Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Kauferlebnis der besonderen Art

4. August 2020. Dienstag. Aufgewacht und aufgestanden kurz nach fünf. Etwas früh, so richtig wach bin ich noch nicht. Aber die Idee war: Arbeiten bis mittags, spätes Frühstück mit H. (der die halbe Nacht am Keyboard saß), dann nachmittags „frei“, um in die Stadt fahren.

Die Sonne scheint wieder, wie schön. Heute sind die Temperaturen noch angenehm (23 Grad), ab morgen wird es wieder wärmer, bis 33 Grad am Wochenende.

Ich fahre um zwei los, vorher bin ich beim Projekt der Lieblingskundin sehr gut vorangekommen.

Der Blödmarkt sorgt erwartungsgemäß mal wieder für ein besonderes Kauferlebnis:

  1. Der Online-Shop ist nicht in der Lage, mir das gewünschte Produkt nach Hause zu schicken („Versand nicht möglich, nur Abholung in der Filiale“).
  2. „Abholung in der Filiale“ heißt selbstverständlich nicht „in der Filiale in der Nähe meines Wohnorts“, sondern „in der Filiale mitten in der Stadt“.
  3. Fahrtkosten: 5,80 Euro, Zeitaufwand inkl. Hin- und Rückfahrt: 1,5 h. Na danke.
  4. Am Abholschalter steht kein Kunde, dafür zwei Mitarbeiterinnen. Ohne Maske, aber müssen sie ja auch nicht. Nett wäre es trotzdem. Die Mitarbeiterinnen sind in ein privates Gespräch vertieft, an dem sie mich ungewollt teilhaben lassen. Keine gibt zu erkennen, dass sie mich wahrgenommen hat, erst als ich genervt die mitgebrachten Abholunterlagen („Drucken Sie den Abholschein aus und bringen Sie ihn samt Rechnung mit in die Filiale“) auf den Tresen knalle und laut und vernehmlich „Guten Tag!“ sage, eist sich eine der beiden widerwillig los. Der Widerwillen steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.
  5. Statt einer Begrüßung erklärt sie mir, dass ich mir „die Patrone hätte sparen können“. Ich schaue ratlos. Was? „Na, Sie hätten das nicht ausdrucken müssen, die Abholnummer, die hier drauf steht, reicht mir.“ – „Aha. In der Mail stand aber, man solle alles ausdrucken und mitbringen.“ – „Na deswegen sage ich es Ihnen ja. Brauchen Sie nicht.“ – „Na ja, dann sollten Sie vielleicht mal nach oben weitergeben, dass hier alle Kunden umsonst Unterlagen mitbringen.“ – „Ich muss gar nichts. Im Übrigen will ich Ihnen ja nur einen Gefallen tun.“ – „Indem Sie mir sagen, ich hätte etwas nicht tun müssen, was Ihre Firma aber ausdrücklich von mir verlangt hat? Was soll mir das jetzt nützen?“ – „Na ja, fürs nächste Mal.“ – „Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es ein nächstes Mal gibt.“ Kuhaugen.
  6. Sie schnappt sich meine Zettel (auf denen mein Name, Adresse und Mailadresse stehen) und geht um die Ecke, um meine Ware zu holen. Sie kommt ohne die Zettel wieder. „Haben Sie meine Zettel jetzt weggeworfen?“ – „Wollten Sie die etwa wiederhaben?“ – „Ja, in der Tat.“ Augenverdrehen, sie verschwindet nochmal um die Ecke, kommt mit den Zetteln wieder. „Was wollen Sie denn noch damit?!“ – „Zum einen kann ich sie ja noch als Schmierpapier nutzen, wenn ich sie schon umsonst bedruckt habe. Zum anderen möchte ich nicht, dass meine Daten hier offen rumliegen.“ – „Na, was glauben Sie denn, wofür der Dokumentenschredder da ist?!“ – „Welcher Dokumentenschredder?“ – „Na, selbstverständlich vernichten wir hier alle Unterlagen sofort, dazu sind wir ja verpflichtet! Wir gehen sehr sorgfältig mit Kundendaten um! Das ist uns ganz wichtig!“ – “ Nun, alles, was ich beobachte ist, dass jetzt soeben Zettel mit meinen persönlichen Daten drauf unbeaufsichtigt irgendwo dahinten herumlagen und keineswegs geschreddert wurden. Da nehem ich sie lieber mit, bei mir sind sie besser aufgehoben.“ – „Na, Ihnen kann man aber auch gar nichts Recht machen!“ Könnte man schon, zum Beispiel seinen Job richtig machen und kundenorientiert denken.
  7. Immerhin kann ich direkt bei ihr bezahlen und muss nicht mehr zur Kasse, das war aber auch das einzig Positive.

Anschließend in dem Center den Supermarkt gesucht. An einer Rolltreppe hängt ein Schild: Der Supermarkt befindet sich im Untergeschoss. Also die Rolltreppe runter – nur um dann in der Tiefgarage zu stehen. Kein Hinweis auf den Supermarkt. Ich mache mich auf den Weg, denn anhand des Lageplans sehe ich, dass er hier irgendwo sein muss. Schilder Fehlanzeige, immerhin ist ein Drogeriemarkt ausgeschildert, das müsste also die richtige Richtung sein. Nach fünf Minuten Abgasgestank (trotz Maske, die ja, wie wir wissen, Gerüche nicht wirklich abhält) stehe ich endlich in einer kleinen Ladenpassage, wo sich auch der Eingang zum wirklich sehr großen und angenehm luftig sortierten Supermarkt befindet.

Beim Rauskommen nehme ich die Rolltreppe aus der kleinen Passage und stehe oben direkt am anderen Ende des Centers. Das könnte man wirklich etwas besser ausschildern, liebe Leute!
ZIemlich genervt trete ich den Heimweg in der natürlich proppevollen U-Bahn an. Wie das wohl wird, wenn die Schule wieder losgeht? Und dann die Hälfte der Leute (Kinder, Unbelehrbare) ohne Maske? Na danke.

Zu Hause dank Früharbeit nun wirklich frei, ich mache mir einen großen Eimer Milchkaffee und denke ein wenig auf meinen aktuellen Zielen, Wünschen und Vorhaben herum.
Fotos bearbeiten. Rechner aufräumen. Geschirr spülen.

H. kommt erst um halb acht und hat Zahnschmerzen bzw. eine Entzündung im Kiefer. Auch Stress?

Zum Abendbrot Matjes mit Pellkartoffeln und grünen Bohnen aus P.s Garten. Auf ARTE eine Doku über die Atombombe auf Hiroshima. Schwere Kost, auch wenn man eigentlich alles weiß – die Zeitzeugenberichte sind immer wieder erschütternd, vor allem, wo man nun anscheinend weiß, dass die japanische Militärführung die Bevölkerung mehr oder weniger sehenden Auges ohne Vorwarnung geopfert hat.
Was für eine bescheuerte Spezies sind wir eigentlich?

Woran ich mich erinnern will:
Beim nächsten Mal eventuell nicht nur auf den Preis schauen, sondern das „Gesamtpaket“ betrachten.

What I did today that could matter a year from now:
Mich unter Menschenmassen begeben.
Ziele konkretisieren.

Was wichtig war:
Rausgehen.
Einigermaßen ruhig bleiben.
Niemanden beleidigen.
Energie ausnutzen.

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