Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

100 Jahre und Strukturbedarf

10. Juli 2020. Freitag. Nach kurzer Nacht aufgestanden um halb acht. Oh, ein Reim. Aber mieses Reimschema. Egal.
Müde, matschkopfig, lustlos, aber eigentlich gut gelaunt.

Oma F. wurde heute vor 100 Jahren geboren; ich bin teilweise bei ihr aufgewachsen und erinnere mich gerne an sie – ich denke, ihr habe ich es zu verdanken, dass ich mit vergleichsweise milden Blessuren durch eine sehr blöde Kindheit gekommen bin. Sie hatte natürlich auch ihre Macken und Probleme, aber sie hat mir ein Maß an Liebe und Anerkennung gegeben, das vieles ausgeglichen hat. Ich hoffe, sie ist glücklich, wo immer sie ist. Sie hat es auf jeden Fall verdient, auf einer Wolke zu sitzen und verwöhnt zu werden.

Keine Lust auf Arbeit, schließlich ist Urlaub. Haha.
Ich warte auf die Freigabe eines Kunden, aber die kommt nicht, also beschließe ich, frei zu haben und beschäftige mich mit Privatkram (Familienforschung).
Innerlich bin ich unruhig, denn ich muss natürlich warten; falls die Freigabe doch noch kommt, muss ich durchstarten.

Ich merke, wie mich so etwas stresst: nicht zu wissen, wie die nächsten Stunden verlaufen sollen. Nicht planen zu können, bzw. unter der Maßgabe planen müssen, dass sich alles jederzeit ändern kann. Manchmal ist das kein Problem, aber im Moment brauche ich etwas mehr Struktur, denn es ist an allen Ecken und Enden so: H. verbummelt seit drei Wochen den Anruf beim Freund, um das Auto für einen Großeinkauf mit Getränkekisten klar zu machen. Bestimmte Arbeiten im Haus stehen seit Tagen fest, aber die konkrete Ausführung wird von Tag zu Tag nach Lust und Laune entscheiden. H. steht vom Mittagsschlaf auf und will „jetzt“ das und das machen, aber dazu braucht er mich. Ich soll dann alles stehen und liegen lassen. Selbst wenn es nur eine 15-Minuten-Hilfe ist – mich knallt das aus allem raus, und das stört mich nachhaltig.
Manchmal kann ich das gut, im Moment eher weniger.

Ich spreche das nachmittags an, er redet ebenfalls drüber, was bei ihm gerade schiefläuft oder Stress macht, und so ist es wieder gut, jeder weiß, was der andere gerade braucht, so kann man doch (gemeinsam) planen.

Ich mache noch anderthalb Stunden Materialsammlung für die neue Homepage (entspannt, denn nun braucht der Kunde auch nicht mehr kommen, und es ist Ruhe bis Montag), dann ist der nachmittäglich gefallene Regen einigermaßen weggetrocknet, die Sonne wagt sich hervor, und ich gehe in den Garten, Wurzel ausgraben.
Drei Stunden werden es, unterbrochen von Pausen und einem Plausch mit der hinteren Nachbarin. Ich komme gut voran, aber mit jedem Weitergraben werden die Wurzelstücke skurriler und ich denke: Hier schon aufhören und abschneiden? Wer weiß, was da noch kommt…

Um halb neun mache ich Schluss, duschen, Pizza warm machen, Terrasse.

Woran ich mich erinnern will:
Wurzel graben: Glücksgefühl pur.

What I did today that could matter a year from now:
Wurzel ausgraben.

Was wichtig war:
Sprechen.
Machen.
Marken setzen.
Graben.

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