Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Verantwortung übernehmen

16. November. Samstag. Unruhig geschlafen, um 6:00 aufgestanden. Es regnet. Nach einer Woche Sonnenschein, zumindest ab mittags, wenn sich der Hochnebel aufgelöst hat, passt das schon.

Nachdem wir nun beschlossen haben, vor Weihnachten nicht mehr ins Dorf zu fahren und auch meine Kundinnen alle signalisieren, dass vor Weihnachten nicht mehr allzu viel passieren wird (mal sehen, was davon zu halten sein wird), sehe ich mich nun erstmals seit Jahren wieder einer langen, ungestörten, entspannten (?) Adventszeit gegenüber.
Wie möchte ich diese verbringen? Was macht für mich eine „enstpannte“ Adventszeit überhaupt aus?

Alles, was mir dazu einfällt, ist mit Arbeit verbunden, widerspricht also eigentlich dem „entspannt“-Teil: eine saubere, aufgeräumte, heimelig dekorierte Wohnung, selbst gebackene Kekse, leckeres Essen, Kaffeekränzchen in kleiner Runde, Glühwein und Süßigkeiten auf dem Weihnachtsmarkt, mit einem Buch bei Kerzenschein und einem leckeren Kaffee- oder Kakaogetränk (mit Gewürzen, und Sahne) im Sessel.
Anderes setzt bestimmtes Wetter voraus: Glühwein bei klirrender Kälte, stille, besinnliche sonnige Vormittage, ein Spaziergang im Schnee und zu Hause dicke Socken und heiße Schokolade.

Wichtige gemeinsame Elemente aller Fantasien: Es ist sauber, aufgeräumt und gemütlich, keiner will was von mir, und ich kann den ganzen Tag tun, worauf ich Lust habe, und das über mindestens eine Woche hinweg.
Hach.

* * * * *

H. hatte heute einen Vor-Ort-Termin, zu dem er diverse Elektronik transportieren musste, also bin ich vomittags mit ihm rüber in sein Büro gegangen und habe packen und verladen geholfen.

Anschließend kleine Runde zur Bank und zum Laden, ein paar Reste fürs Wochenende einkaufen.

Dort angesichts eines sehnsüchtig nach Herrchen oder Frauchen kläffenden jungen Kampfhundes (selbstverständlich ohne Maulkorb, denn „der tut nichts“) im Ladeneingang wieder mal an der Menschheit verzweifelt:
Der/Die HundebesitzerIn kümmert sich nicht, obwohl das Kläffen im Laden gut zu hören war. Ein Kunde traut sich nicht raus („Ich bin schon mal gebissen worden, ich gehe da nicht vorbei“), andere trauen sich nicht rein. Die Kassiererin, die drei Meter entfernt sitzt, macht nichts („Was soll ich da machen?“). Andere KundInnen sind zwar empört, das stellt sich heraus, als ich etwas sage, machen aber das Maul auch nicht auf.

KEINER unternimmt irgendwas, um eine Situation zu klären, die für ALLE unangenehm ist.
Niemand bittet die Kassiererin, jemanden zu holen, der eine Durchsage macht oder den Hundebesitzer sucht. Niemand macht sich selber auf den Weg, ihn (oder sie) im Laden aufzuspüren (es ist ein wirklich kleiner Laden, mehr als 15-20 Leute sind da nicht drin). Nichts. jeder zieht sich passiv zurück, mault vielleicht, aber tut NICHTS.
Niemand sagt auch nur etwas, bis ich den Mund aufmache, dann sind alle plötzlich dabei, selbstgerecht empört und dankbar, ein Ventil gefunden zu haben, ohne selbst aktiv werden zu müssen.

Es ist wieder mal diese Crux mit der Verantwortung: Niemand übernimmt Verantwortung für eine Situation, obwohl alle darunter „leiden“.

Endlich erbarmt sich eine junge Frau, die Hunde mag und beruhigt den Kläffer, bleibt bei ihm, bis Herrchen kommt, hält ihn am Halsband, damit andere vorbeikommen.
Auch da hat es zunächst die Legitimation durch die allgemeine Aufregung gebraucht, aber immerhin.

* * * * *

Mittags einen Rappel bekommen, den Fernseher angemacht und zu Drittes Reich-Dokus und später Shopping Queen das Bücherregal im Wohnzimmer ausgeräumt, sauber gemacht und die Hälfte der Bücher aussortiert. H. hat jetzt dort zwei Fächer für seinen Kram, damit Festplatten, Tastaturen, Kabel und ähnlicher Schnickschnack nicht mehr überall herumfliegen. Und ich schaue nicht mehr auf ein Chaos aus Staub und Papier sondern nur noch auf Bücher, die ich mag.

Woran ich mich erinnern will:
Vielleicht sollte ich nach Tagen, die sozial und emotional anstrengend waren, generell einen Haushalts- oder Putztag einlegen. Es hilft, den Kopf freizubekommen und das Ergebnis befriedigt eigentlich immer ungemein.

 

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