Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Reiselust und Gartenfrust

20. Juni 2020. Samstag. Wecker um fünf; bis halb acht Internet und Nachrichten gelesen, Geschirr gespült, Kaffee zum Mitnehmen gekocht (dafür Kaffeebohnen in Omas alter Handmühle gemahlen), Telefonumleitung eingerichtet, Lebensmittel und Pflanzen verpackt, gefrühstückt.

Dann zum türkischen Bäcker am U-Bahnhof, dort mit belegten Baguettes eingedeckt; Fahrt zum Bahnhof Gesundbrunnen. Um 8:28 Abfahrt mit dem ICE Richtung Köln/Düsseldorf („Dieser Zug wird in Hamm geteilt“).

Wir finden zunächst zwei Plätze in einer Reihe, so dass jeder von uns einen Doppelsitz zur Verfügung hat. Aber es haben sehr, sehr viele Menschen anscheinend in letzter Minute Plätze reserviert, was im Wagen leider nicht zeitnah angezeigt wird, so dass ich „vertrieben“ werde. Der zuerst gewählte Wagen füllt sich in einer Weise, die mir unangenehm ist, ich mache mich auf die Suche nach mehr Platz, werde zwei Wagen weiter fündig und kann H. zum Umzug bewegen.

Ab dann ist die Fahrt sehr entspannt; kurz vor Hannover kommt es zu einem kurzen Halt, ein „technisches Problem am Triebwagen, das unser Lokführer gerade zu beheben versucht“, und kurz zuckt durch mein Hirn das Bild eines ölverschmierten Eisenbahners, der mit einem riesigen Schraubenschlüssel unter der Lok herumkriecht und scheinbar wahllos gegen Teile schlägt, um den Fehler zu finden. Vermutlich macht er gerade einfach einen Neustart des Bordcomputers.

Ankunft in Dortmund pünktlich; es ist sonnig und ein leichtes Windchen weht – sehr angenehme Temperaturen.

Weiterfahrt eine halbe Stunde später, ebenfalls mit einem ICE – das ist praktisch dieselbe Verbindung, die wir vor drei Monaten Richtung Berlin hatten, nur umgekehrt. Dieser Zug ist sogar richtig leer; „wegen der besonderen Lage hier im Land [Covid-19-Hotspot bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück] erinnern wir an die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, und bitten Sie, den Abstand zu uns einzuhalten, indem Sie ausschließlich die Fensterplätze besetzen“.
Was uns natürlich sehr entgegenkommt und in dem fast leeren Zug auch problemlos machbar ist.

Ankunft ebenfalls pünktlich, Zeitungsladen, Bäcker, Discounter (Wochenendeinkauf), dann den Bus ins Dorf genommen und gegen vier Uhr dort.

Nach drei Monaten Abwesenheit sieht der Garten natürlich komplett anders aus; zum Glück hat der Nachbar zwischendurch mal gemäht.
Vorneblühen Rosen, Nelken und Kokardenblume, hinten Lavendel, Thymian, Stockrosen und Ringelblumen, aber sonst nicht viel. Die im Frühjahr gesetzten Alliums und Iris sind (natürlich) durch, Lilien und Dahlien kommen spärlich, Gladiolen kräftig. Der Salbei hat sich von einem Fünf-Blätter-Steckling, der den Winter nur wegen keinem Frost überlebt hat, zu einer prächtigen Pflanze entwickelt, die sogar geblüht hatte.
Von meinen im März ausgesäten Pflanzen ist exakt nichts aufgegangen, das erschreckt und ärgert mich schon. Auch der gesteckte Knoblauch ist verschwunden. Hier sind also weitere Feldversuche nötig…
Der große Apfelbaum hängt voll, wirft aber gerade auch eine Menge ab (Junifall). Der uralte Spalierapfel trägt vereinzelte Früchte, der kleine Baum ist leer, hatte im Frühjahr aber auch keinen nennenswerte Knospenansatz. Auch die Birne hängt wieder voll.

Kurze Begegnung mit den Nachbarn, dann ankommen, auspacken, Lebensmittel verräumen, den Nachbarskater und die Kröten begrüßen, auf der Terrasse kollabieren.

Ich habe die Fahrt (wie schon letztes Mal) erstaunlich gut überstanden: Keine Kopfschmerzen, nur mäßig müde, keine steifen Knochen.
Ich habe sogar noch so viel Energie, uns eine Riesenschüssel mit einem schönen bunten Salat zurechtzuschnippeln – natürlich mit frischen Kräutern! – und dann sitzen wir auf der Terrasse, essen und schauen, wie es dunkel wird.
Junikäfer sehen wir nicht, dafür schmettern die Amseln, die Fledermaus dreht ihre Runden, und ganz kurz sehen wir sogar ein einsames Glühwürmchen!

Woran ich mich erinnern will:
Entspannte Fahrt im Doppelsitz; stundenlanges Daddeln im WiFi-on-ICE-Portal („Get 10“).

What I did today that could matter a year from now:
Bahn fahren.
Trotz Maske und möglichst viel Abstand Kontakt zu recht vielen Menschen.
Ich ändere meine Einstellung zum Aufenthalt im Häuschen und hoffe, dass ich d langfristig ein paar doofe Dinge „überschreiben“ kann.

Was wichtig war:
Früh aufstehen.
Genug Zeit einplanen.
Bewusstes Entspannen und Atmen.
Machen.
Steuern.

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