Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Schluss damit!

10. August. Samstag. Die Freundin hat ihren Willen durchgedrückt und bekommen, was sie wollte. Ganz offensichtlich hat sie selbst nicht mit einem Erfolg gerechnet, denn nun geht das große Wehklagen los: das sei ja alles gar nicht zu schaffen, sie brauche mehr Zeit, und überhaupt, warum sei das Leben nur so kompliziert („Wie kann die Bank ein Konto für mich eröffnen, wo kein Geld drauf ist – Woher weiß ich, dass ich das Konto wirklich habe?“).
Das ist natürlich alles nur Pseudo-Opferhaltung und Aufmerksamkeitsheischen, denn Erklärungen oder Hilfe will sie nicht („Ich verbitte mir jede Einmischung“), von niemandem. Zum Selbstbestimmt-Leben gehört aber offensichtlich nicht das sich selber um seine eigenen Angelegenheiten Kümmern, wenn es unangenehm wird – da soll dann gefälligst der Noch-Ehemann ran.
Grummel.

Als H. mir nach dem Telefonat mit dem Freund die neuesten „Klöpse“ erzählen will, ticke ich aus: Ich kann und will das alles nicht mehr hören. Wir haben hier massive Geld- und Existenzsorgen, und dann beschäftigen wir uns jede Woche mehrere Stunden mit den Eigenheiten von Leuten, die wir unsere Freunde nennen, und die doch nichts anderes sind als kommunikationsunfähige, egozentrische Idioten, die wie Kühe mit offenem Maul voreinander und vor ihren hausgemachten Problemen stehen, weil sie einfachste Lebenswahrheiten nicht wahrhaben wollen („Ich sollte kein Geld ausgeben, was ich vielleicht nie verdienen werde“, „Jedes Verhalten, jede Entscheidung hat Konsequenzen“, „Was ich mir bei mir denke, ist nicht unbedingt das, was jemand anders dazu denkt – und wenn ich nicht darüber spreche, werde ich unter Umständen eine Überraschung erleben“).

In den letzten 400 Tagen habe ich mich laut meiner Arbeitszeiterfassung 192 Stunden mit ihnen beschäftigt – in Form von Telefonaten, Treffen, Aussprachen und Besprechungen mit H. Dazu kommen mindestens nochmal so viele Stunden, in denen ich neben meiner Arbeit über sie nachgedacht habe oder mich außerhalb meiner Arbeitszeiterfassung mit H. über sie ausgetauscht habe: in endlosen Frühstücks- oder Abendgesprächen, während einer Zugfahrt, in Telefonaten, die eigentlich über ein anderes Thema begannen, abends im Garten, bei Spaziergängen.

Das heißt, ich habe mich im vergangenen Jahr im Schnitt jeden Tag mindestens eine Stunde mit ihnen beschäftigt. Würde ich dafür einen moderaten Selbstständigen-Stundensatz von 50 Euro ansetzen, wären das 20.000 Euro. Bei fast 13 Monaten jeden Monat 1.500 Euro. Damit wären meine Geldsorgen obsolet.

Und wo würden wir stehen, hätten wir dieselbe Zeit für Dinge aufgewendet, die uns nützen? Zum Nachdenken darüber, wie wir neue Aufträge bekommen, wie wir das Häuschen umbauen, den Garten gestalten, usneren Nachlass regeln? Oder wenn wir nur die Hälfte der Zeit mit Menschen verbracht hätten, die uns bereichern und nicht emotional aussaugen?

Schluss damit!

Woran ich mich erinnern will:
Abends zirpen die Grillen im Baum vor dem Fenster. Summer Nights…

 

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