Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Leistungsmarsch

26. August. Montag. Nach abendlicher Besprechung über die aktuellen Entwicklungen bei Freund und Freundin eine sehr unruhige Nacht verbracht.

Sie ist eine arme Sau, das weiß ich natürlich, und mein Impuls zu helfen ist nach wie vor groß. Und es fällt schwer einzusehen, dass man einem Menschen nicht helfen kann, der nicht mal zu einem Minimum an Selbstkritik und -reflexion fähig ist und dem somit jegliche Einsicht in sein eigenes Verhalten und dessen Auswirkungen auf die Umwelt fehlt bzw. dem die Folgen auch komplett egal sind, denn das einzige, was zählt, ist Ichichich.

Immehin, der Sohn zieht jetzt aus und mit einem Bekannten zusammen in eine Wohnung in der Innenstadt, das freut mich sehr.

Aber ich denke mit Grausen, wie die Freundin ihren eigenen anstehenden Umzug bewältigen will. Das kleine Haus ist vollgestopft bis unters Dach. Der Mietvertrag wird jetzt gekündigt, d.h. bis Ende November muss das Haus leer sein und das Zeug in die neue Wohnung transportiert werden. Das sind 14 Wochen. 98 Tage. Inklusive Keller- und Wirtschaftsräumen sind 10 Räume zu bewältigen (Dinge durchsehen, aussortieren, entstauben, verpacken, transportieren, Müll wegschaffen, Möbel zerlegen). 10 Räume, die bis unter die Decke vollgestellt sind mit Möbeln, Kartons und Stapeln von Zeug.

Pro Raum eine Woche, dann hat man noch Puffer für krank werden, Termine, dem Sohn beim Auszug helfen, Unvorhergesehenes.
Das ist nur zu schaffen, wenn man sofort loslegt und stramm bei der Sache bleibt.

Und die Freundin so: Ich lass mir da nicht reinreden, ich muss das in meinem Tempo machen, und ich mach das schon – jetzt muss ich mich erstmal ausruhen. Außerdem kann ich ja den Vermieter notfalls bitten, einen Monat später ausziehen zu können, im Dezember vermietet er das Haus doch sowieso nicht.
Damit könnte sie sogar Recht haben, aber auf diese Weise zerrinnt das wenige Geld, das sie noch hat, ihr natürlich unter den Fingern (doppelte Mieten, evtl. eine zusätzliche Miete, Hilfen bezahlen, wenn es doch knapp wird).

Und ich arbeite daran, das alles nicht an mich heranzulassen.

* * * * * * *

Die Lieblingskundin mailt morgens, ob wir zwei Projekte bis Ende der Woche fertig haben können. Der Laissez-Faire-Kunde erwartet dasselbe. Ich bin Mittwoch komplett eingebunden und brauche heute und morgen für Vorbereitungen. Das passt mir jetzt alles gar nicht!
Immerhin mit zwei von drei Projekten wesentlich weitergekommen.

Mittags los zu großer Runde: Müll wegbringen, ins Kaufhaus: Bäcker („Ciabatta? Das kenne ich nicht. Ich kann Ihnen Zwiebelbrötchen anbieten…“), Lebensmittelabteilung (Frau an der Kasse: „Oh, lauter feine Sachen…!“), Feinkostladen im Untergeschoss (9,40 Euro für einmal Ciabatta natur, einmal mit Olive und ein Tütchen Fruchtgelee), Dekoabteilung (12,00 Euro für 3 Kerzen), Post (Glückwunschkarte einwerfen). Dann Baumarkt (Schlauch fürs Waschbecken, der – wie sich abends herausstellt – wahrscheinlich am Ende das falsche Gewinde hat), Supermarkt 1 (neben Wein und Antipasti 4 kg Blumenzwiebeln für den Garten am Häuschen), Supermarkt 2 (Sekt, Äpfel, Tiefkühlkost).

Ich schleppe mich mit vollem und schwerem Rucksack und zwei vollgepackten Einkaufsbeuteln den knappen Kilometer nach Hause (unterwegs kurze Rast auf einer Bank).
Wiege zu Hause die Taschen: 17kg. Das war dann mein heutiges Sportprogramm: 3 Kilometer in 2 Stunden marschieren mit Gepäck. Nicht ganz der Schnitt wie bei einem Leistungsmarsch, dafür mit mehr Last und ein paar Jahrzehnte älter.

Auf einem Berliner Bus eine Werbung der Bundeswehr: So etwas hätte es früher nicht gegeben! *krückstockgefuchtel*

Nachmittags längeres Planungstelefonat mit M., projektbezogenes Telefonat mit H., dann endlich Ruhe.
Bügeln.
Internet lesen.
Platt.

Woran ich mich erinnern will:
Faulenzertage rächen sich immer.

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Ein Gedanke zu “Leistungsmarsch

  1. Pingback: Entspannte Vorbereitungen | Annas Miniaturen

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