Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Nilgänse und Hamster

4. März 2020. Mittwoch. Unruhige Nacht mit stündlichem Aufwachen. H. hatte noch Unruhe in sich und hat die halbe Nacht aufgeräumt. Aufgestanden kurz nach sieben.

In meinem Kopf rast eine kreischende Horde panischer kleiner Figuren herum. Ich habe Zahn- und Kopfschmerzen. Etwas stresst mich ohne Ende, ich komme aber nicht drauf, was es konkret ist. Im Laufe des Tages wird es Migräne, vielleicht ist die hysterische Horde in meinem Kopf ja so was wie ein Vorbote, meine ganz persönliche Form der Aura. Beobachten.

Vormittags Kleinkram erledigt, dann mittags ins Tal spaziert, am Fluss entlanggegangen, der gerade wieder ein wenig übers Ufer schwappt und unglaublich schnell fließt. Was für eine Kraft! Im Hafen sitzt ein Pärchen Nilgänse mit ihren sechs Küken, die schon recht groß aber noch ganz flauschig sind. Wir bleiben in sicherem Abstand stehen und werden wachsam beäugt, es gerät aber niemand in Panik.

Schnell in den Supermarkt rein und einen Imbiss besorgt, den wir auf einer Bank in der Sonne auf dem kleinen Platz zu uns nehmen. Es wird gerade der kleine feine Wochenmarkt aufgebaut, den wir viel zu selten besuchen.

Danach in Ruhe eingekauft. Selbst hier wird gehamstert: Nudeln und Zucker sind leer, Mehl und Konserven fast. Zum Glück nichts, was wir brauchen. Fun Fact: Desinfektionsmittel ist weg, Seife noch in großer Menge vorhanden. Ich stelle mir eine Horde verschnupfter Menschen vor, die mit ihren ungewaschenen aber von Desinfektionsmittel-induziertem Hautausschlag überzogenen Händen lustlos in einer großen Schüssel Nudeln herumstochert.
Ich weiß, die kaufen alle nur so viel, weil sie Angst haben, zwei Wochen in häusliche Quarantäne geschickt zu werden und dann kann man ja nicht mehr einkaufen. Oder das ganze Land wird krank und dann funktionieren die Lieferketten nicht mehr. Vielleicht werden diese Menschen zuletzt lachen. Alles ist möglich. Und diese Unsicherheit ist wohl die Hauptursache für manch absurd erscheinende Verhaltensweise.

Wir verpassen den Bus zurück ins Dorf um fünf Minuten und müssen eine knappe halbe Stunde auf den nächsten warten.
Ein vollbeladener LKW versetzt die Brücke in Schwingungen, ein leerer verursacht nur ein kurzes Rumpeln.

Zu Hause kurz mit einem Kaffee in den Garten gesetzt, aber es ist kalt (acht Grad). Ein Stündchen hingelegt und kurz geschlafen. Danach besser aber immer noch Borg-Auge und Migräne.

Noch dringende Kleinigkeiten abgearbeitet. Ich bin sehr unzufrieden und fühle mich diese Woche extrem gestresst. Es ist unheimlich viel Zeug, das auf mich einströmt, das bedacht und erledigt werden will, und ich verliere den Überblick und komme nicht zu den Sachen, die wichtig sind, weil immer irgendwas Aktuelles am lautesten schreit.
Kopf- und Zahnschmerzen sind deutliche Signale. Ich wollte mich hier doch ausruhen!

Woran ich mich erinnern will:
Sonne auf dem Wasser. Küken. Eine Blumenwiese. Sonne.

What I did today that could matter a year from now:
Who knows?

Was wichtig war:
Rausgehen.
Schultern runter, immer wieder.
Es ruhig angehen.
Schauen.
Aufhören.

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