Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Erste  Urlaubswoche

14. September 2020. Montag. M. fährt in die Stadt zum Bahnhof, um sich Nachschub an Zeitungen und ein Zigaretten-Stopfgerät zu besorgen und ein Eis zu essen. Ich nutze die Zeit (und Ruhe)um ein Angebot fertig zu machen und bei den verreisten Nachbarn den Vorgarten zu gießen. Leichtes Pieken im linken großen Zeh.
Mit H. Überweisungen gemacht, dabei gibt mittendrin der Kartenleser auf: Batterien alle. Die Ersatzbatterien sind wohl auch schon entladen. Erst mit den Batterien aus meinem Gerät geht es dann endlich.

15. September 2020. Dienstag. Mit dem Bus um halb zehn los, um den vorbestellten Mietwagen abzuholen. Am zentralen Umsteigepunkt fährt der Anschlussbus gerade vom Platz als wir ankommen. Halbe Stunde warten. Mit dem bestellten Transporter ist dann alles gut, wir fahren zuerst zum Baumarkt (wo H. den Geldbeutel im Auto liegen lässt, so dass ich hinjoggen muss, um ihn zu holen, denn es fällt natürlich erst an der Kasse auf). Sogar ein kleines Gespräch mit dem Freund hat sich ergeben (wie üblich: alles Mist).
Dann zum großen Supermarkt: Erst was essen, dann Getränkeabteilung, dann Lebensmittel. Der Zeh schmerzt immer mehr.
Dann alles nach Hause karren, Auto ausräumen und Leergut und Müll für die Wertstofftonnen einladen. Kurze Verschnaufpause, umziehen, dann geht es wieder los: Zuerst Glas & Altpapier von gefühlt zwei Jahren wegbringen, dann zum anderen Getränkemarkt, Leergut wegbringen. Dann weiter zu einem Lokal am Rhein mit Blick auf eine Burg gegenüber.
Das Essen ist so lala, der Blick sensationell.

16. September 2020. Mittwoch. Morgens bingt H. das Auto zurück, während M. und ich gemütlich auf der Terrasse sitzen, Wespen beobachten und den Sommermorgen genießen. Später gemeinsames Frühstück draußen. Ängeres Telefonat mit der Lieblingskundin, kürzeres mit der neuen Agentur, ansonsten draußen sitzen bis es nachmittags zu warm wird. Etwas arbeiten, Einkäufe verräumen. Der Zeh schmerzt sehr, es ist eine Entzündung im Gelenk, es ist etwas geschwollen und sehr warm. Ich behandle mit (weitestgehend) Ruhe und Arnikasalbe.

17. September 2020. Donnerstag. M. und ich fahren in die Stadt, um für sie zur Bank und zur Apotheke zu gehen und Blumen für H. zum morgigen Geburtstag zu besorgen. Ich kann kaum auftreten, und wir geben ein lustiges Bild von zwei fußlahmen Frauen ab: Die eine geht im Schneckentempo gebückt an zwei Stöcken, die andere hinkt genauso langsam vorneweg oder hinterher.
Kaffeetrinken im Schatten in der Schlossstraße, dann zurück zum Bus und heim. Wir stellen fest, dass M. nur ihre abgelaufene BahnCard dabei hat; für die Rückfahrt braucht sie aber die aktuelle.
Abends jaule ich vor Schmerzen.

18. September 2020. Freitag. H.s Geburtstag. Ich mache morgens den Tisch im Wohnzimmer fertig, baue Blumen, Briefumschläge und P.s Paket auf. M. ist auch wie immer sehr früh wach und wir sitzen zusammen bis H. aufsteht. Er hat sich den Tag weitestgehend freigenommen, will nur nachmittags im Garten seine abgerundeten Regalbretter nachschleifen, weil das Wetter so schön ist, er Zeit hat und man am Wochenende keinen Krach machen kann.
Als M. und ich mittags gerade am Spülen sind, kommt er rein: Kein Strom mehr. Es stellt sich heraus, dass die Sicherung vom Erdgeschoss raus ist und sich auch nicht wieder reindrücken lässt. Wir ziehen alle Geräte und versuchen es nochmal: Nichts. Der Kippschalter labbert einfach rum und rastet nicht mehr ein. Freitag Nachmittag erwischt man hier auf dem Land natürlich keinen Elektriker mehr und einen Notdienst ist uns das nicht wert. H. hinterlässt also beim Elektriker-Bekannten R. eine Nachricht und zieht Verlängerungsschnüre vom Obergeschoss in die Küche (Wasserkocher, kleine Lampe, Kaffeemaschine) und ins Wohnzimmer (Licht, Router, Fernseher).
Nachmittags Sekt, abends Fleischkäse. M. wird leicht renitent wegen der Essenszeiten, obwohl alles nach ihren Wünschen geht.
Der Zeh tut sehr weh, ich zwinge ihm aber ein wenig Aktivität auf.
Abends kommen die Nachbarn aus dem Urlaub; die Nachbarin hat sich dort bei einem Sturz den Arm gebrochen

19. September 2020. Samstag. Morgens ist der Zeh fast gut, ich kann entspannt stehen und laufe fast ohne zu hinken. Auch die Schwellung ist viel weniger, und er ist nicht mehr heiß. Klar, der Stress ist auch erstmal vorbei. Ich nutze den Tag, um schon mal einen Teil der neu gekauften Blumenzwiebeln einzusetzen: Zwergiris, mehrblütige Tulpen, Schachbrettblumen und Allium ins Terrassenbeet, geflammte Papageientulpen und Allium ins Südbeet und Wildtulpen, Zwergiris und gemischte Krokus ins Fliederbeet. Außerdem kommen die mitgebrachten Kräuter, die gekauften Astern und die keimenden Süßkartoffeln in den Boden. Abends noch die Wiese gesprengt, wo ich Narzissen setzen will.
H. schleift seine Bretter ab und ist glücklich.
M. ist in die Stadt gefahren wegen einer neuen Zeitung und um sich ein Ersatzticket für die Rückfahrt zu besorgen. Großer Streit mit dem Schalterbeamten. Ich bin froh, dass jemand anders das 7-Tage-Blues-Gewitter abbekommt. Den Rest des Nachmittags ist sie unleidlich, weil der Kerl ihr noch eine Karte für die falsche Strecke verkauft und sie aus lauter Zorn nicht darauf geachtet hat.

 

Woran ich mich erinnern will:
Frühstück auf der Terrasse. Lesen im Liegestuhl. Meine Expertise ist gefragt. In der Erde graben.

Was wichtig war:
Ruhig bleiben.
Befrieden, ausgleichen.
Kochen.
Ausruhen.
Alle Bälle in der Luft halten.
Dranbleiben.
Hartnäckig, klar, ruhig.

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.