Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Den Herbst verpassen

24. Oktober 2020. Samstag. Wach um kurz vor halb sechs, und die Gedanken rattern sofort los. Eigentlich bin ich schon erschöpft, bevor ich anfange.
Die Work-Life-Balance geht gerade mit großem Getöse den Bach runter.

Bis zum mittäglichen Einkauf immerhin viel geschafft: Eine Anfrage beantwortet (und kurzfristige Hilfe abgelehnt, denn diese Woche lasse ich mir nichts reindrücken), eine Mail an die Agentur für das GroßeGrausigeProjekt (GGP) geschrieben, was mir konkret alles noch fehlt. Und ich hoffe, dem Agenturchef und Designer ist beim Lesen mindestens genauso schwummrig geworden wie mir beim Schreiben. Bis um 19:00 Uhr erhalte ich übrigens exakt nichts: Weder eine Antwort noch das für heute versprochene Material. Leute, Ihr werden dem Kunden viel erklären müssen…

Dann das vorhandene Material im GGP eingepflegt, ein verschachteltes Template zurechtgerückt und ein Programmierproblem gelöst.

Um zwei mit H. los, er tauscht meine defekte Eieruhr um, die ich letzte Woche für M. gekauft hatte, während ich mich ins Getümmel beim Discounter stürze.

Dort wieder vorgeführt bekommen, warum die Leute besser einzeln einkaufen gehen sollen: Frauen, die ihre Männer eigentlich nur zum anschließenden Heimschleppen brauchen, parken diese nämlich gerne mitsamt Einkaufswagen an möglichst engen Stellen, während sie selbst ausschwärmen, um die benötigten Dinge einzusammeln.
Und natürlich stehen die Männer immer kolossal im Weg, alles muss sich an ihnen vorbeiquetschen, und das ist dann immer allen Beteiligten furchtbar unangenehm, außer ihren Frauen, die sie bei der Rückkehr anfauchen, warum sie denn schon wieder „weggegangen“ seien, wenn sie sich einen Meter weiter vor ein Regal gestellt hatten, das weniger Interesse auf sich zog.

Und es ist gar nicht ihre Schuld, denn die Supermarktgänge sind nicht für Dauerparker ausgerichtet. Aber eigentlich ist es doch ihre Schuld, denn sie könnten das ja mal selber merken und beim nächsten Einkauf darauf bestehen, draußen zu warten, dafür könnten dann Supermärkte eine Wartezone einrichten, wo es Sitzgelegenheiten gibt und Getränke und Zeitschriften und Wifi.

H. wartet draußen auf mich, denn natürlich ging das Umtauschen dreimal schneller als meine Kassenschlange abgearbeitet wurde. Ihm war es ganz recht, die Sonne schien, es gab Leute zu schauen und Herbstlaub zu bewundern und den neuen Imbiss zu beobachten.
Und so schlug er vor, dort einen Happen zu essen, bevor wir uns auf den Heimweg machten, und dann saßen wir da in der Sonne, sahen goldenen Ahorn vor blauem Himmel, mümmelten an unserem Falafel, und das Leben war schön.

Nachmittags war ich dann sehr erschöpft, habe mich auch kurz hingelegt, aber Schlaf wollte nicht kommen.
Also wieder hoch und mir etwas Kleinkram organisiert zum stur Abarbeiten. Am Ende saß ich dann nochmal fast drei Stunden am Rechner, fügte hier noch eine Kleinigkeit in einer neuen Website ein, schrieb eine umfangreiche Rechnung für das Großprojekt der Lieblingskundin, sammelte Material ein, das sie mir für zwei neue Projekte zugeschickt hatte, aktualisierte dreimal meine Planung für morgen und die nächste Woche, machte eine andere Website ein klein wenig sicherer und erstellte am Ende noch eine Seite für das GGP.

Um halb acht in die Küche, Geschirr spülen. Hunger hatten wir nach dem Nachmittagsimbiss keinen mehr; ich mümmelte später vorm Fernseher ein Käsebrot zur Tütensuppe, H. ließ das Essen ganz ausfallen.

Auf ARTE eine zweiteilige Doku über Burgen. Viele davon kannten wir, und es war spannend, noch mehr über ihre Geschichte zu erfahren.

Woran ich mich erinnern will:
Oktoberfarben.

What I did today that could matter a year from now:
Steuern.

Was wichtig war:
Machen.
Auszeit.
Bewegung.
Raus.

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.