Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Die Schlagzahl beibehalten und ausruhen

9. Juni 2020. Dienstag. Aufgestanden um 5:45 Uhr. Die Sonne scheint, die Spatzen lärmen. Es ist morgens immer noch ruhiger als vor Corona, wenn auch die Sonntagsstille der ersten vier Wochen nicht mehr erreicht wird. Nicht mal Sonntags. Das Verkehrsrauschen habe ich am wenigsten vermisst, aber da ist es wieder, und jetzt fällt es mir blöderweise ständig auf. Aber auch daran werde ich mich wieder gewöhnen, so funktionieren diese Dinge eben.

Morgens Kleinkram, einen neuen Auftrag eintakten und den Kunden, mit dem erst ein kleines gemeinsames Projekt lief (vor zwei Jahren), mit ein paar Fragen nach notwendigen Dingen, Informationen und Überlegungen bedacht.

Mittags etwas längerer Spaziergang (2km) mit abschließendem Mini-Einkauf und sehr nettem kontakt zu einem pfiffigen jungen Angestellten im Supermarkt. Der bringt es noch zu was – wenn er wollte (und man ihn lässt, denn er ist türkischer Abstammung), kann er wohl Filialleiter werden.

Eine Nachbarin war wieder als Food Saverin unterwegs und hatte gestern das Hausmit Rote Bete, Pastinaken, Salat, Kohl, Kiwi und Brot versorgt. Von allem hatte ich mich reichlich bedient und dennoch lag heute noch einiges da, ich schlug also nochmal zu. Nun will das ganze Essen natürlich auch verarbeitet werden, ich weichte also welken Salat in Zuckerwasser ein und kochte aus dem überreifen Kiwis Marmelade. Zu den Roten Beten besorgte ich eine Beinscheibe, daraus werde ich morgen eine Art Borschtsch kochen (gute Verwendung auch für die Pastinaken und einen Teil des Kohls).

Die Einzelkonzerte vom Moers-Festival sind jetzt in der ARTE-Mediathek, die lade ich für H. runter. Dann noch ein wenig schreiben, dann Yoga, wo es heute eine Atemübung gibt, die eine tiefsitzende Traurigkeit in mir auslöst, fast breche ich in Tränen aus. Zum Glück geht es gleich mit neuen Positionen weiter, so dass die Konzentration das Gefühl wieder nach hinten drängt, aber: Hoppla. Wo kommt das denn her?

Duschen, Imbiss (Brötchen mit neuer Kiwi-Marmelade), Internet lesen. Ich bin müde. War ja auch körperlich (und offenbar auch emotional) aktiv. Erlaube mir dies also und lege mich ins Bett. Kurz lesen, dann für anderthalb Stunden gut eingeschlafen.

Küche aufräumen, mehr Internet lesen, dann kommt H. heim. Er hatte nochmal ein sehr langes (zweieinhalb Stunden) Telefonat mit dem Freund in V. Er hat ein paar Dinge geklärt, ein paar Grenzen gesetzt und ein paar Theorien bestätigt bekommen, wie der Freund so tickt. Von der Idee, mit dem Freund gemeinsam Musik zu machen und an Material zu arbeiten, hat er sich praktisch verabschiedet, die Wissensunterschiede sind zu groß, dem Freund zu unklar, was er eigentlich will, und er nimmt jedes „mit diesem Stück kann ich nichts anfangen“ als persönliche Beleidigung. Man ist an dieser Stelle trotz zahlreicher Berührungspunkte im Kern zu weit auseinander.

Spätes Essen: Grillsteak, Salat, Zwiebelbaguette. Kein Fernsehen.

Woran ich mich erinnern will:
Mal eben ein paar Gläser Marmelade kochen, wie so eine Hausfrau.

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Rausgehen.
Kontakt.
Bewegung.
Ausruhen.
Permission.
Zuhören.

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