Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Zweite „Urlaubs“woche

20. September 2020. Sonntag. Der Zeh erholt sich etwas. Es sitzt immer noch eine Entzündung im Gelenk, aber das Laufen geht besser.
Ich mache Gartenskizzen (was wächst wo, welche neuen Blumenzwiebeln setze ich), sitze lange mit M. auf der Terrasse. Später Küche aufräumen und Geschirr spülen. Was sie für ein Geschirr verbraucht! Zumindest hilft sie beim Spülen.
Recherchiert, welches geeignete Kameraeinstellungen für das Fotografieren des Sternenhimmels sind. Die Kamera entsprechend eingestellt und das Stativ aufgebaut.
Nachmittags mühsam über Kopf das Loch in der Kellerdecke mit Bauschaum geschlossen. Ein Gefühl als würde man versuchen, Schlagsahne an die Decke zu kleben – die Schwerkraft ist schneller als das Aushärten.
Zur Belohnung den Nachmittag lesend und dösend im Liegestuhl verbracht.
Abends Sternen-Fotos. Die Ausbeute ist nicht besonders groß; der Autofokus treibt quer. Ich muss mich also nochmal intensiver damit beschäftigen. Immerhin ein paar sehr gelungene Aufnahmen dabei. Jetzt muss ich nur mal Zeit finden, die noch passend zu bearbeiten, um ein wenig mehr „Dramatik“ hineinzubekommen…

21. September 2020. Montag. Morgens große Unlust zur Arbeit, nur gerade ein kleines Angebot geschrieben und mit einem Kollegen über das neue Großprojekt telefoniert. Geschirr gespült, Küche aufgeräumt, etwas auf der Terrasse in der Sonne gedöst (25 Grad). Nach dem Kaffee hat es mich dann nochmal richtig umgehauen und ich habe mich ins Bett gelegt und gute 2 Stunden geschlafen. Ich bin so unendlich erschöpft! Und dieser „Urlaub“ verdient seinen Namen nicht; es ist mehr Arbeit und Anstrengung als sonst, nur andere.
Immerhin ist der Zeh jetzt deutlich besser; vielleicht schaffe ich doch noch einen kleinen Waldspaziergang…?

22. September 2020. Dienstag. Morgens lange mit M. auf der Terrasse gesessen und beim ersten Kaffee etwas geplaudert. Dann etwas gearbeitet, Geschirr gespült und mittags hingelegt: Ich möchte bitte eine Woche schlafen!
Nachmittags noch ein Stündchen gearbeitet, dann ab in den Garten: Blumenzwiebeln gesetzt (Kaiserkronen, Schneeglöckchen, Scilla, Tulpen), die Fugen der Wegplatten gesäubert, Verblühtes an den Rosen abgeschnitten. Es wird.

23. September 2020. Mittwoch. Morgens etwas gearbeitet, dann bei angenehmen 20 Grad mit M. mit dem Bus einen Mini-Ausflug ins übernächste Städtchen gemacht. Sie läuft ja wirklich sehr schlecht, hat sofort Schmerzen (Rücken, Knie) und keucht bei der kleinsten Anstrengung noch minutenlang nach. Aber sie wollte dorthin, also ging es auch irgendwie. Wir besichtigten besondere Grabkreuze auf dem Friedhof, schauten in die Kirche rein und machten einen Mini-Rundgang durch die Altstadt, bevor wir am Marktplatz bei einem Italiener Kaffee und Tiramisu genossen. Dann ging es zurück nach Hause, unterbrochen von einer kurzen Stippvisite im Supermarkt beim Umsteigen.
Nachmittags noch ein Stündchen gearbeitet und H. bei der Apfelernte geholfen. Der große Baum hängt voll, aber viele Äpfel sind auch faulig oder angestochen, es muss also viel aussortiert werden. So ganz reif sind sie noch nicht, aber bis zum November, wenn wir das nächste Mal kommen wollen, liegen sie alle unten und sind hin.

24. September 2020. Donnerstag. Vormittags gearbeitet, dann schon mal unsere Betten ab- und neu bezogen und die ersten Ladungen Wäsche gewaschen. Die Äpfel aussortiert: Die perfekten ausgebreitet zum Lagern, die angestochenen oder gedrückten kommen mit nach Berlin. Anschließend etwas über 100 Narzissenzwiebeln gesetzt. Das Wässern der Wiese in den letzten Tagen hat in Zusammenarbeit mit den beiden nächtlichen Regenfällen dafür gesorgt, dass der Boden hier einigermaßen grabbar ist. An anderen Stellen im Garten sieht es anders aus, und mir graut vor der Wiese im Vorgarten, wo noch 100 Krokusse und etliche Tulpen hin sollen.
Ein letztes Mal im Liegestuhl gelegen: unter dunkelgrauen Wolken, bei frischem Wind, eingewickelt in eine Decke. Nur die Nase schaute raus, aber trotzdem habe ich noch ein halbes Stündchen selig geschlafen.

25. September 2020. Freitag. M. „gesteht“ mir, sie habe nachts meinen schönen Teebecher zerschmissen als sie im Schlaf ihr Tischchen am Bett umgeworfen hatte. Warum man einen Porzellanbecher am Bett stehen hat, den man ja nachts leicht mit der Bettdecke runterwischen kann, erschließt sich mir nicht. Der Becher war ein Geschenk der Freundin und ich werde wohl Ersatz besorgen, auch weil er mir wirklich gut gefiel.
Als nächstes auf Mäusejagd gegangen: Versehentlich war mir eine Spitzmaus in die Waschküche geflitscht, aber mit viel Stress und Wasser trieb ich sie wieder raus, konnte sie fangen und hoffentlich weit genug weg wieder aussetzen. Sie wollen jetzt ins Warme, das kann ich ihnen nicht verdenken, aber tut’s nicht auch ein Schuppen?
Mehr Wäsche gewaschen. Das Wetter ist jetzt kühler, windig und regnerisch, und wir schleppen mehrfach die Wäscheständer rein und raus.
Nach einem Telefonat mit der Lieblingskundin die Erwerbsarbeit für heute eingestellt und stattdessen im Garten gearbeitet: Noch etwa 150 Blumenzwiebeln im Vorgarten gesetzt, den halben Phlox ausgegraben und den neuen gesetzt; nun ist alles in der Erde. Arm und Schultern schmerzen, denn der Lehmboden ist nach dem trockenen Sommer betonhart, und jedes Pflanzloch muss ihm abgerungen werden.

26. September 2020. Samstag. Vormittags das Haus klar machen, Geschirr spülen, Lebensmittel und Reste packen, Gartenmöbel in den Keller bringen, Wäsche waschen usw. H. schneidet sich beim Wegbringen des Mülls tief in den Finger. Es rundet diesen Aufenthalt unangenehm ab. Auf der Rückfahrt zum Glück keine Katastrophen mehr, alle Züge sind pünktlich (im Gegensatz zu anderen: In Dortmund „treffen“ wir noch den Zug, der eine Stunde vor unserem nach Berlin fahren sollte und nun erst mit 40 Minuten Verspätung fuhr). In Berlin überlegen wir kurz: Bus oder S-Bahn und entscheiden uns für den Bus. Gut so, denn später stellte sich heraus, dass die U8 wegen eines Gaslecks am Rosenthaler Platz nicht fuhr.

 

Woran ich mich erinnern will:
Den Nachthimmel fotografieren. Die Frau am Friedhof des kleinen Städtchens, die uns unbedingt helfen will, die richtigen Gräber zu finden. Die Liebe zu „meinem“ Garten.

Was wichtig war:
Rausgehen.
Machen.
Ausruhen.
Ausgleichen.
Reden.

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