiert. Aber die Grundstimmung ist eher nicht so toll.

Ich sehe das als Verarbeitungsphase an. Ich habe den Kopf in den letzten Monaten (Jahren?) mit viel Zeug vollgestopft, sehr viele schlimme Dinge sind Menschen in meinem Leben passiert, von lebensbedrohlichen Krankheiten, Unfällen und Todesfällen bis zum brutalen Verlust des eigenen Kindes durch Selbstmord. So viel Angst und Frust und Wut und Trauer und Selbstzweifel wurden da auch in meine Richtung gesandt, dass ich jetzt auch erstmal Zeit brauche, das alles zu verdauen. Dazu eigener Stress, eigene Ängste, eigene Sorgen – es hat sich einiges angesammelt.

Pflegen. Aufräumen. Neue Perspektiven erkunden.
Noch fünf Wochen bis Ostern.

*******

Gemütlicher Vormittag. Ausgiebig str8ts gespielt und meine Mailbox aufgeräumt. Nach dem Frühstück mit H. einkaufen (hauptsächlich Getränke).
Nach einem kleinen Notfalleinsatz, den ich nicht bis Montag vor mir her schieben wollte, den ganzen Tag am mittelgroßen Projekt gearbeitet. Das ist jetzt bis auf etwas Feinschliff und etwaige Änderungswünsche praktisch fertig. Zum Glück, es zog sich.
Abends – auch im Zug von Quo vadis – zwei Stunden Mega-Projektplanung, wo ich alles, was auf irgendwelchen Listen stand, nahm, bewertete, terminierte und grobplante. Um zu entscheiden, ob und wo ich Hilfe suche, muss ich ja wissen, wo ich stehe. Lustigerweise sieht es gar nicht mehr so dramatisch aus – viel Druck und Stress entsteht eben auch aus dem Wegschieben.
Müde aber einigermaßen zufrieden auf ARTE die Doku über den Orient Express genossen und ein bisschen geträumt. Istanbul…?

Woran ich mich erinnern will:
Beim Mittagsimbiss immer eher zu wenig und nicht im Sessel essen, dann falle ich auch nicht sofort anschließend ins Koma.

 

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.