Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Besser als Familie

8. November. Freitag. Beim Aufwachen besser gefühlt, und wie bei jeder Erkältung wieder zu dem Schluss gekommen, dass Oma wirklich Recht hatte: Drei Tage kommt er, drei Tage steht er, drei Tage geht er. Gestern war Tag drei des Stehens, und nun verschwinde!

Die To-Do-Liste ist nach wie vor erschreckend kurz, die Might-Do-Liste umso länger, also arbeite ich weiterhin ab, und es fühlt sich nach wie vor sehr gut an. Heute also eine Website schneller gemacht und zwei technisch aktualisiert; beides ist viel mechanisches Abarbeiten von Checklisten mit Wartezeiten zwischendurch, in denen Daten gelöscht oder hochgeladen werden und sich Server neu sortieren. Sehr entspanntes Arbeiten, also.

Zwischendurch zwei Telefonate mit einem Kunden, der sich über die Fehldarstellung seiner Baukasten-Seite wundert. Ich habe mich auch darüber gewundert, dass der Baukasten-Anbieter „wegen der geringen Nutzerzahlen“ keine Tablet-Ansicht sener Templates bereitstellt und zudem Windows-, Android- und Apple-Geräte jeweils andere Sachen anzeigen (die einen zeigen die Smartphone-Version, die anderen die Desktop-Version), und ich überlege nun, wie ich ihm das beibiege und ob ich nicht vielleicht doch noch ein wenig manipulieren kann. Pfff…

Mittags vor einem kleinen Imbiss noch schnell einkaufen gegangen, das spart uns dann morgen den stressigen Wochenendeinkauf. Auf dem Heimweg ene Bekannte getroffen, kurz geplaudert, dann im türkischen Café an der Ecke einen anderen Bekannten entdeckt, den ich letztens nach langer Zeit bei der Party wiedergetroffen hatte. Ich frage, ob ich mich dazusetzen darf, und dann plaudern wir zwei Stunden über unsere jeweilige Familiengeschichte, den Zweiten Weltkrieg, Russland und Reisen in ungewöhnliche Länder (Tibet, Kasachstan…).

Ein anderer Bekannter kommt vorbei, bleibt stehen und fragt mich nach einem gemeinsamen Freund, der vor ein paar Jahren von Berlin zurück in seine Westerwälder Heimat gezogen ist, auch das ein netter Plausch, alles fast wie früher im Café L., wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit entspannt herumsitzen und Zeitung lesen oder einfach nur schauen und trinken konnte, und immer kamen Leute vorbei, man plauderte kurz oder auch lang miteinander und ging dann wieder auseinander, und für einige war das der Dorfbrunnen, für andere das Wohnzimmer und für mich immer ein ganz wichtiges Stück Zu-Hause-Fühlen, Familienersatz.

Ich aß ein Stück Käsekuchen, sparte mir den Mittagsimbiss, mein Gott, es ist Freitag und Freitag um eins macht jeder seins. Der Bekannte, mit dem ich zwei Stunden saß, fragte irgendwann, Du arbeitest von zu Hause? Den ganzen Tag allein? und als ich bejahte: Aber man muss doch auch mal rausgehen, unter Leute! Und als ich sagte, Das tue ich doch gerade!, mussten wir beide lachen.

Um halb fünf wieder zu Hause, aufgedreht von Koffein und sozialem Kontakt und menschlicher Wärme war es natürlich nichts mehr mit Arbeit, warum auch.
Immerhin, ein Mini-Marketingkonzept (bzw. die Fragen, die man sich stellen sollte, unabhängig von der Branche) schrieb ich noch für eine Kundin der Lieblingskundin, dann endgültig Feierabend.

Den ich mit der ersten Folge des Podcasts der Dauernörgler begann, und das hat mir wirklich sehr gut gefallen, auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob das alles so stimmt, was sie sagen und ob der Rest der türkischen Community das ähnlich sieht – sicher gibt es auch da viele Stimmen, viele Meinungen, viele Sichtweisen, die werden nur einfach im öffentlichen deutschsprachigen Diskurs nicht oder kaum wahrgenommen – aber es öffnet sich ein kleines Fenster und es gibt Stoff zum Nachdenken und Nachfragen. Kein geringes Verdienst.

Dann noch Geschirr von drei Tagen gespült (wenn ich krank bin, bleibt es halt liegen) und Essen gemacht, und nu‘ is Feierabend, und ich gönne mir einen Armorik.

Woran ich mich erinnern will:
An dieses wunderbare, entspannte Gespräch über alles und nichts.

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Ein Gedanke zu “Besser als Familie

  1. Pingback: Brodelnde Gereiztheit | Annas Miniaturen

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