Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Schatzsuche

23. Mai 2020. Samstag. Unruhige Nacht, H. saß wieder lange am Keyboard. Für ihn räumt sich mental gerade einiges auf, er ist wieder optimistischer und muss das austoben.
Aufgestanden kurz vor sechs. Es ist bedeckt, aber noch mild, gestern Abend hatte es kurz geregnet. Es riecht nach Waldboden. Der Rittersporn hat Knospen.

Ich ziehe mich den gesamten Tag von der Welt zurück und vergrabe mich in einer historischen Recherche. ch mag das, auch wenn es mir rein gar nichts bringt außer Zufriedenheit: Einem Namen hinterherspüren, einer Firma, einem Ding. Rausfinden, wie das war, wo es herkam und wie es weitergegangen ist. Die unermesliche Faszination der Geschichte: Was war und wie kam es dazu, dass es heute so ist, wie es ist.

Es ist für mich und mein Leben völlig sinnlos zu wissen, wer wann eine bestimmte Firme gegründet hat, aus welchem preußischen Dorf der Gründer nach Berlin kam, mit welchen Widrigkeiten er sich herumschlagen musste und was aus ihm, seiner Familie und dem Unternehmen geworden ist. Aber es befriedigt mich grenzenlos zu wühlen, Information um Information zusammenzutragen, Mosaiksteinchen  für Mosaiksteinchen einzusetzen, und am Ende ergibt sich ein rudimentäres Bild, ein Gerüst, das sich auf die verfügbaren Fakten stützt und nichts mit der Realität zu tun haben muss, aber mir die Gewissheit gibt, 90% dessen, was frei verfügbar ist, zusammengetragen und zu einem Bild gefügt zu haben, das zumindest nicht ganz falsch ist.

Heute also insgesamt 7:45 Stunden damit verbracht, einer Berliner Familiengeschichte auf die Spur zu kommen, die absolut typisch, im Lauf der Dinge aber letztlich ziemlich unbedeutend ist.

Dazwischen Wäsche gewaschen, Erdbeeren gegessen, mit H. mögliche Termine für die Fahrt ins Dorf besprochen und einen in drei Wochen festgelegt, Internet gelesen.
Abends dann sehr glücklich bei der Erkenntnis: Heute war erst Samstag! Ich habe noch einen ganzen freien Tag, den ich nicht „verschwenden“ werde!

Woran ich mich erinnern will:
Eine Forschungsreise. Eine Schatzsuche. Eine archäologische Ausgrabung. Ein Puzzle mit 10.000 Teilen. Oder 3.000. Oder 500, das weiß man anfangs nie genau.

What I did today that could matter a year from now:
???

Was wichtig war:
Mir die Zeit zugestehen.
Einen Reisetermin festsetzen.
Aufhören können.

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