Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Am Limit

17. Mai 2020. Sonntag. Etwas unruhig geschlafen, mehrfach wach geworden. Einmal dachte ich, wenn ich müsste, könnte ich jetzt schon aufstehen, aber da war es erst zwei Uhr. In den Häusern rundherum brannten viel mehr Lichter als noch vor zwei, drei Wochen.
Aufgestanden dann kurz nach sechs mit dem wunderbaren Gefühl, einen sehr langen, sehr freien Sonntag vor mir zu haben – und nächste Woche einen halben Urlaub!

Morgens bearbeite ich Fotos, lese ein kleines Büchlein Korrektur und widme mich meinem privaten historischen Projekt. Ich habe Lust auf einen Spaziergang und breche mit H. auf als er nach einem späten Frühstück zum Arbeiten zu sich rübergeht. Es wird nur eine kleine Runde, und obwohl ich mich mental entspannt fühle und meinen Sonnenhut trage, bin ich anscheinend sehr verspannt, der Rücken schmerzt schon nach wenigen Metern, und auch der Kopf ist nicht einverstanden und entwickelt Kopfschmerzen wie bei einem Sonnenstich. Ich bin also wirklich urlaubsreif.

Nach vierzig Minuten bin ich wieder zu Hause und sitze noch zwei Stunden an meinem historischen Projekt, dann bin ich knatschig und unleidlich: Der schöne Tag ist schon wieder fast rum, er bot bisher wenig Anregendes, nur ein Vergraben in Zeug oder Schmerzen und Unwohlsein.
Nach etwas Internetlesen ein kleiner Imbiss: Joghurt mit Gurke und Rosinen, danach ein großes Stück Kuchen, das wir gestern mitbekommen hatten.
Dann ist mir schlecht. Immerhin sind die Kopfschmerzen besser, nur Rücken und Schultern sind arg verspannt. Ich bin müde und unleidlich, habe mit vollem Bauch auch keine Lust auf Yoga. Also zum Lesen ins Bett und wohl auch etwas eingeschlafen.

Um sechs wieder hoch, Geschirr gespült. H. kommt und ist auch mies drauf. Fragt, ob ich ihm morgen oder übermorgen helfen kann, Ordnung in sein Chaos drüben zu bringen, er schafft es nicht allein. Nun bittet er selten um was Persönliches, und obwohl das nicht meine Vorstellung von Urlaub ist, ist es doch besser als am Computer zu sitzen und nur vor sich hin zu lesen, also sage ich zu. Vielleicht ist das ja auch genau solch ein Break, wie ich ihn brauche.

Noch eine Stunde Projekt- und Arbeitsplanung und was unbedingt gemacht werden sollte, trotz „Urlaub“. Im Fernsehen „Der Mann, der zuviel wußte„, oft gesehen, aber Hitch kann man sich immer anschauen. Doris Day und James Stewart sowieso.
Zum Abendbrot Mettenden, die noch aus dem ersten Einkauf nach unserer Rückkehr ins Lockdown-Berlin Ende März stammten, dazu Kartoffelpüree mit angebratenen Pastinakenwürfeln aus der Zu-Verschenken-Kiste von vor zwei (?) Wochen.

Woran ich mich erinnern will:
Planen. Struktur. Laufen lassen klappt nur ganz, ganz selten.
Wind im Gesicht.

What I did today that could matter a year from now:
Rausgehen.

Was wichtig war:
Wirklich erntshaft Urlaub beschließen, wenn auch nur einen halbherzigen.
Rausgehen.
Grenzen erleben.
Trotzdem machen.
Ausruhen.
Eine Corona-News-Diät beschließen.

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