Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Ausflug nach Bullay

12. Juli 2020. Sonntag. Ausflugstag. Aufgewacht nach guten sechs Stunden Schlaf um halb sieben. Zu früh! Zu wenig Schlaf! Aber der Kopf will loslegen. Herrliches Wetter, die Sonne scheint. Ausflugswetter!

Wir brechen gemütlich mit dem Bus kurz vor elf auf, müssen, weil Sonntag, auf dem Weg zum Hauptbahnhof nochmal umsteigen, haben dort gute zehn Minuten Zeit, um den Zug zu erreichen. Der Zug, eine Regionalbahn, steht schon bereit, wir finden Plätze auf der „richtigen“ Seite, damit wir über den Fluss schauen können, dann fahren wir eine Stunde an der Mosel entlang nach Bullay.

Ein hübscher kleiner Weinort, trotz Campingplatz an diesem Sonntagmittag gemütlich ruhig, aber es sind auch nur wenige Camper da. Verwinkelte Gässchen mit Fachwerkhäusern, eine moderne Kirche im Stil der 1930er bzw. 1950er, ein kleiner Platz mit Brunnen, darauf eine „nackiche“ Frau, die gerade den „Brautrock“ an- oder ablegt. Brautrock, also Brautkleid, heißt die bekannteste Weinlage des Ortes, es gibt eine Brautrockstraße und eben den Brautrock-Brunnen, und natürlich denken wir immer „Krautrock“.

Wir spazieren durch den Ort zur Mosel, dann am Moselufer mit Blick auf das kleine Städtchen Alf und die Burg Arras entlang bis zur Doppelstockbrücke, einer Eisenkonstruktion, auf der oben Eisenbahnen fahren und unten Autos. WIrspzieren über die Brücke bis zur anderen Seite und schauen weit ins Moseltal mit seinen Schleifen hinein Richung Calmont bzw. Zell.

Dann geht es unter glühender Sonne duch ein neu errichtetes Wohngebiet bergauf zum alten jüdischen Friedhof, der gut gepflegt erscheint und wo noch erstaunlich viele Grabsteine (44 Stück) aus dem 19. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erhalten sind.

Dann geht es oben auf der Straße den ganzen Weg wieder zurück, am Bahnhof vorbei durch das, was wohl früher „Bullay-Neustadt“ gewesen sein muss; etliche Häuser aus dem Ende des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts stehen hier, und es herrscht eine gediegene, sonntäglich entspannte Stimmung. Die Straße immer geradeaus gehen wir bis zum „Wingert“, dem Weinberg, und wandern in Serpentinen den Hügel mit der Weinlage „Brautrock“ hinauf bis fast ganz nach oben, wo das Weingut Lenz eine Straußwirtschaft mit großer Terrasse eingerichtet hat, die den etwas albernen Namen „Onkel Toms Hütte“ trägt. Angeblich ist es die höchstgelegene Straußwirtschaft an der Mosel, und das kann schon sein, denn der Blick geht weit Richtung Eifel und in die bewaldeten Hunsrück-Hügel, und Wein und kleine, leckere Speisen lassen den beschwerlichen Aufstieg in der Gluthitze bald vergessen.

Wir sitzen ausgiebig und genießen, das Lokal ist gut besucht, manche werden auch weggeschickt, weil kein Platz mehr frei ist, aber wir haben Glück gehabt. Etwas Wein nehmen wir noch mit, auch einen Likör aus Weinbergpfirsich für M. fürs Briefkastenhüten.

Runter geht es immer schneller; mit einer kurzenKaffeepause, gucken und fotografieren sind wir in einer knappen halben Stunde wieder unten am Bahnhof, dort sind noch 20 Minuten bis zur Abfahrt des Regionalexpress, der uns in einer Dreiviertelstunde wieder „heim“ bringt.

Ein wunderbarer Tag mit viel Sonne und Wind, das merke ich im Kopf, es droht Migräne. Abends im Garten halte ich es nicht mehr lange aus und gehe früh rein (22:00).

Woran ich mich erinnern will:
Eidechsen auf der Terrasse der Strußwirtschaft. Die Lerche im nahen Gehölz.

What I did today that could matter a year from now:
Rausgehen. Bahn fahren. Unter Leuten sein.
Ausflug.

Was wichtig war:
Raus.
Bewegung.
Grenzen austesten.
Eindrücke.
Neue Kamera ausprobieren.
Gut essen, aber auf die Bratkartoffeln verzichten.

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