Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Sozialkontakte

20. März 2020. Freitag. Frühlingsanfang. Dank viel Knoblauch und rohen Zwiebeln im gestrigen Essen (Kotelett, Salat, Baguette mit Thymian-Knoblauch-Butter) ausgezeichnet geschlafen. Um Dreiviertel sieben wach, H. saß schon mit dem Laptop im Bett, nochmal kurz eingedöst und um sieben dann aufgestanden.

Im Halbschlaf Kurzanalyse der drei Wochen hier: In der ersten dominierte das Gefühl von Freizeit, da die beiden wichtigsten Kundinnen in Urlaub waren, außerdem drehte sich alles um die Handwerker und die Bauerei. In der zweiten Woche war ich sehr depressiv und unlustig, die Arbeit war eine Qual, ich hatte keinen richtigen Tagesrhythmus, stattdessen standen alle möglichen Termine an, die mich alle irgendwie belasteten: ein weiterer Handwerkerbesuch, der Großeinkauf, ein Telefonat mit einer Neukundin, die Geburtstagsfeier des Freundes. Außerdem hätte ich nun wirklich einiges abarbeiten müssen, konnte mich aber gar nicht aufraffen. Diese Woche war die entspannteste: Alle Termine waren erledigt, direkte soziale Kontakte oder Ausflüge in die Stadt sind nun nicht mehr erwünscht, ich habe einen Tagesrhythmus gefunden und schaffe zwar nicht unmenschlich viel, aber ich komme voran. Außerdem war ich diese Woche viel draußen im Garten und habe Sonne und frische Luft getankt. Und die finanzielle Situation zum Monatsende ist zwar extrem angespannt, aber ich habe ein paar Dinge in der Pipeline und hoffe, dass die Löcher nicht zu groß werden, um den Rettungsschirm anderen überlassen zu können.

Vormittags ein Projekt fertig gemacht und auch gleich die Rechnung geschrieben, zwei weitere kleine Rechnungen verschickt, und nun schauen wir mal, ob es wenigstens mit der Miete klappt diesen Monat. Immerhin, der Handwerker ist bezahlt.

Mittags Telefonat mit der Lieblingskundin, die von den Kindern erzählt und der Lehrerin des jüngsten, die eine Schulstunde via Skype abgehalten hat. Was machen die Familien, die sich jetzt keine Laptops und Internet-Flatrates leisten können?
Hier ist Internet gestern und heute extrem langsam, manche Seiten bauen sich gar nicht auf.

Den ganzen Vormittag ist es sonnig und warm, aber als ich endlich mit der Arbeit fertig bin, zieht es zu und wird kühl. War gestern also der letzte Frühlingstag in der Sonne, zumindest hier im Garten. Der Maler mäht wie jeden Freitag seinen Rasen, wir gehen rüber und plaudern etwas. Er ist Maler und erzählt Anekdoten aus dem Baumarkt bzw. dem Gewerbegebiet. Er selbst hat in den nächsten Wochen nur Aufträge an Fassaden und in neuen, leeren Wohnungen. Solange er an Material kommt, kann er weitermachen.

In meinem Hinterkopf entstehen Ideen, wie ich verschiedenen Kunden Online-Alternativen für ihr Offline-Business anbieten könnte.

Während H. das Haus saugt, rufe ich M. an, die eine gute Stunde auf mich einredet. Sie ist in ihrer aufgekratzten, fast manischen Stimmung. Die ist zwar anstrengend aber leichter zu handeln als die depressiven Phasen. Ich blocke die meisten ihrer Corona-Anekdoten ab, weil ich sie entweder selber in den Medien mitbekommen habe oder sowieso aktiv blocke. Ich brauche meinen Kopf jetzt für andere Dinge.

Später noch kurz mit P. und etwas länger mit dem hiesigen Freund gesprochen. P. ist genervt, dass er kein Brot bekommt und der Freund schaut ein wenig mit Grauen auf seinen Arbeitsbeginn am Montag im Baumarkt (nach zwei Wochen Urlaub).

Nach all diesem Gerede genieße ich noch einFeierabendbier aufd er Terrasse. Das Narzissenfeld im hinteren Teil des Gartens leuchtet fast in der zunehenden Dämmerung. Es ist still und riecht nach Gülle. Herrlich.
Ich möchte hier nicht weg.

Woran ich mich erinnern will:
Wo ich überall Knoblauchzehen gesteckt habe – aber ich werde es im Sommer sehen. Hoffentlich.

What I did today that could matter a year from now:
Von Menschen fernhalten.
Distant socializing, heute vor allem per Telefon.

Was wichtig war:
Langsam machen.
Machen.
Reden.
Zuhören.
Ruhig bleiben.
Rechnungen schreiben.

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