Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

An wem bleibt es hängen?

25. Oktober 2020. Sonntag. Ab heute herrscht wieder Normalzeit. Geschlafen bis sechs und dann wachgelegen bis halb sieben. Also nun wieder halb sechs. Eine Stunde länger geschlafen und trotzdem früh wach, das passt schon.

Den Vormittag an Projekten für die Lieblingskundin gearbeitet und an ein paar Grenzen gestoßen. Abends eine Mail mit Fragen und Wünschen an sie geschrieben. Morgen geht’s weiter.

Von halb eins bis halb sieben mit kleinen Unterbrechungen für einen Mittagsimbiss und dringende Bedürfnisse am GroßenGrausigenProjekt gearbeitet.
Gestern Abend waren immerhin noch ein paar der angekündigten Entwürfe gekommen, so kam ich heute ein gutes Stück weiter. Ein großer Brocken kommt allerdings später, wie mich der Agenturchef/ Designer abends per Mail wissen ließ: Sein Rücken habe nicht mehr mitgemacht, man sei „eben nicht mehr 20“.

Hätte er nicht überhaupt die ganze Zeit eine sehr große Lässigkeit in Hinblick auf Termine und Vereinbarungen an den Tag gelegt, könnte ich mich vielleicht sogar zu Mitgefühl hinreißen lassen. Immerhin war seine Agentur letzte Woche in neue Büroräume gezogen, und die Agentur ist nicht so groß und reich, dass sie dafür einen Haufen Leute beschäftigte, sondern hier schleppte, räumte, bohrte und sägte der Chef selbst.

Ich kann mir also vorstellen, dass er kaputt ist und ein sonniges Oktober-Wochenende lieber nicht vor dem Computer verbringt.
Aber, und das ist ein großes ABER: Ich rede seit mindestens einer Woche, dass die gesamte Zeitplanung auf Knirsch und eigentlich sowieso schon unrealistisch ist. Ich habe ihm wegen seines Umzugs schon das letzte bisschen Spielraum eingeräumt, indem ich anbot, er könne mir das benötigte Material statt Freitag Abend ja auch im Laufe des Wochenendes schicken. Aber da nun selbst das nicht geklappt hat, kann ich mich eigentlich nur noch hinstellen und fragen: Und nu?
Denn ich weiß es ja auch nicht. So ist das alles nicht zu schaffen.

Fürs nächste Projekt merken: Von Anfang an ganz klare Termine setzen und öffentlich machen. Damit ein bisschen mehr Druck da ist und alle sehen, an welchem Punkt es schwierig wird und warum.
Dann komme ich auch nicht in die Position, einen Kollegen gegenüber dem Kunden „decken“ zu müssen, was letztendlich auf meine Knochen geht, denn ich stehe am Ende der Kette und muss das Ding zum Termin fertig machen.

Abends kocht H., der sich mit einer gewissen Selbstgefälligkeit zu meinem „Retter in der Not“ erklärt hat und mich nun diese Woche ganz besonders unterstützen will: „Sage nur, was Du brauchst/ willst/ möchtest!“ Lieb gemeint, aber am liebsten möchte ich jetzt nicht auch noch seine Unterstützung organisieren müssen, sondern dass er selbst erkennt, was gerade nötig ist. Dass zum Beispiel die Butter zur Neige geht und man neue aus dem Tiefkühler holen muss. Oder dass sich das schmutzige Geschirr stapelt. Die übliche Care-Arbeit-Falle also, obwohl ich dachte, wir wären da besser…

Zum Abendbrot gibt es Omelett mit sehr leckeren braunen Champignons, dazu ein einfacher, saurer Blattsalat mit etwas Radicchio.
Und auf ARTE The Queen mit Helen Mirren.

Woran ich mich erinnern will:
Mach alles schriftlich und öffentlich.

What I did today that could matter a year from now:
Ranklotzen.

Was wichtig war:
Dranbleiben.
Machen.
NIcht nachdenken.
Nicht ärgern.
Nicht selber stressen.

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2 Gedanken zu “An wem bleibt es hängen?

  1. Ja genau. Schriftlich UND öffentlich – in dieser Kombination – ist wichtig bei Projekten, wo mehrere mit Teilaufgaben dranhängen. Noch gute Nerven und ein paar Erholungsoasen.

    • Vielen Dank für die guten Wünsche!
      Schwierig, wenn die Beteiligten ständig die Bedingungen ändern und „vergessen“, die anderen darüber zu informieren. Beispiel: Ich telefoniere mit dem Projektmanager, bekomme Zusagen, Termine, alles gut. Ich schreibe das ins System (also schriftlich und öffentlich), nur um mich dann (ebenfalls schriftlich und öffentlich) von der Kundin anmachen zu lassen, man habe mit dem PM einen ganz anderen Termin vereinbart. Das alles in dem Tonfall: „Sind Sie vollkommen bescheuert? Bekommen Sie denn gar nichts mit?“ Meine Rückfrage, wann das denn öffentlich an alle Beteiligten kommuniziert wurde, wurde beantwortet: Dafür ist der PM verantwortlich. Rückfrage bei diesem: Er sei von anderen Daten ausgegangen und ebenfalls überrascht von der Terminänderung. So schiebt es dann einer auf den anderen. Nicht schön und in meinen Augen typische Mobbing-Methoden, vor allem wenn der, der schriftlich und öffentlich, also klar und nachvollziehbar agiert als „Störfaktor“ wahrgenommen wird.
      Toxische Strukturen, leider keine Seltenheit.

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