Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Räumen

18. Mai 2020. Montag. Sehr früh wach, aber es ist noch dunkel, also schaue ich nicht mal auf die Uhr. Morgengrauen gibt es ab vier, alles vorher ist Quatsch. Weiterschlafen. Aufgestanden dann um halb sieben, etwas später als gewünscht, aber sei’s drum. Urlaub!

Der erste Urlaubstag ist stramm durchgeplant, ich habe die Nase voll von den Tagen, wo ich mich einfach treiben lasse und nachmittags unzufrieden bin. Und mich ja auch nicht mal erhole dabei. Momentan ist etwas anderes nötig: Struktur, Richtung, Abwechslung.

Der Tagesplan sieht morgens ein wenig Arbeit vor und später aufräumen und putzen bei H., und so geschieht es: Mails schreiben mit Hinweisen und Fragen, ein kleines aber nerviges Projekt planen und starten, einstündiges Telefonat mit M. (auch eine Art Arbeit, mental eher anstrengender als Programmieren), dann mittelspätes Frühstück.

Danach zusammen rüber zu H., den Boden im großen Zimmer freilegen, ich packe Wäscheberge in Koffer, Pfandflaschen in Kartons und Malersachen in Tüten, miste vertrocknete Pflanzen aus, putze das Blumenregal und drei Fensterbretter, sauge die Küche, spüle Geschirr, weiche verkalkte Gläser mit Essigwasser ein, trockne ab, räume weg, putze Schrankoberflächen und den Herd.
Zwischendurch zwei kleine Pausen im Schaukelstuhl, während H. zunehmend euphorisch Papiere und Elektrokram in Kartons packt, das Arbeitszimmer saugt, das Fenster putzt und sich über die zunehmende Aufgeräumtheit begeistert.

Kaffeepause mit Kuchen von Sonntag, Monitoreinstellungen optimieren, dann gehe ich wieder heim und lasse ihn noch etwas werkeln. Ich fühle mich wie gerädert, wie nach einem Umzug, dabei waren diese dreieinhalb Stunden nun wirklich nicht ausnehmend anstrengend gewesen. Ich bin ziemlich unfit geworden seit der Adventszeit, wo ich bei mir am Räumen gewesen war.

Keine Lust mehr, die Antworten auf meine morgendlichen Mails zu lesen, stattdessen ein wneig Nachrichten und Internet gelesen, den morgigen „Urlaubs“-Tag geplant, Klo gesaugt, Geschirr gespült, geduscht, ausgeruht.

H. bringt ein Piccolo mit, wir stoßen auf dne Fortschritt in seiner Bude an, er will mich die Tage zum Essen bei U. einladen. Hätte nicht gedacht, dass das so eine große Sache für ihn ist, aber da musste offenbar ein Knoten zerschlagen oder aufgeknüpft werden, ein Knäuel entwirrt, das sich über die letzten Monate gebildet hatte.

Abens im Fernsehen The Square von Ruben Östlund, danach ein längeres Interview mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller.
Zum Abendbrot Rest Kartoffelpüree, dazu Lauchgemüse und Fertigfrikadellchen.

Woran ich mich erinnern will:
Urlaub ist, wenn man was anderes macht.

What I did today that could matter a year from now:
Räumen.

Was wichtig war:
Bewegung.
Etwas anderes machen.
Infodiät.
Zusammen.

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