Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Wissen ist…

12. April 2020. Sonntag. Ostersonntag. Geschlafen bis halb sieben. Um halb fünf kurz wach gewesen und darüber nachgedacht, dass ich als Kind jetzt aufgestanden wäre und zumindest mal in meinem Zimmer „gesucht“ hätte. Im Rest der Wohnung hätte ich mich um diese Zeit nicht erwischen lassen dürfen, denn mein Vater musste nachts öfter mal raus zum Klo. Aber in meinem Zimmer, war das ok gewesen, ich war ja auch ganz leise. Meine Mutter wusste das natürlich und versteckte mir ein Buch oder ein Spielzeug zum Zusammenbauen, so war ich beschäftigt bis ich ab sechs „offiziell“ auch in Wohnzimmer, Küche, Bad durfte.

Der dritte von vier freien Tagen – wo bleibt nur die Zeit?

Der Pfarrer der gegenüberliegenden Kirche verkündet die frohe Botschaft dieses Jahr nicht von der Kanzel sondern auf der Straße: Irgendwann im Laufe des Morgens schreibt er mit Kreide groß „Der Herr ist auferstanden“ auf den Bürgersteig.

M. hat meinen Plan etwas durcheinandergebracht als sie kurz nach zehn anrief, und ich war ein bisschen ungeduldig – ob wegen der PLandurcheinanderbringung oder wegen ihrer kindischen Knatschigkeit kann ich gar nicht mal genau sagen. Zum Glück war eineinviertel Stunden später die Laune bei beiden von uns besser, also bei mir entspannter und geduldiger, bei ihr optimistischer und mehr „I’m in control“ statt „So geht das nicht weiter, mimimi“.

Spätes Frühstück mit selbstgemachtem Hefezopf, der wieder seltsam feinporig und ganz leicht trocken geworden ist, obwohl ich mich imer genau an die Rezepte halte. Vermutlich ist es irgendwas mit dem Ofen, warum Hefeteig bei mir nicht feuchter und fluffiger wird.
Lecker isser trotzdem.

Den Tag abwechselnd mit Arbeit am mittelgroßen Projekt und damit verbracht, den Anfängen der aktuellen Corona-Pandemie in China nachzuspüren: wer machte wann was öffentlich? Wie entwickelten sich die Fallzahlen? Welche Maßnahmen wurden in den einzelnen Ländern wann ergriffen?
Ich bin ein bisschen überrascht zu lesen, dass Hong Kong, Taiwan, Singapur, Malaysia und Vietnam fast unmittelbar nach den ersten offiziellen Informationen aus China, bei denen es noch hieß „eine Ansteckung von Mensch zu Mensch kann nicht nachgewiesen werden“, von der Gefahr einer Epidemie ausgingen und entsprechende Notfallpläne aktivierten, also Sensibilisierung des medizinischen Personals, Überprüfung der Reisenden aus der betroffenen Stadt Wuhan auf Körpertemperatur und Krankheitssysmptome, frühe Isolierung erkrankter Personen, Warnung der Bevölkerung und Aufforderung, bestimmte Infektionsschutzmaßnahmen zu ergreifen. Das ging alles innerhalb von ein, zwei Tagen los, man nahm das also durchaus ernst.

Nachmittags gibt es eingefrorenen Pflaumenkuchen aus dem letzten Sommer, dann Anruf bei P., der bei dem schönen Wetter nicht im Garten ist, sondern mit dem 3D-Drucker herumpusselt. Immerhin druckt er eine Mini-Bewässerungsanlage für sein Frühbeet, also auch gartenbezogen.

H. kocht, es gibt Lamm, und im Fernsehen Barry Lyndon. So lasse ich mir Ostern gefallen.

Woran ich mich erinnern will:
Endlich mal kein schlechtes Gewissen, weil ich auch bei strahlend schönem Wetter lieber zu Hause bleibe als mich unter Menschenmassen in die Sonne zu begeben.

What I did today that could matter a year from now:
Zu Hause bleiben.

Was wichtig war:
Dem inneren Antrieb folgen.
Lernen.
Ruhe.

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