Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Ungereimtheiten und Widersprüche

13. April 2020. Montag. Ostermontag. Aufgestanden um sechs. Es ist bewölkt, regnet sogar ein wenig, ein feiner Nieselregen. Die Luft riecht nach feuchtem Wald, nach Kiefer – oder nach Rindenmulch, das kann ich nicht unterscheiden. Amselwetter.

Schon der letzte meiner vier „freien“ Tage, ich will ihn gut nutzen. „Gut“ heißt vor allem: abwechslungsreich.

Damit klappt es dann nicht ganz, am Ende entpuppt es sich als ganz brauchbarer Arbeitstag: Am mittelgroßen Projekt weitergearbeitet, Stolpersteine aus dem Weg geräumt, zwei Angebote geschrieben und eins verschickt, das andere geht morgen raus.

RSS-Feeds lesen, spielen. H. telefoniert mit dem Freund und berichtet anschließend. Es gibt nicht viel Neues, der Freund und der Sohn arbeiten beide, denn ihre Läden haben mit kleinen Einschränkungen im Service-Angebot „normal“ geöffnet.

Ein Bekannter meldet sich per SMS und berichtet von seinen Osterausflügen, und er erwähnt den Besuch in einem Privatgarten-Café in einem kleinen Dorf in Brandenburg, und ich denke mir, die einen möchten die Berliner als potentielle Seuchenträger am liebsten verbannen, die anderen servieren ihnen Suppe. Beide Positionen kann ich nachvollziehen aber nicht gutheißen.
Und der Bekannte, der zwar keinen Job zum Regale-Auffüllen im Supermarkt annehmen kann wegen potentiellem „Kundenkontakt“ hat also kein Problem, sich in öffentliche Verkehrsmittel zu setzen und in Gastronomiebetrieben bedienen zu lassen, die eigentlich geschlossen haben sollen.
Jeder bastelt sich die Welt, wie sie ihm gefällt…

Nachmittags ein größeres Update auf einer Kunden-Website, dann Kaffee trinken, spielen, Internet lesen, Buchlesen, dösen.

H. telefoniert mit M. und berichtet mir, ihr leichter Optimismus nach unserem gestrigen Gespräch war schon wieder ganz verschwunden, sie war wieder missmutig, maulte ziel- und sinnlos über alles und jeden und fängt wohl ganz langsam und sehr unterschwellig an zu begreifen, dass es so bald nicht wieder „normal“ wird bzw. dass „normal“ in absehbarer Zukunft schlicht eine andere Bedeutung haben wird als bisher.

Hinterher noch lange mit H. gesprochen, über mein Unbehagen M. gegenüber, meine Ungeduld mit Dumm- und Sturheit, meine Verwunderung angesichts des Umgangs einiger Selbstständiger mit dem Geldsegen in Form des Corona-Zuschusses.

Abends nichts im Fernsehen, daher ein Film aus der privaten Mediathek: Le Havre von Aki Kaurismäki.

Woran ich mich erinnern will:
An der Platane vor dem Haus öffnen sich zaghaft die ersten Blättchen. Im Laufe des Tages hat es genieselt, war sonnig und bewölkt im Wechsel, dann wehte ein heftiger Wind, es fehlte nur Schnee oder Hagel, dann wäre es fast richtiges Aprilwetter geworden.

What I did today that could matter a year from now:
Zu Hause bleiben.
Mich ausdrücken.

Was wichtig war:
Ausruhen.
Nichts machen müssen.
Trotzdem Sinnvolles tun.

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