Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Entspannter Reisen

28. Februar 2020. Freitag. Der Wecker klingelt um vier nach etwa sechs Stunden Schlaf, das sollte reichen. Und es gibt mir genügend Zeit, meine Morgenroutine durchzuführen und entspannt in den Tag zu starten.

Überhaupt ist das Zauberwort heute entspannt. Ich wollte einmal ohne fette Migräne im Dorf ankommen und dafür war ich bereit, ein paar Abläufe zu ändern.
Spoiler: Es ist mir gelungen \o/

Punkt 1: Kein Laptop im Zug. Es ist zu eng in der Zweiten Klasse des ICE, oder der Läppes ist zu groß oder ich falsch gebaut, ich weiß es nicht. Jedenfalls kann ich den Computer nicht benutzen ohne hinterher einen Chiropraktiker zu benötigen. Gestrichen.

Punkt 2: Nicht fest sitzen. Ich brauche Platz im Fußraum, um immer wieder die Position ändern zu können. Das heißt: Alles, was ich brauche (Wasser, Kaffee, Proviant, Lesestoff, Notizbuch) kommt in einen Stoffbeutel, den ich herumkicken kann, der große Rucksack wandert ins Gepäckfach. Perfekt.

Punkt 3: Regelmäßig aufstehen. Während der viereinhalb Stunden Fahrt stehe ich zweimal auf (etwa alle anderthalb Stunden), einmal um aufs Klo zu gehen und eine Weile aus dem Gangfenster zu schauen, einmal, um bei der Zugtrennung in Hamm etwas frische Luft zu schnappen. Das ist sehr, sehr gut. Beim Umsteigen müssen wir nicht so weit laufen und die Zeit ist knapp, also mal kurz den Kreislauf hochjagen.

Punkt 4: Viel trinken. Erstmalig nach langer Zeit sind heute bereits vor dem Ziel Kaffeekanne und Wasserflasche leer. Yay!

Punkt 5: Keine Anspannung aufkommen lassen. Ich atme und meditiere regelmäßig, sobald mir auffällt, dass die Schultern schon wieder Richtung Ohren wandern. Kleine Dehnübungen, die ich beim Yoga gelernt habe, helfen mir unglaublich gut.

Fazit: Ich komme körperlich entspannt und schmerzfrei am Ziel an.

Schwachpunkt: Anscheinend dienen Computerarbeit und Anspannung normalerweise auch dazu, die Welt auszusperren. Ohne große Abwechslung und mit den ständigen Achtsamkeitsübungen fiel es mir schwer, die Menschen um mich herum wegzufiltern. Das führte dazu, dass ich nach etwa vier Stunden emotional sehr überreizt war und gegenüber H. extrem ungeduldig.

Ich hätte dann eigentlich ein Stündchen in einem reizarmen Raum gebraucht oder irgendeine andere Form von Rückzug, es standen aber noch eine kurze Zugfahrt, der Einkauf (bzw. Warten auf H., der den Einkauf dieses Mal erledigte), Busfahrt ins Dorf und diverse Kommunikation mit H. an (zum Glück waren die Nachbarn nicht zu Hause).
Das war schwierig, und irgendwann musste ich mich auch mal massiv abgrenzen und Ruhe und Rückzug einfordern, sonst wäre es zu einem Meltdown gekommen. Der Nachmittagsschlaf hat da leider nur bedingt geholfen.

Fazit: Die Grundidee ist gut, aber ich muss künftig neben der körperlichen Entspannung auch die mentale und emotionale Reizüberflutung im Auge behalten und Gegenstrategien entwickeln.

Woran ich mich erinnern will:
Der kleine Mann im Sitz schräg vor mir, der die ganze Zeit zusammengerollt schlief. Er hatt etwas Zartes, Verletzliches an sich, das mich rührte. Ein Feingeist?

What I did today that could matter a year from now:
Anders reisen.

Was wichtig war:
Langsam machen.
Beruhigen.
Bewusst entspannen.
Mich erklären.
Sprechen.
Rückzug.

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