Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Allein mit Soljanka

1. Mai 2020. Freitag. Feiertag. Unruhige Nacht wegen Hitzewallungen und Keyboard-Geklapper, dem ich um drei ein Ende mache.
Um sechs wach und aufs Klo, aber die Augen gehen nicht auf, also wieder ins Bett und nochmal geschlafen bis halb acht.
Die Sonne scheint durch eine Art Hochnebel, die Luft ist feucht und riecht nach Waschmittel und feuchter Erde. Feiertagsstille. Später scheint größtenteils die Sonne, dann zieht es zu, dann heitert es wieder auf, dann regnet es mal kurz. Aprilwetter auf Valium.

Ich bin nach zwei energiegeladenen Powertagen etwas müde und lustlos, verliere mich im Lesen und im Bearbeiten von Fotos. Mittags anderthalb Stunden Regal ausgeräumt und Staub geschluckt, dann konnte ich das erste Regalteil abbauen. Somit habe ich jetzt die benötigte Stütze für ein Küchenregal.

Danach war ich körperlich und emotional ausgelaugt, aß eine Dose Soljanka und legte mich ins Bett, aber schlafen ging nicht trotz müde. Also lesenlesenlesen.

Ich genieße, dass ich ohne schlechtes Gewissen und „man müsste ja eigentlich“ bei angenehmem Feiertagswetters NICHT rausgehe. Und ärgere mich, dass ich „normalerweise“ überhaupt ein schlechtes Gewissen habe, weil ich offenbar ohne „höhere“ oder äußere Legitimation nicht einfach aus freien Stücken etwas tun oder eben auch nicht tun kann. Aber das „man müsste ja eigentlich“ ist sehr stark ausgeprägt, und es nervt mich, dass ich das aktuelle „aber gerade jetzt sollte man ja eben nicht“ als Entschuldigung und Rechtfertigung brauche.

Um halb sieben doch nochmal an den Rechner, aber Arbeit war nicht, stattdessen lesen, spielen, Musik hören (Balkan Fever).

H. hatte noch mit dem Freund in K. telefoniert und kam spät, erst nach halb neun. Ich war noch satt von meiner Soljanka, also fiel Kochen aus, und er machte sich eine Dose Erbsensuppe warm. Immer gut, so etwas zu Hause zu haben für ein plötzliches Bedürfnis nach Wärme und pappsatt.

Aufatmen, als kurz vor zehn der Polizeihubschrauber abdreht, der seit halb sechs über Kreuzberg kreist. Auch das Partyvolk, das nachmittags den kleinen Platz bevölkert und im Umkreis alle Treppenstufen und Bordsteinkanten mit leeren Bierflachen „geschmückt“ hat, verzieht sich oder wird wenigstens still.

Woran ich mich erinnern will:
Die Kraft von Seelenmusik.

What I did today that could matter a year from now:
Zu Hause bleiben.
Regal räumen.

Was wichtig war:
Ausruhen.
Machen.
Nachdenken.

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