Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Obstacles

15. April 2020. Mittwoch. Aufgewacht um halb sieben. Draußen ist schon die Müllabfuhr zugange. Es ist bedeckt, aber hell. Ich schwanke zwischen gut gelaunt und entspannt einerseits und müde und lustlos andererseits.

Ohne das nach außen zu kommunizieren, habe ich innerlich am Osterwochenende beschlossen, dass ich noch etwas „Urlaub“ brauche und mir vorgenommen, diese Woche arbeitsmäßig kürzer zu treten, noch ein bisschen mehr „Erholung“ einzufahren. Ich wollte so gern den Flow der Ostertage mitnehmen: Entspanntes Arbeiten, wann und woran mir der Sinn steht, ausruhen, Hausarbeit.

Aber natürlich geht das nicht ohen Ankündigung, denn nun trudeln wieder die Mails und Anrufe ein, die eine Reaktion erwarten, und auch draußen wird es unruhiger: Müllabfuhr, Lieferverkehr, Menschen auf dem Weg zur Arbeit (in der Nähe liegen ein Altenheim, Pflegeeinrichtungen und ein Krankenhaus, aber auch kleine Betriebe, die geöffnet haben oder weiterarbeiten).

Ich versuche also wieder mal einen Balanceakt: Nach außen Business as usual, nach innen Abgrenzung, Lockerheit, Liegenlassen.

Morgens dringender Kleinkram (Mails beantworten, Dinge planen), dann mit Überwindung an das zweite mittelgroße Projekt ran, weil ich da schon wieder eine ganze Weile nichts gemacht habe und irgendwann soll das ja auch mal fertig werden. Gleich wieder gegen ein Hindernis gerannt, das bisschen Motivation, das ich hatte, löst sich in Nichts auf. Mühsam eine Stunde drangeblieben, dann rastloses unzufriedenes Herumlaufen, Aus-dem-Fenster-schauen, Spielen, Nachrichten lesen, Mailbox aufräumen.

Yoga. Heute so eine Art Kraftübungen. Ich schaffe gar nichts, liege irgendwann frustriert heulend auf dem Rücken wie Kafkas Käfer und tue mir kurz leid, bis ich begreife, was Adriene ständig sagt: Mach, was du kannst; Hauptsache, du bist da und lässt dich darauf ein; wenn es so nicht geht, mach es anders, aber mach. Also mache ich, und da ich weiß, worauf die Übungen abzielen, wandle ich sie mir eben passend ab, lasse Körperteile auf dem Boden, die ich nicht hochgehoben bekomme, führe die ausholenden Bewegungen ein wenig kleiner und mit mehr Spannung aus und voilà, es wird eine gute halbe Stunde.

Mittagsimbiss, lesen, kurz wegnicken. Kein erholsamer Mittagsschlaf, eher ein Power Nap, aber ich wollte heute auch nicht den halben Nachmittag im Bett verbringen. Mich plagt schon wieder innere Unruhe: Ich will tun, weiß nur nicht so recht was; alle Dinge, die erledigt werden müssten, reizen mich nicht die Bohne und Neues fällt mir nicht ein, aus schlechtem Gewissen den Altlasten gegenüber.

Um vier denke ich dann nach einem frustrierten Blick auf die ursprüngliche To-Do-Liste für heute: Ich fange jetzt oben an und mache bei jedem Ding 10 Minuten, dann bin ich wenigstens weitergekommen, und zehn Minuten reichen nicht, um übermäßigen Widerwillen aufzubauen.

Gleich das erste Ding auf der Liste beschäftigt mich eine halbe Stunde, und am Ende kann ich eine wenn auch kleine Rechnung schreiben. Output, Abschluss, sehr schön.

Das nächste Ding dauert 20 Minuten und mündet in eine Nachfrage per Mail, die ich, leicht abgewandelt, an mehrere Kunden schicken kann, die meiner Vermutung nach besonders von den Corona-Einschränkungen betroffen sind. So verbinde ich Nachfragen nach dem persönlichen und geschäftlichen Befinden mit Haben Sie eine Idee, wie es für Sie und mit uns weitergeht und einem Feedback, das ich möglicherweise später nutzen kann, um nachzuweisen, dass mir durch Corona wirklich Umsätze entgangen sind und die Liquidität zeitweise nicht gewährleistet war.
Diese Mail schicke ich dann auch gleich an zwei andere Kunden, das stand nicht auf meiner Liste, spukte mir aber schon die ganze Zeit im Hinterkopf herum.

Das dritte Ding dauerte 45 Minuten und mündete immerhin in zwei Rechnungen, das war also noch ein recht produktiver Nachmittag geworden und ich war ein bisschen stolz, so viel geschafft zu haben, obwohl ich zu nichts Lust gehabt hatte.

H. hatte sich ein kleines Ostergeschenk für sein im Werden begriffenes Mini-Musikstudio gemacht, das kam heute an, und wir beschäftigten uns noch eine Weile damit. Wir können uns da gut ergänzen, weil er immer eher mit dem Wissen, das er hat, ausprobiert und erwartet, dass die Dinge „selbsterklärend“ sein müssen, während ich beim ersten Hindernis sofort zum Handbuch greife oder in Supportforen und FAQs recherchiere, um eine Lösung zu finden.
Gute Ergänzung, wir dürfen nur nicht gleichzeitig davor setzen, sonst machen wir uns gegenseitig wahnsinnig, aber abwechselnd funktioniert es ganz gut.

Müde, erschöpft, aber zufrieden. Zum Abendbrot gibt es „Aktenzeichen XY“ und Blattsalat mit Garnelen „Sweet Chili“ und Mais.

Woran ich mich erinnern will:
Dran bleiben. Einen anderen Weg suchen. Wenn etwas hakt, irgendwas ändern. Klappt bei Computern, bei der Motivation, beim Programmieren.

What I did today that could matter a year from now:
Zu Hause bleiben.
Ein paar wichtige Mails schreiben.
Reach out.

Was wichtig war:
Kein Druck.
Dran bleiben.
Überwindung.
Ausruhen.
Zeit lassen.

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