Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

We Are One

29. Mai 2020. Freitag. Aufgestanden um halb sechs. Fühle mich besser als gestern, so als hätte ich irgendetwas Ungutes aus meinem System herausgeschlafen. Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich, ich habe wohl gestern Zug bekommen.

Bis mittags scheint wunderbar die Sonne vom maiblauen, mit Schäfchenwolken besprenkelten Himmel, gegen drei zieht es sich sehr schnell zu und der Himmel hat dieses typische Berliner Weißgrau – nicht wirklich dunkel und bewölkt, aber eben auch nicht richtig hell, ein gleißendes Sowohl-als-auch.

Vormittags kleine Korrekturen, ein harmloses Standard-Update, eine kleine Rechnung, Mails und Ideen zu einer endlosen Geschichte, eine helfende Hand hier und dort, an anderer Stelle offene Fragen nochmal zusammenfassen und mailen, weil Leute ihr Projektmanagement nicht im Griff haben. Bei einem Kunden nachfragen, der mir aktuelle Infos zum Stand einer Entscheidung zum 18. April versprochen hatte. Bis abends keine Antwort.
Miete überweisen, außerdem die monatlichen Betriebskosten fürs Häuschen.
Eine kleine historische Privatrecherche.

Um halb drei einkaufen im kleinen Supermarkt um die Ecke. Um diese Zeit ist es dort entspannt leer. Trotzdem erschöpft mich dieser kleine Ausflug total: Rausgehen, Sonne, Licht, Wärme, Pollen und Zeug in der Luft, das doch etwas angestrengte Atmen durch die Maske.
Ich tröste mich mit „Je schwerer Du atmest, desto besser schützt sie dich“, aber wahrscheinlich ist das ein Trugschluss, denn durch das heftige Einatmen saugt sich regelmäßig der Stoff an Mund und Nase fest und dann können wahrscheinlich auch die virenverseuchten Aerosole noch leichter eindringen… Nicht darüber nachdenken, Abstand halten und schnell wieder raus.
Dann wieder zurück durch SonneLichtWärmePollenZeug und zu Hause schwer bepackt die Treppe hoch. Die gute halbe Stunde erschöpft mich wie eine mehrstündige Wanderung.

Erstmal im Sessel kollabierent, Knäckebrot essen und etwas lesen. Runterkommen. Verschnaufen. Wieder bei mir ankommen. Draußen fühlte ich mich heute wieder wie am Beginn „der Maßnahmen“, damals Ende März, Anfang April, als ich mich bei jedem Aufenthalt draußen und unter Menschen seltsam gehetzt fühlte. Komisch eigentlich, nach den entspannten Aufenthalten im Café oder den sehr relaxten Einkäufen der letzten Wochen. Woher kommt dieser Rückfall?

Spargel schälen und erdige Kartoffeln abbürsten, dazu eine weitere Folge „Jordskott“ auf arte.tv. EIn kurzes Telefonat mit H. Excel-Hilfe. Dann Erdbeeren (am liebsten mit Zucker und kalter (!) Milch), heißer Kaffee, eiskalter Kakao.

* * * * *

Eine Stunde Animations- und Kurzfilme bei We Are One, dem Online-Filmfestival der Internationalen Filmfestivals gesehen, das heute startet.
Was für eine wunderbare Idee: Da tun sich mehr als 20 internationale Festivals zusammen und organisieren ein zehntägiges Online-Festival, wo man ohne Anmeldung und kostenlos alle gezeigten Filme auf YouTube anschauen kann. Jedes Festival steuert Filme, Interviews und ähnliches bei und so entsteht ein velfältiges Programm aus Kurz- und Langfilmen, Dokumentar- und Spielfilmen, Interviews, Diskussionen und vielem mehr.
Während des Festivals gibt es die Möglichkeit Geld an verschiedene Organisationen zu spenden, um die Folgen der COVID-19 Pandemie zu bekämpfen.

Die beteiligten Festivals sind: Annecy International Animation Film Festival, Berlin International Film Festival, BFI London Film Festival, Cannes Film Festival, Guadalajara International Film Festival, International Film Festival & Awards Macao (IFFAM), International Film Festival Rotterdam, Jerusalem Film Festival, Mumbai Film Festival (MAMI), Karlovy Vary International Film Festival, Locarno Film Festival, Marrakech International Film Festival, New York Film Festival, San Sebastian International Film Festival, Sarajevo Film Festival, Sundance Film Festival, Sydney Film Festival, Tokyo International Film Festival, Toronto International Film Festival, Tribeca Film Festival, and Venice Film Festival.

Spenden gehen an World Health Organization (WHO), UNICEF, UNHCR, Save the Children, Doctors Without Borders, Leket Israel, GO Foundation, Give2Asia und andere. Man kann selbst entscheiden, welcher Organisation man wieviel spenden möchte.

Beim eingeblendeten Chat neben dem Begrüßungstrailer habe ich meinen ersten Gänsehautmoment: „Hi from India“, „Greetings from Argentina“, „Best wishes from Indonesia“… Dieses Corona ist ein weltweites Ereignis, ein Kollektivereignis. Und da tun sich Menschen aus der ganzen Welt zusammen, um mit der Kraft des Geschichtenerzählens anderen Menschen in der ganzen Welt Unterhaltung und Erleichterung in schwerer Zeit zu bieten und gleichzeitig MIttel einzutreiben, um die Folgen dieses weltweiten Ereignisses zu lindern.
Wie klein und unbedeutend lächerlich erscheinen da die hiesigen egozentrischen, jämmerlichen Schreihälse, die Hetzblattkampagnen, die Schwätzer und Leugner, die Jammerlappen und Bedenkenträger. This one is huge.

* * * * *

H. hat einen Telefontermin mit dem Freund in K., ich vertreibe mir etwas die Zeit bis die beiden durch sind; wir essen später. Spargel, Kartoffeln, Schinken, Hollandaise. Geht von mie aus dreimal die Woche…

Woran ich mich erinnern will:
Gänsehautmoment eines Kollektivereignisses. Wenn man sich plötzlich Teil eines Ganzen fühlt, eines globalen Ereignisses.

What I did today that could matter a year from now:
Who knows?

Was wichtig war:
Rausgehen.
Ausruhen.
Kram erledigen.
Es nicht übertreiben.
Filme schauen.

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