Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

S’war nix

28. Mai 2020. Donnerstag. Heute vor 38 Jahren verlor ich einen Teil meines Fingers. Ein Unfall in der Schule, ich zog morgens die Tür zu unserem Klassenzimmer zu, während gleichzeitig von draußen ein Mitschüler die Tür zuschlug, weil sie auf dem Flur Fußball spielten. Mein Finger war dazwischen, die Fingerkuppe wurde abgerissen, sie wurde etwas später gefunden und mit ins Krankenhaus genommen, konnte aber nur teilweise wieder angenäht werden. Ich war in der achten Klasse. Meine größte Sorge war die verpasste Mathe-Arbeit, die an diesem Tag geschrieben wurde. Das war nicht der Schock, sondern so war ich. Der Finger ist seitdem kürzer, der nachgewachsene Fingernagel etwas verformt und viel dicker und härter als die übrigen Nägel, die eher weich sind. Seither fasse ich Türen nur noch am Griff oder der Klinke an. Das Datum habe ich nie vergessen.

Wecker um fünf, aber ich hatte spät und schlecht geschlafen, also machte ich ihn aus und drehte mich nochmal um. Aufgestanden dann um sechs.
H. war gestern abend nach ausgiebigem „Krallenfeilen“ noch zu sich gegangen, um „ein Tütchen zu rauchen und Gitarre zu spielen“. Das ist ein gutes Zeichen, also freute ich mich für ihn und ließ ihn wohlgemut ziehen.

Im Bett bei ausgeschaltetem Licht überkam mich Einsamkeit und eine tiefe Verlustangst. Ein Gefühl für die absolute Sinnlosigkeit meines Lebens. Gleichzeitig war da ein Gefühl tiefer Zufriedenheit, ich fühlte mich im Einklang mit mir. Wie kann das sein, dass zwei so gegensätzliche Gefühle gleichzeitig präsent sein können? Wunder menschliche Seele.

Der Tag heute war dann auch nix. entweder war es gestern zuviel oder die letzte Woche oder die letzten Monate oder überhaupt. Ich erledigte nur das absolut Notwendigste und cancelte den Rest. Stattdessen drei Folgen der Serie „Jordskott“ auf arte.tv angeschaut, Kartoffeln sauber geschrubbt, gelesen, geschlafen, Geschirr gespült. Und alles auf der To-Do-Liste unbesehen unter das morgige Datum verschoben. Tomorrow’s just another day.

Abends Star Trek II – Der Zorn des Khan und Kasiersülze mit Bratkartoffeln und Salat.

Woran ich mich erinnern will:
Gut erzählte Geschichten machen was mit uns.

What I did today that could matter a year from now:
???

Was wichtig war:
Ausklinken.
Umplanen.
Der inneren Stimme folgen.
Geschichten erzählen lassen.

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