Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Demenzgedanken

7. Januar. Dienstag. Wieder mehrfach wach geworden, diesmal aber ohne Schrecken. Es hilft also doch, den Tag mehr zu strukturieren und zu verplanen. Aufgestanden um kurz nach sechs.

Nun ist der Monat, das Jahr schon wieder eine Woche alt. Es war eine gute Woche, eine erholte Woche. So kann das gerne weitergehen: Etwas draußen, neue Dinge kennenlernen, entspannt arbeiten, nette Kontakte, viel Ruhe.

Beim Kramen in den Schrankfächern kam mir ein Gedanke: Hier stehen ja noch etliche Dinge von H.s Mutter, weil H. sich nicht von ihnen trennen möchte und sie mir auch gefallen (oder ich sie zumindest tolerieren kann). Oder weil sie in unser 60er-Jahre-Konzept passen.
Und ich frage mich: Wenn ich mal dement werde, wird mein Kopf sich dann für diese Dinge, die nicht meine sind, eigene Erinnerungen zusammenbasteln? Oder wird das jetzt bestehende leichte Gefühl der Fremdheit irgendwann dazu führen, dass ich diese Dinge ablehne, obwohl sie vielleicht bereits seit Jahren zu meiner Umgebung gehören, aber eigentlich nicht „meine“ sind?
Dass ich mich fremd fühlen werde in diesem Haus, weil ich es nie 100%-ig zu „meinem“ gemacht habe sondern Dinge darin dulde, die ich nicht beschafft oder gemacht habe? Dinge, die nach wie vor einen fremden „Geruch“ haben? Denn obwohl ich sie mag und entschieden habe, dass sie bleiben dürfen: Es sind nach wie vor die Dinge eines anderen, ich eigne sie mir nicht vollständig an.
Wie wird (m)ein dementer Kopf einmal damit umgehen?

* * * * *

Den zweiten Arbeitstag des Jahres gleich mal mit Kopfschmerzen durchgestanden. Ganz schlechtes Zeichen.
Dabei war es von außen betrachtet gar nicht besonders stressig. Da sieht man mal, wie wenig die Außensicht taugt.

Eigentlich war bei sonnigem Wetter ein Ausflug ins Tal an den Fluss mit anschließendem Einkauf geplant. Die Sonne kam gegen Mittag auch heraus, aber meine Lust auf einen Spaziergang wurde immer geringer. Nicht Faulheit, sondern bleierne Schwere in Körper und Geist waren verantwortlich für diese Unlust. Hätte es H. gezogen, wäre ich mitgegangen, aber so war ich ganz zufrieden, dass nicht.

Vormittags langes Telefonat mit der Lieblingskundin über aktuelle und zukünftige Projekte. Dann gegen zwölf sehr spätes „Frühstück“.

Danach von H. auf den aktuellen Stand gebracht, der hatte nämlich zur gleichen Zeit wie ich telefoniert, aber mit dem Freund. Dem hatte wiederum die Freundin in einer Mail über ihren „Besuch“ bei uns zu Neujahr gecshrieben, und die Darstellung und Beurteilung spricht wieder Bände. Nix ist gut, meine Liebe!
Immerhin sehen wir ihn am Freitag und können wohl auch das Auto für einen Getränkeeinkauf ausleihen.

Wie sich jetzt herausstellte, hat keiner von beiden daran gedacht, die Stromversorgung zum Ende des alten Mietvertrags zu kündigen. „Ich dachte, das macht…“
Tja, durch Denken wird aber nichts erledigt, entstehen Stress und weitere Kosten. Sie lernen es wohl nicht mehr.

Dann rief M. an, deren erkältungsbedingter Matschkopf eine Lebensmittelbestellung unmöglich machte.
Wir erledigten das also zusammen, und nun muss sie diese Woche das Haus nicht mehr verlassen, es sei denn, sie braucht Zigaretten oder muss mal raus und fährt dann zu mir, um meinen Briefkasten zu leeren.
Wovon ich abgeraten habe. Andererseits denke ich, ein täglicher kleiner Spaziergang „um den Block“ würde ihr gut tun. Nach einer Woche auf dem Sofa wird der Rücken darüber nicht jubeln, aber gar nichts tun ist ja auch keine Lösung.

Danach schien mein Kopfzu platzen, deshalb ging ich eine halbe Stunde in den Garten und entlaubte im Herbst abgeschnittene Korkenzieher-Hasel-Zweige.
Danach ging es mir besser, es ging noch etwas TV (Shopping Queen), Kaffeetrinken mit H., Internetlesen und ein Stündchen mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa dösen.
Irgendwann wurde der Kopf wieder etwas besser, und es reichte für James Bond (Spectre).

Woran ich mich erinnern will:
Dieses Gefühl aus meiner mittleren Kindheit: Ich stehe im Winter allein draußen, vielleicht scheint die Sonne, aber eher ist es diesig-grau-blass, einleichter Wind weht, und ich stehe da und frickele irgendwas. Vielleicht entlaube ich Zweige, weil das in meiner Fantasie eine wichtige Voraussetzung für eine zu erledigende Aufgabe meiner Piratenbande ist, oder weil ich ein Sklave bin, der eine stupide Arbeit erledigen muss, um nicht ausgepeitscht zu werden, oder irgendeine Fantasiefigur muss eine Gedulsarbeit erledigen, um am Ende reich entlohnt zu werden.

What I did today that could matter a year from now:
Nach dem Lüften im Gäste-WC nicht die Heizung andrehen. Dann ist es eben etwas kühl beim Pinkeln.
Versuchen Argumente zu finden, um jemanden von einer möglicherweise geschäftsschädigenden Dummheit abzubringen. Obwohl mich das direkt gar nicht betrifft und mich auch nichts angeht.

Was wichtig war:
Ruhe bewahren.
Bestimmte DInge nicht an mich heranlassen.
Auszeit im Freien.
Nicht hetzen lassen, nicht von Hektik anstecken lassen.
Nichts zwingen.
Auf meinen Körper hören.

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