Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Als Komparsin im Probebetrieb am neuen Berlin Airport

28. Juli 2020. Dienstag. Wecker um 6:30 Uhr, wach und aufgestanden um 6:15 Uhr. Es ist sonnig und warm, später werden mehr als 30 Grad.

Der große Tag: #BERtesten. Ich gehöre zu letztendlich 9.000 Komparsen, die den Betreibern des neuen Flughafens BER und dem dort eingesetzten Personal helfen sollen, die Abläufe zu üben, Fehler aufzudecken und Prozesse zu verbessern. Ursprünglich sollten es 20.000 Komparsen sein, und die doppelte Menge „Reisender“ hätte heute sicher ein realistischeres Bild ergeben. Aber #inderaktuellensituation ist eben alles anders, und da der Flughafen voraussichtlich im Oktober desen Jahres (*hust*) seinen Betrieb aufnehmen wird soll, sind eben auch die Pandemie-bedingten Einschränkungen und Besonderheiten Teil des Trainingsprogramms.

Ich bin mit dem bereitgestellten Shuttle vom S-Bahnhof Schönefeld (der Bahnhof unterm Flughafen ist noch nicht in Betrieb) etwa um 9:45 Uhr am Gelände. Nach langer Wartezeit und kurzer Einführung geht es pünktlich um 11:00 Uhr los. Ein Presseteam ist auch vor Ort, und im Anschluss erscheinen etliche Reportagen zu unserem Tag, zum Beispiel auf rbb24 und bei dpa (der Beitrag wird von verschiedenen Tageszeitungen übernommen, unter anderem von der Berliner Morgenpost).

Es ist anstrengend, der Tag besteht größtentels aus Warten und dann wieder dem Laufen sehr langer Strecken. Die „Probeflieger“ wurden wohl absichtlich jeweils ans Ende der Abfluggates geschickt, um die Laufzeiten zu überprüfen. Aber das konnte man vorher ahnen, denn bereits in der Beschreibung des Testbetriebs heißt es: „Da Sie während des Probebetriebs mehrfach Abflüge und Ankünfte proben, müssen Sie mit längeren Laufstrecken rechnen. Durchschnittlich werden es etwa vier bis fünf Kilometer pro Tester sein. Dies kann jedoch im Einzelfall auch übertroffen werden.

Also wie bei einem richtigen Flug: Suchen, warten, suchen, rennen, warten.
Zur „Belohnung“ stieg man beim Boarding statt in ein Flugzeug in einen bereitgestellten Reisebus, der zu einem „Rundflug“ über das Gelände „abhob“ – mit sehr viel Spaß vom Busfahrer und der kommentierenden Begleiterin absolviert.

Das ganze Procedere von Abflug und Ankunft wurde zweimal durchgespielt, und erwartungsgemäß lief es zumindest für die TeilnehmerInnen beim zweiten Durchgang viel reibungsloser und entspannter: Schließlich wusste man schon, wo alles ist, wo man langlaufen muss, wie man sich wo anzustellen hat und was einen erwartet. Während also vormittags lauter Neulinge unterwegs waren, die sich erstmal orientieren mussten (vielleicht vergleichbar mit der Abfertigung von Ferienfliegern), waren es am Nachmittag routinierte Flugreisende (also wohl mit dem Verhalten beim Abfertigen von Geschäftsfliegern).

Pünktlich um 15:30 Uhr „landete“ meine letzte Maschine, dann hieß es ein letztes Mal warten, um Warnwesten, Sicherheitsausweis und den ausgefüllten Bewertungsbogen abzugeben, ein paar Fotos von außen wollte ich noch machen, dann ging es in den Shuttle-Bus und um 16:00 Uhr war ich auf dem Heimweg.

Um 17:00 Uhr zu Hause, und ich fühle mich wirklich wie nach einem anstrengenden Reisetag, zum Glück ohne Migräne trotz Hitze, Zugluft (in der S-Bahn) und Anstrengung. Toitoitoi!

Abends den Rest der Broccoliquiche gegessen und auf ARTE die Dokumentation „The Bomb“ angeschaut.

Woran ich mich erinnern will:
Die furchtbare Nervosität und wie ich mich selbst beruhigen konnte.
Die Münzen im Steinfußboden.
Die „Rundflüge“ im Bus.
Wie angenehm es ist, sich hinter der Maske verstecken zu können.
Das Gefühl, sich einen Ort anzueignen.

What I did today that could matter a year from now:
Den Tag mit sehr vielen Menschen verbringen, die nicht alle ihre Maske korrekt tragen können (oder wollen) und nur ein sehr unvollkommenes Gefühl für Entfernungen haben („Wenn ich Sie mit meinem Arm berühren kann, stehen Sie auf keinen Fall 1,50 m von mir entfernt. Was glauben Sie denn, was für lange Arme ein Mensch hat?!“).
Wichtige Erfahrungen sammeln und Erkenntnisse (auch über mich und darüber, wie ich funktioniere) gewinnen.

Was wichtig war:
Mitmachen.
Ruhe bewahren.
Geduld haben.
Mich selbst beruhigen.
Auf Signale des Körpers hören.
Kommunizieren.
Freundlich und neugierig bleiben.

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Ein Gedanke zu “Als Komparsin im Probebetrieb am neuen Berlin Airport

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