Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Auf die Pelle gerückt

15. Oktober 2020. Donnerstag. Aufgestanden um zwanzig nach sechs. Ich hätte gerne einen Tag zur freien Verfügung, aber heute ist nicht dieser Tag.

Stattdessen vormittags mit H. zum Elektronikmarkt, einen PC und zwei Monitore abholen. Vorher schnell zum Discounter, ein paar Getränke und Weihnachts-Lichterketten abgreifen.

In beiden Läden rücken mir Menschen an der Kasse unangenehm dicht auf die Pelle. Der eine, ein Mann an die achtzig, weicht immerhin zurück als ich ihn darauf anspreche (und zieht sogar seine Maske über die Nase als ich auch das noch moniere), die andere schaut wie eine Kuh und rührt sich nicht. Vielleicht hat sie mich rein sprachlich wirklich nicht verstanden, aber dann muss sie die letzten Monate auf enem anderen Planeten verbracht haben.

Meine Beobachtung in den letzten Monaten: Mit dem Abstandhalten haben die Menschen ein viel größeres Problem als mit dem Masketragen. Egal ob auf der Straße, im Geschäft (wo man sich in engen Gängen aneinander vorbeiquetscht) oder in öffentlichen Verkehrsmitteln: In der Regel wird nicht mal eine Armlänge Abstand gehalten, selbst dann nicht, wenn es problemlos möglich wäre.
Gerade in Geschäften scheinen viele Leute auch zu denken: Ich trage doch eine Maske, dann ist Abstand nicht notwendig.

Mich persönlich nervt es am meisten auf der Straße, wo niemand Maske trägt und keinen Abstand einhält, egal ob beim Überholen oder wenn man sich entgegenkommt, egal ob schnaufende Omas, hustende Kinder samt erkälteter Mami, keuchende Jogger oder knapp überholende Radfahrer.

In den letzten Tagen habe ich begonnen, mich breit zu machen, den Arm mit der Einkaufstasche ein wenig mehr auszustrecken als nötig. Bei zweimal draußen habe ich drei Menschen einen Ellbogen in die Weichteile gebohrt, weil sie so dicht an mir vorbei sind. Keiner hat was gesagt. Ob sie überhaupt gespürt haben, dass sie einander zu nahe kommen?

Ich trage jetzt auch auf der Straße eine Maske: Wenn andere zu blöd oder ignorant sind, geht es nicht anders. Ich will diese Scheiße nicht bekommen, das kann mich die Existenz kosten.

* * * * *

Der neue Monitor ist sehr gut, meine Augen und mein Nacken atmen geradezu hörbar auf.

Beim Großprojekt der Lieblingskundin etliche Tests durchgeführt und noch ein paar Macken entdeckt.

Beim GroßenGrausigenProjekt wird jetzt kurz vor knapp nochmal der Entwurf umgebaut (was die Entwicklung für mich um einiges aufwändiger macht). Außerdem hat sich der SEO-Mann durch eine für mich völlig unerklärliche Fehlkommunikation anscheinend ins Aus katapultiert.
Er kann eigentlich gut erklären, hat die Kunden aber so erfolgreich verwirrt, und das bei absolut angespanntem Zeitbudget, das ist mir ganz unverständlich.

Komischerweise bin ich absolut tiefenentspannt. Es ist wunderbar, wenn jemand anders die Organisation und Kommunikation übernimmt und ich nicht ständig in jedes Detail und jeden Kleinkrieg einbezogen bin.

Abends noch beim Großprojekt der Lieblingskundin einen Terminkalender aus 2019 in die neue Website-Version kopiert (von Hand, weil Termine jetzt anders aufgebaut sind) und mit M. zwei Online-Bestellungen abgeschlossen. Sie ist ein hervorragender Betatester für Online-Shops. Falls also mal jemand eine Testperson aus der Generation 75+ braucht, bitte bei mir melden…

Abends „kocht“ wieder H., es gibt Reste mit Ei und Käse, dazu im Fernsehen zwei entspannende Folgen von mareTV.
Und ich möchte bitte eine Woche schlafen.

Woran ich mich erinnern will:
Wie man manchmal für wenig Geld eine große Veränderung und Verbesserung bewirken kann.

What I did today that could matter a year from now:
Rausgehen unter Menschen.
Mich in einen Konflikt nicht einmischen.

Was wichtig war:
Rausgehen.
Neuen Monitor kaufen.
Ansprechbar sein.
Diplomatisch bleiben.
Ruhig bleiben.

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