Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Augen auf beim Regalekauf

12. Januar. Sonntag. Um halb sechs wach, aber das war mir noch nichts, obwohl es einen schönen langen entspannten Morgen garantiert hätte.
Stattdessen nochmal umgedreht und „zur Strafe“ einen Große-Wohnung-Traum gehabt: In den unzähligen Räumen einer riesigen verwinkelten Berliner Altbau-Wohnung traf ich auf allerlei Selbstdarsteller, Egozentriker und andere unangenehme Menschen. Ich beschloss irgendwann, dass ich mit denen nichts zu tun haben wollte und ging. Auf dem Weg nach draußen traf ich einen sehr netten, gesprächigen Bauarbeiter, draußen einen französischsprachigen Touristen. Mit beiden unterhielt ich mich glänzend und auf Augenhöhe. Ganz normale, nette, menschliche Kontakte. Geht doch.

Letztendlich dann um acht aufgestanden.

Der Plan sah heute unter anderem vor: rausgehen, Fotos bearbeiten, Kleinkram für die Lieblingskundin erledigen, Wochenplan erstellen.

Es begann nach der Morgenroutine (Internet lesen, etwas str8ts spielen) mit dem Gang zum Bäcker, gemeinsam mit H. Dort kurz mit einer Bekannten geplaudert.

Eine schöne Szene: Eine mittelalte kleine Frau kommt die Straße zum Bäcker hinuntergehoppelt. Es ist offensichtlich, dass sie es eilig hat, aber nicht so schnell kann wie sie möchte. Sie stürmt keuchend in den Laden, kann der Verkäuferin nur in gebrochenem Deutsch vermitteln, dass sie die Putzfrau sei und ihre Tasche im Mitarbeiterraum im Spind vergessen habe.
Sie darf nach hinten und kommt kurz darauf mit einer großen braunen Handtasche wieder heraus und hastet zur Tür. In dem Moment schiebt sich der Bus durch die enge Dorfstraße am Laden vorbei. Die Frau stöhnt auf – nun hat sie doch den Bus verpasst. Er fährt Sonntags nur jede Stunde, das ist ja ärgerlich! Trotzdem stürzt sie aus dem Laden – vielleicht kann sie ihn aufhalten?
Aber der Busfahrer hält an, direkt vor der Tür des Bäckers, öffnet die Bustür und lässt die Frau einsteigen. Regelrecht abgeholt hat er sie.
Beinahe hätten wir alle applaudiert…

Nach dem Frühstück setzte ich mich an die Fotos, das dauerte länger als gedacht/ geplant, aber was soll’s, es ist ja Sonntag.

Dann Kleinkram für die Lieblingskundin. Sachen, für die ich ein bisschen Konzentration und Ruhe brauche.
Das erste ging glatt durch, beim zweiten haderte ich zwischendurch kurz mit Dingen, die ich nicht (mehr) nachvollziehen konnnte, obwohl ich die Seite „erst“ 2016 erstellt hatte. Aber jedes Projekt ist anders, und manchmal muss man Abkürzungen nehmen, um mit vertretbarem Aufwand einen bestimmten Effekt zu erzielen. Blöd, wenn der dann vier Jahre später geändert werden soll.
Aber es ging dann doch relativ zügig voran.

Zwischendrin Kaffeepause mit H., dazu Vanillepudding mit aufgesetzten Kirschen vom vorletzten Jahr.

Zum Nachmittag begann ich noch mit der dritten Kleinigkeit für die Lieblingskundin, dies stellte sich aber als etwas widerspenstiges Projekt heraus, da muss ich nochmal ausführlicher Hand anlegen und etwas tiefer graben.

Vorerst lotste H. mich vom Schreibtisch in den Keller: Ob ich ganz eventuell vielleicht mit ihm noch ein Regal aufbauen könnte? Zu zweit ginge das doch besser…

Da ich den Monat zum JAnuar erkoren habe, also: Sag Ja zu Dingen, die Du sonst nicht so (gern) machen würdest, stimme ich zu, ziehe mich um und helfe ihm. Mit der richtigen EInstellung („Wir rocken das Ding jetzt und haben Spaß dabei“ statt „Boah, auf so eine Scheiße habe ich jetzt überhaupt keine Lust“) bauten wir in zweieinhalb Stunden zwei große Schwerlastregale auf, die mit einem unsäglichen Stecksystem konstruiert sind.

Dann verschwand ich in der Küche, um Essen zu machen. Ich hatte heute mehr Sinn fürs Kochen als er, außerdem würde es bei mir schneller gehen, und ich hatte Bärenhunger.

Später sah ich fern und H. kramte weiter im Keller, verschraubte die Regale, baute ein weiteres altes Regal ab und räumte herum.
Ein typischer gemütlicher Sonntag Abend also.

 

Woran ich mich erinnern will:
Dieser Moment beim Bäcker, als alle Mitleid mit der Frau haben, die den Bus verpasst, und dann hält der Fahrer souverän vor dem Laden an und lässt die Frau einsteigen. Das Leben kann schön sein.

What I did today that could matter a year from now:
Kellerregale zusammenbauen.
Eine Website ein klein wenig rechtssicherer machen.

Was wichtig war:
Ja sagen.
Mich körperlich betätigen.
Wieder den Einstieg in die Arbeit finden.
Kochen.

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