Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Erdkröten auswildern

28. Juni 2020. Sonntag. Geschlafen bis kurz nach sieben. Müde, lustlos. Internet lesen, spielen, Zeit vertrödeln.

Mittags bin ich an dem Punkt „zu müde zum sinnvoll Arbeiten, zu aufgedreht zum Schlafen“ – und tue das einzig Richtige: ich nutze das kühle Wetter (bewölkt, 21 Grad) zur Gartenarbeit. Ein paar Sachen müssen umgesetzt werden, dann etwas jäten, schneiden, gießen, aufräumen.

H. kommt gegen drei vom Mittagsschlaf runter, wir trinken Kaffee zusammen und fangen dann die Kröten ein, die seit Jahren im Kellertreppenabfluss leben. Sie haben Nachwuchs bekommen; seit einigen Tagen hopsen noch drei Winzkrötchen dort unten herum. Zusätzlich zu den drei alteingesessenen erwachsenen Tieren sind das dann sechs Kröten, die in einem Schmutzfangkorb mit einem Volumen von vielleicht anderthalb Litern leben. Das geht gar nicht, außerdem stinkt es und muss dringend saubergemacht werden.

Die Kröten tragen wir in einem Eimerchen an den Waldrand, dort gibt es eine gut geschützte Stelle an einer Furt im Bach, wo sie alles finden, was sie brauchen: Wasser, Schlamm, Laub, Gras, Unterholz. Zwei der alten können es gar nicht erwarten, aus dem Eimer zu kommen und krabbeln sofort los, grob in dieselbe Richtung, aber nicht zusammen. Die kleinen hüpfen Richtung Wasser, springen rein und schwimmen direkt ans andere Ufer – nichts wie weg! Das zweite Männchen ist ein bisschen bedröppelt und traut sich nicht aus dem Eimer raus in die fremde Umgebung. Wir helfen ein wenig nach, dann krabbelt auch er Richtung Ufer, erstarrt und schaut sich erstmal um. Ich hoffe, sie werden es hier gut haben. Es gibt in der Gegend reichlich Kröten, der Lebensraum ist also generell in Ordnung.

Aus dem Schmuzfangkorb holen wir dann jede Menge faulig riechenden schwarzen Schlamm, in dem aber immer noch Würmer und Schnecken leben. Ein Mini-Biotop.

Abendbrot (Nudeln mit Broccoli, Tomate, Paprika, Ziegen-Feta und Sesam) auf der Terrasse, aber es ist recht kühl. Anschließend drinnen noch eine Weile gespielt und nach fünfzehn Jahren mal wieder „Café International“ hervorgekramt.

Woran ich mich erinnern will:
Krötenauswilderung.

What I did today that could matter a year from now:
Krötenauswilderung.

Was wichtig war:
Etwas tun.
Nicht hängenlassen.
Wenn die eine Arbeit nicht geht, eine andere finden.
Mit den Nachbarn reden.
Körperliche Betätigung.
Kochen.

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2 Gedanken zu “Erdkröten auswildern

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