Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Arbeitszeiten

14. Mai. Dienstag. Ich fühle mich nach wie vor gut, energiegeladen, souverän, kompetent. Ich muss das ausnutzen, es werden auch wieder andere Tage kommen.

Ich genieße das Vor-mich-hin-Arbeiten sehr, unterbrochen nur von Anrufen und Mails der Lieblingskundin, aber das ist ok, denn wir befinden uns gleich mit mehreren Projekten im Endspurt, jetzt dürfen Auftraggeber draufschauen und letzte Wünsche äußern, und das ist immer eine sehr spannende Zeit, weil viele, die vorher nur ein „Foto“ ihrer geplanten Website gesehen haben (also das Layout gebastelt in einem Bildbearbeitungsprogramm), jetzt völlig überrascht sind, dass das ja genau so jetzt auch im Browser aussieht, und sie hätten doch gedacht, das sei nur ein Vorab-Entwurf gewesen und am Ende sähe das alles noch anders aus, und in solchen Momenten beneide ich die Lieblingskundin wirklich nicht.

Ich aber komme gut voran und schaffe entspannt nebenbei noch ein bisschen Haushalt (Wäsche waschen, Geschirr spülen, Essen machen) und ein kleines Mittagsschläfchen, und das ist alles sehr schön.

Ich muss ein wenig lächeln über die Aufregung nach dem Urteil des EuGH bezüglich der Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit von Arbeitnehmern und kann mir schon vorstellen, welche Diskussionen für den Rest der Woche in den Teeküchen dieses Landes geführt werden.

Interessant in diesem Zusammenhang die Erinnerung an die Vorgaben des Arbeitsschutzes: Gearbeitet werden darf in der Regel maximal acht Stunden pro Werktag und maximal sechs Tage die Woche. Sonntag ist frei. Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit muss es eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden geben. Natürlich gibt es Ausnahmen für besondere Bereiche – Krankenhäuser und Pflegeheime schließen selbstverständlich nicht am Sonntag, und Bereitschaftsdienste können auch länger als acht Stunden dauern, wenn das im Tarifvertrag so festgelegt wird.

Nun frage ich mich schon, wie das mit der Realität vereinbar ist, dass viele Arbeitnehmer heute praktisch rund um die Uhr telefonisch oder per Mail erreichbar zu sein haben oder die Leute so mit Aufgaben zugeschüttet werden, dass es unmöglich ist, diese an einem Achtstundentag zu erledigen und man aus Angst um seinen Job dann halt eben Überstunden macht oder Arbeit mit nach hause nimmt.

Als Selbstständige erfasse ich seit Jahren meine Arbeitszeit und muss wohl auch mal das Mäntelchen der Arbeitsschutzbeauftragten anziehen und ein Wörtchen mit der Chefin reden: Acht Stunden täglich! Sonntags frei!

Woran ich mich erinnern will:
Kontaktaufnahme zum Küken, das erst ängstlich ist und dann auf mein übertriebenes Gurren mit einem leichten Summen reagiert und sich wieder entspannt.

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