Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Stadtbummel mit Eis

27. Juni. Donnerstag. Siebenschläfertag. Es hat ja keinen Sinn, irgendwem (zuletzt mir selbst) vormachen zu wollen, ich könnte ernsthaft wie versprochen die beiden Langzeitprojekte bis Monatsende fertigbekommen. So krieche ich also heute (zum wiederholten Mal) zu Kreuze und kündige wieder mal etwas Aufschub an.

Die Nacht war sehr schlecht, ich lag die ganze Zeit schweißgebadet in einem feinen Windzug, das Schlafzimmer war gefühlt 40 Grad heiß, aber da H. ruhig schlief, war das wohl nur Einbildung bzw. irgendeine Störung in der Temperaturregulation meines Körpers. Ich zog dann kurz vor drei um auf das Sofa in meinem Zimmer und konnte dort wunderbarerweise recht gut schlafen. Ob das nun am Zimmer oder an mir lag, oder es um diese Zeit einfach kühler wurde, weiß ich nicht, ist mir auch egal, Hauptsache Schlafen klappt, wenn auch mit blöden Träumen (Aufräumen im Kopf).

Früh zum Bäcker, dann Haus lüften und dabei eine Stunde im Wohnzimmer sitzen und Orhan Pamuks Istanbul lesen, damit ich es mitbekomme, wenn jemand (Mensch oder eine der Nachbarskatzen) durch die weit offene Haustür spaziert. Dann Kleinkram in der Arbeit und – wieder mal – eine lange Mail an die Freundin, um ihr unsere Position in einer aktuellen Angelegenheit verständlich zu machen, die sie aber, so interpretiere ich zumindest ihre Antwort, die etwas später eintrudelt, nicht die Bohne interessiert, weil IchIchIch und alle anderen böse. Diese „Freundschaft“ kühlt meinerseits gerade merklich ab. Sei’s drum.

Mittags um zwei mit H. in die Stadt gefahren für ein paar Erledigungen: Auf einem zentralen Platz eine derzeit dort präsentierte Lösung für vertikales Gärtnern beguckt und auf Umsetzbarkeit überprüft (so eher nicht), dann T-Shirts für ihn und mich gekauft, dann brauchte er eine Bratwurst, ich eine kalte Saftschorle, kurze Rast auf einem kleineren Platz, dann Schuhgeschäft (für ihn), das ich nach wenigen Minuten fluchtartig verlasse, weil die Klimaanlage so kalt und windig eingestellt ist, dass ich befürchte, nach drei weiteren Minuten im Laden morgen einen steifen Nacken zu haben. Ich verbringe die Wartezeit auf einem weiteren kleinen Platz, auf dem ein Brunnen steht und schaue Leute.

Dann stößt H. ohne Beute wieder zu mir und es folgt mein persönlicher Programmpunkt Nummer 2 für diesen Ausflug: Eis essen. Und zwar mit Hinsetzen und Kaffee dabei und Eis in der Glasschale statt im Pappbecher, mit Sahne und Schokosoße. Es wird HimbeerMangoMokka, während H. zu ZitroneHimbeerPistazie greift und sich zum Nachtisch noch eine Kugel Zitrone-Basilikum in der Waffel gönnt.

Dann in ein nahegelgenes Einkaufscenter, wo wir etwas herumirren, weil ich einen Laden falsch verortet habe und dann erstmal einen Etagenplan finden muss. Während ich in dem Laden einige Mitbringsel für Daheimgebliebene besorge, entert H. den zweiten Schuhladen derselben Kette und wird zum Glück fündig, so hat er sein kleines Erfolgserlebnis, das ist für derartige Ausflüge (und die Laune danach) wichtig. Dann noch ein Einkauf im Supermarkt – wir haben die Nachbarn zu uns eingeladen und besorge noch ein paar Antipasti –, im Büro der Verkehrsgesellschaft eine Frage klären, die mich schon lange beschäftigt (nur um hinterher festzustellen, dass ich die Frage unscharf formuliert habe, so dass ein Aspekt für mich immer noch nicht 100% klar ist) und schließlich mit Bus 1 zum Busbahnhof gefahren, um dort Bus 2 ins Dorf zu erwischen, wo wir glücklich um sieben Uhr ankommen.

Es war zwar immer noch warm, aber eher ein warmer Sommertag als ein dampfender Glutofen, also durchaus auszuhalten, wenn man sich nicht zu lange in der direkten Sonne aufhielt.

Ich bereitete das Abendessen zu und schwitzte dabei in der heißen Küche nochmal drei Liter Wasser aus, dann Terrasse, dann ermattet ins Bett.

Woran ich mich erinnern will:
Motive hinterfragen: Betreibe ich den Aufwand, um jemandem etwas Gutes zu tun, oder um etwas für mich zu erreichen? Und dementsprechend die eigene Reaktion einordnen. Wer ehrlich zu sich selbst sein kann, ist auch ehrlicher zu anderen.

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