Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Lagerkoller bei anderen

2. April 2020. Donnerstag. Mitten in der Nacht etwa eine Stunde wachgelegen und hin und her gewälzt. Warum? Keine schlechten Gedanken, keine Hitze, ich war auch nicht wach – ich konnte einfach nicht einschlafen, oder immer nur für Sekunden, dann drückte oder juckte wieder irgendwo was, und ich war wach. Erste Anfänge der präsenilen Bettflucht? Oder doch eher tief liegende Sorgen, die mich umtreiben? Es wird sich herausstellen oder von selbst wieder aufhören.

Aufgewacht und -gestanden dann um sieben, ich hatte nach dieser Unruhestunde wieder ganz gut geschlafen.

An einem der beiden aktuellen größeren Projekte weitergearbeitet, es geht sehr zäh voran. Es langweilt mich und es ist kein Druck da, und jetzt, wo ein bisschen Geld auf dem Konto ist, fehlt auch der akute Rechnung-schreiben-können-Anreiz.

Nach dem Frühstück aus einer Eingebung heraus M. angerufen, und der Anruf kam genau richtig, sie fängt nämlich an, am Rad zu drehen. Schon? seufze ich innerlich, denn ich hatte den Stimmungsumschwung für später erwartet, so am Wochenende zum Beispiel.
Sie hängt mit einer Lebensmittelbestellung fest (der Anbieter akzeptiert abwechselnd den gewählten Liefertermin oder die Zahlungsmethode nicht, das System ist einfach überlastet) und als wir das erledigt haben, reden wir ein bisschen. Sie gesteht mir, dass sie einkaufen gegangen ist und ich maule ein bisschen, kann sie ja aber letztendlich nicht daran hindern, besser sie erzählt es mir wenigstens, dann weiß ich Bescheid.

Sie ist seit ein paar Tagen zunehmend gefrustet, die Decke fällt ihr auf den Kopf. „Warum gehst Du denn nicht jeden Tag en bisschen spazieren, wie ich es Dir vorgeschlagen habe?“ frage ich. „Ach, spazieren!!“ antwortet sie abfällig. Das kann sie halt nicht, so ohne Ziel draußen herumlaufen, das ist ihr langweilig. Sie will irgendwo sitzen, von Leuten angequatscht werden oder selber anquatschen und sich dann darstellen. Sie braucht Bühne, Rampenlicht, Drama. Alleine draußen herumlaufen, was soll das bringen? Insofern ist ihr Seufzen „Mir fällt die Decke auf den Kopf, ich muss mal raus!“ auch eher zu interpretieren als „Mir fehlt die Bestätigung von außen, hier habe ich nur mich und meine Angst, der ich mich nicht stellen will, ich brauche Lärm und Action, um die innere Leere zu füllen und die inneren Stimmen zu übertönen.“ Und dabei kann ich ihr nun momentan am wenigsten helfen.

Sie erzählt mir, sie habe einen gemeinsamen Bekannten angerufen, der sich letztens schon ein wenig um sie gekümmert hat, als sie meine halbe Nachbarschaft wegen nichts rebellisch gemacht hat.  Ich bin ein wneig alarmiert, denn ich weiß, wie sie sich und ihre Situation darstellt, wnen ihr danach ist, und dieser mensch ist sehr sensibel und anfällig für bestimmte Meinungen und Sichtweisen und hinterfragt Aussagen nicht unbedingt.

Deshalb rufe ich ihn auch am Abend an, da hat er allerdings schon mit M. gesprochen, aber ich glaube, mir gelingt es, ganz beiläufig meine Sicht der Dinge anzubringen, und an seiner Reaktion merke ich, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem Bild, das sie ihm vermittelt hat. Nun denn, hat er Stoff zum Nachdenken.

Nachmittags Wäsche gewaschen, einen Telefontermin für nächste Woche vereinbart, Mails beantwortet, Yoga with Adriene, Mini-Arbeit am größeren Projekt, früher Feierabend. Es reicht dann auch für heute.

Woran ich mich erinnern will:
Auch wenn es mir in der individuellen Situation schwer fällt: Es ist fast immer besser, frühzeitig zu agieren als sich hinterher mit irgendeinem Schlamassel beschäftigen zu müssen.

What I did today that could matter a year from now:
Zwei Telefonate führen.
Drinnen bleiben.
Optimismus bzw. Realismus verbreiten.

Was wichtig war:
Meine Grenzen achten.
Reden.
Zuhören.
Witze machen.
Zeit nehmen.
Psychohygiene.
Yoga.

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Ein Gedanke zu “Lagerkoller bei anderen

  1. Pingback: Ausruhen im Flow | Annas Miniaturen

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