Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Migräne und Stress mit dem Beschenktwerden

3. September 2020. Donnerstag. Sehr gut und vor allem ohne Unterbrechungen geschlafen. Die kühleren Nächte machen sich bemerkbar. Aufgestanden um 5:45 Uhr.

Im Laufe des Vormittags heftige Migräne bekommen. Doch alles ein bisschen viel gerade.
Also nur das Nötigste: Mails beantworten, ein Ticket für M. buchen, einkaufen gehen.

Draußen ist es schön, mir sind nur zu viele Menschen dort. Es freut mich für die Lokale, aber auf den engen Bürgersteigen ist es unangenehm. Ich könnte dort nicht sitzen und essen; der Abstand zu den Vorübergehenden beträgt weniger als einen halben Meter. Im Restaurant im Nachbarhaus sitzt hingegen abends jetzt niemand mehr; die 18 Grad, die abends herrschen, sind selbst Stammgästen zu kalt, und reingehen will eben keiner. Das wird ein harter Winter.

Lange mit H. gesprochen wegen eines Geburtstagsgeschenks (P. hat nach Wünschen gefragt). Wie schwer es ist, sich etwas zu wünschen, wenn man  genügsam ist und ressourcenschonend lebt, aber gleichzeitig die Wünsche des Schenkenden zu berücksichtigen hat (es muss online bestellbar sein, der Schenkende muss damit etwas anfangen und selbst eine Variante auswählen können). Damit fallen 95 Prozent der Dinge weg, die man sich vielleicht wirklich wünschen würde, weil man sie entweder selbst aussuchen muss/ möchte oder es immaterielle oder alltägliche Wünsche sind.

So wäre ein Gutschein für einen Baumarkt durchaus willkommen, denn im Haus fällt in nächster Zeit allerhand Bauerei an, aber das ist dem Schenkenden zu „unpersönlich“. Er möchte nicht erinnert werden als derjenige, der es ermöglicht hat, zwei Sack Zement und zehn Steckdosen zu kaufen, sondern als der großzügige Spender der Kaffee- oder der Bohrmaschine.

So wie Leute ihren Namen auf einer Plakette an der von ihrer Spende errichteten Bank an einem Spazierweg anbringen lassen, so möchte der Schenkende am liebsten eine (zumindest mentale) Plakette an einem Gerät oder Gegenstand sehen: „Diese Kaffeemaschine wurde angeschafft von XY im Jahr 2020“.
Sich selbst durch großzügige materielle Gaben unvergeßlich machen. Auch eine Form vermeintlicher Unsterblichkeit.

Nur: Die Kaffeemaschine gibt irgendwann den Geist auf, die Bohrmaschine hat man verliehen und nicht zurückbekommen – was bleibt dann? Die Steckdosen hingegen, die werden wohl bis zu unserem Tod in der Wand bleiben: ‚Weißt Du noch? Diese Renovierung damals konnten wir nur machen, weil der XY so großzügig Material finanziert hat.‘

Nachmittags noch ausgiebig gekocht (Rindfleisch für Suppe auskochen, grüne Bohnen putzen, Kartoffeln schälen und mitkochen), dabei Tour de France geschaut.
Dann endlich den Kopfschmerzen nachgegeben und ins Bett gelegt. Viel zu spät, um noch auf Linderung zu hoffen, aber immerhinguten Gewissens etwas gedöst und entspannt.

Zum Abendbrot Suppe. H. schaut Fußball, ich werde noch etwas lesen und dann wegdösen.

Woran ich mich erinnern will:
Diese Wochen zwischen Mitte Juli und Mitte September sind menschlich und familiär herausfordernd. Kann ich mich da künftig (noch) besser wappnen?

What I did today that could matter a year from now:
Rausgehen.
Maske tragen, Abstand halten.
Kontakt zu einer potentiellen Neukundin aufnehmen.

Was wichtig war:
Ausruhen.
Machen.
Ruhig und strukturiert bleiben.
Langsam machen.

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2 Gedanken zu “Migräne und Stress mit dem Beschenktwerden

  1. Lese seit einigen Wochen still mit. Danke fürs Teilhaben lassen. Am Gedanken des sich unvergesslich Machens durch materielle Gaben werde ich noch weiterdenken. Ein erholsames Wochenende.

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