Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Kämpfe

5. November. Dienstag. Die Erkältung versucht immer noch ihr Glück, aber das Immunsystem hält wacker dagegen. Alles gut, nur die Bronchien jucken und der Kopf matscht ein wenig. Geht halt alles etwas langsamer.

Das Arbeitsprogramm für heute sah neben unwichtigem Kleinkram und einem Telefontermin mit der Lieblingskundin (die mich ohne Lebenszeichen versetzte – hoffentlich hat sie nur Stress oder eine Grippe, und es ist nichts Schlimmeres…) vor allem eine Aktion vor, die mir Angst macht, und zwar soviel Angst, dass sie, obwohl eigentlich extrem dringlich, seit zwei Wochen auf meinem Schreibtisch (und in meinem Kopf) vor sich hin glüht und brennt.

„Eat the Frog!“ dachte ich und stürzte mich herzklopfend, schwitzend und mit Schwindelgefühlen in die Erledigung – nur um den einen Part nach 25 Minuten, den zweiten nach 20 Minuten erledigt zu haben, ohne dass der Himmel einstürzte oder eine strafende Hand daraus fuhr, um mich niederzustrecken.
Manchmal geniere ich mich schon ein bisschen vor mir selbst – und ich farge mich, warum bestimmte Dinge IMMER ein emotionales Drama sein müssen, selbst wenn der Kopf hundertmal sagt, Kein Problem, und das auch in der Vergangenheit tausendfach bewiesen worden ist.
Blödquatsch.

Statt erleichtert und glücklich war ich nun vor lauter Stress und Adrenalin (denn schließlich hatte ja offensichtlich ALLES auf dem Spiel gestanden…) erschöpft, knatschig, lustlos und leer.
Und das um zehn Uhr vormittags.
Na toll.

Ich betrieb also etwas mentale Wellness und recherchierte ein Randproblem der DSGVO (call me weird…), schrieb einen Text dazu an die Lieblingskundin, gefolgt von einem Nachruf auf einer Website (für manche Kunden muss ich bei Gelegenheit texten), korrigierte einen Pfad, weil auf einer Website anscheinend seit anderthalb Jahren nicht die richtige Schrift geladen wird, was offensichtlich niemandem außer einem SEO-Tool aufgefallen war.
Dann versuchte ich, eine Website zu beschleunigen, machte den Kühlschrank sauber und räumte auf meinem PC auf.

Dann war es zwei Uhr, und ich hatte wirklich, wirklich keine Lust mehr, also ging ich einkaufen und besorgte Unmengen Wurst und Fleisch, einfach weil ich Lust darauf hatte. Es wird in den nächsten Tagen also Kalbsleber geben und Linsen mit Bockwürsten (ohne Spätzle) und Steckrübeneintopf mit Beinscheibe und morgens Brot mit Salami, Paprika-Kochwurst und Krakauer. Fuck it.

Nachmittags zum Kaffee eine wirklich ausgesprochen leckere Birne-Walnuss-Schnecke, gefolgt von einer Tüte Honig-Senf-Chips. Ich habe nach dem anstrengenden Morgen immer noch das Bedürfnis, mich zu belohnen, wofür auch immer. Vielleicht will der Körper wegen Stress und Schnupfen auch einfach ein bisschen mehr Instant Energy als sonst, was weiß ich.

Dann der neue ZEIT-Podcast Verbrechen, dabei spielen (2048), dann Kleinigkeiten erledigen (ein falscher Textfluss hier, ein bisschen Dateimüll da) und anderthalb Stunden Geschichts-Recherchen. Geschirr, aufräumen und dann endlich: Let’s Call It A Day!

Woran ich mich erinnern will:
Amselgesang am Morgen im Nieselregen.

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