Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Umgegraben

11. März 2020. Mittwoch. Aufgewacht und aufgestanden um halb sieben. Kurz überlegt, was heute ansteht und gleich wieder dieses überwältigende Gefühl von Freiheit gehabt: Heute soll niemand kommen, und wir müssen nirgendwo hin, ich erwarte keine Anrufe und muss auch keine tätigen. Wunderbar!

Leider geht mit diesem Gefühl ganz schnell die Unlust einher, überhaupt etwas für die Arbeit zu tun, und ich vertrödele gekonnt den Vormittag.
Eine kurze Meditation mit dem Ergebnis „Du musst Geld verdienen, sonst fliegt Dir Ende des Monats hier einiges um die Ohren!“ hat mich dann doch noch kurz an den Schreibtisch gezwungen.

Dann bekam ich Hunger und aß eine Kleinigkeit, dann bekam ich Heißhunger auf Süßes und aß eine Kleinigkeit mehr, dann wurde ich müde, aber bevor ich im Sessel einschlafen konnte, lockte die Sonne, und ich dachte, wenn ich schon nicht erwerbsarbeite, tue ich wenigstens was im Garten, um mein Gewissen zu beruhigen.

Also umziehen und raus, mit dem Akkuschneider den Rasenrand ums Blumenbeet mähen, dann das bestehende Terrassenbeet etwas erweitern und umgraben, dann noch etwas Kleinkram.
Nach anderthalb Stunden war ich zittrig und etwas schwindelig und hörte auf.

Im Haus erwarteten mich eine Nachricht von M. auf dem Anrufbeantworter und eine „Ganz super dringend!!!1elf!!“-Mal eines Kunden.
M. hatte ein skurriles Problem mit einem durch Kaugummi verklebten Zahnersatz und der Kunde wollte mir mitteilen, dass sofort und ganz dringend ein sehr komplizierter Serverumzug eines CMS samt Wechsel der Internetadresse gemacht werden muss, am besten heute noch. Da davon bisher noch nie die Rede war und das Projekt sowieso seit einem halben Jahr stockt, wurde ich etwas bockig und verwies auf schlechte Planung, mangelnde Kommunikation und bei mir soweiso keien Ressourcen, „frühestens nächste Woche“.
Da ich nun den Endkunden nicht im Regen stehen lassen wollte (mein Kunde ist kein Meister der Kommunikstion und kann das Problem nicht erklären, nur „Schuld“ zuweisen), behob ich noch schnell einen Fehler, der seine bisherige Website nach einem Serverupdate gekillt hatte So haben wir nun auch etwas Zeit gewonnen.

Woran ich mich erinnern will:
Sonne, Wolken, Himmel, Luft, Vögel. Das wie wahnsinnige Geschrei des jüngsten Nachbarsjungen nach Möglichkeit ausblendend.

What I did today that could matter a year from now:
Umgraben.
Grenzen setzen.

Was wichtig war:
Fokussieren.
In mich hineinhören.
Entscheiden, was wichtig ist und sich richtig anfühlt.
Grenzen setzen.
Umgraben.

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