Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Eis vom Bäcker

1. Juli 2020. Mittwoch. Neuer Monat, neues Glück. Geschlafen bis kurz vor acht. Etwas nackensteif, ansonsten gut.

Eine Mail von der Kundin mit dem dringenden Notfall. Ich hatte gestern etwas barsch reagiert, und ich habe erst Angst die Mail zu lesen. Ich will da jetzt keinen Konflikt haben; aus ihrer Sicht ist auch alles sehr ärgerlich. Aus meiner auch, aber ich bin nun mal zuständig, die Kuh vom Eis zu holen. Wir sollten uns eigentlich besser gegen das Problem verbünden statt uns an die Gurgel zu gehen, aber momentan fehlt mir der Ansatz dafür.
Zum Glück scheint sie ihn gefunden zu haben,denn sie schreibt sehr nett, das sei nun einmal so, sie werde das Dritten gegenüber entsprechend kommunizieren, ansonsten vielen Dank und gut.
Aufatmen, Dankbarkeit, Glücksgefühle.

Mail an die Freundin mit Termin- und Programmvorschlag für ein Treffen. Keinen Bock mehr auf „wir könnte aber auch…“ und ellenlange Terminlisten, wann es gut passen würde, wann nicht so gut und wann nur unter bestimmten Voraussetzungen. Schluss damit.

Mit H. zum Bäcker, dort das hausgemachte Eis gekauft und nachmittags probiert. Lecker. Wir hatten Himbeer-, Sanddorn- und Nussecken-Eis.
Auf dem Heimweg vom Bäcker den Maler getroffen und auf ein kurzes Schwätzchen angehalten. Corona eignet sich allgemein gut als Gesprächsenstieg: Und wie läuft/ lief es bei Dir/ in Eurer Firma/ Schule?

Nach spätem Frühstück Wäsche aufhängen, Geschirr spülen, dann sehr müde. Aufs Sofa gelegt zumLesen und vielleicht Schlafen, aber dann treibt mich innere Unruhe wieder hoch: Raus, was tun, wenigstens mit der Kamera rumspielen! Ich hänge die zweite Maschine Wäsche auf, mache Fotos, nehme einen Imbiss auf der Terrasse, dann erwacht H. aus seinem Mittagsschlaf und es verlangt ihn nach Kaffee, also Kaffee und Eis.

Er verzieht sich nochmal an den Computer, ich beginne, das Rosenbeet vor dem Haus zu jäten. Es hat inzwischen wieder zugezogen, die Wolken werden halbstündlich dunkler und dichter, aber es wird erst am späten Abend regnen. Ich schaffe fast das gesamte Beet, dann wird mir schwummrig vom ständigen Bücken. Kurzer Plausch mit dem Nachbarn, der diesjährige Weihnachtsmarkt wird wohl dem Virus bzw. den Hygienevorschriften zum Opfer fallen. Schade eigentlich, aber erwartbar.

KUrze Pause auf der Terrasse, ich bin sehr erschöpft, mental wie körperlich.
H. zieht vom Schreibtisch um auf den Dachboden, wo er mal wieder alles saugt und ein paar Stellen begutachtet, wo eventuell kleinere Ausbesserunsgarbeiten nötig sind. Ich bin zu matt, um raufzuklettern und mir das anzusehen. Schicht am Schacht; ein andermal.

Stattdessen Nachrichten lesen, eine kleine Info recherchieren und an die Lieblingskundin rausschicken, die Kamerasoftware installieren und die Kamera mit dem WLAN verbinden.

Zum Abendbrot gibt es einen Salat aus rohem, geriebenen Blumenkohl mit Joghurt-Zitronen-Curry-Dressing, dazu Halloumi und gebratene Chorizo. Fein.
Wir sitzen noch eine Weile, sind aber beide müde.

Woran ich mich erinnern will:
Wenn ich mit H. irgendwo bin und Sprüche mache, lachen die Leute; bin ich allein unterwegs, reagieren sie eher skeptisch und misstrauisch. Hier im Dorf darf eine Frau nur frech sein, wenn ein Mann dabei ist, so scheint es.

What I did today that could matter a year from now:
Das Rosenbeet aufräumen.

Was wichtig war:
Abwechslung.
Grenzen ziehen.
Garten.
Der inneren Stimme folgen.

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Ein Gedanke zu “Eis vom Bäcker

  1. Pingback: Urlaub wird überschätzt | Annas Miniaturen

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