Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Es zieht sich

Trigger-Warnung: In diesem Text ist von einem Todesfall im näheren Umfeld die Rede.

30. Oktober 2020. Freitag. Aufgestanden kurz vor sechs. Nachts mehrmals wach geworden und wieder Schweißausbrüche gehabt. Diese nächtlichen Hitzewallungen können ja nun eigentlich nichts mehr mit irgendwelchen „Wechsel“jahren zu tun haben, oder? Vermutlich einfach Stress.

Vor dem Tag hat mich gegraut, weil heute beim GroßenGrausigenProjekt eigentlich alles fertig sein muss, bevor die neue Website am Sonntag online gehen kann.

Aber ich bin gut vorangekommen, für heute stand jetzt letztendlich nur noch ein Brocken an, und den habe ich zwar nicht ganz geschafft, aber soweit, dass ich morgen Vormittag wohl entspannt fertig werde.

Ein Lob an den Agenturchef: Obwohl er ein organisatorischer und kommunikativer Schluri ist, hält er nun in der letzten Woche wunderbar den Kontakt, versucht mich zu unterstützen, wertschätzt meine Arbeit, meine Zeit und meine Kraft und hält mir gegenüber dem Kunden den Rücken frei. Danke dafür!

Mittags schnell einen Blitzeinkauf fürs Abendessen erledigt. Es fällt auf, dass nun viele Menschen auf der Straße Maske tragen, selbst in ruhigen Seitenstraßen und obwohl bei windigem Regenwetter kaum Menschen unterwegs sind. Man erinnert sich plötzlich auch wieder, dass man den Bürgersteig in der gesamten Breite nutzen kann und hält möglichst Abstand zu den Entgegenkommenden. Unter den Maskenträgern sind mehr junge als ältere Leute

H. war bei einer Kundin und kommt anschließend gegen vier zu mir. Er sieht eine SMS von einem langjährigen Freund und ehemaligem Mitmusiker, die eine Stunde vorher gekommen war und ist geschockt: die Frau des Freundes ist heute gestorben.
Sie hatte letztes Jahr irgendwas Lebensbedrohliches am Darm, eine Verschlingung, ein Riss, ich weiß es nicht mehr. Bekam einen künstlichen Darmausgang. Schwächelte lange. Entwickelte eine Angst- ud Zwangsstörung. Schwächelte immer mehr. In den letzten Wochen wurde sie zunehmend verwirrt, womöglich Anzeichen für ein Runterfahren der Körperfunktionen. Nun ist sie gestorben. Für die Außenstehenden kommt das sehr überraschend; noch konnte H. nicht mit dem Freund sprechen, ob es sich für ihn angedeutet hatte.
Ich kannte die Frau und mochte sie nicht besonders, aber für H. ist es ein Schock, wurde er doch eine Zeitlang, als es ihm sehr schlecht ging, von der Familie warm umsorgt und auch finanziell unterstützt. Sehr gute Freunde also.
und natürlich triggert das gesamte Setting seine Gefühle um den Tod seiner Mutter vor einigen Jahren; etwas, was noch lange nicht verdaut ist.

Wir lassen das Abendbrot ausfallen, jeder mümmelt lustlos irgendein Brot; belanglose Reiseberichte im Fernsehen bieten ein wenig Ablenkung.
Jetzt sitzt er da mit Kopfhörern und macht Musik, es wird wohl eine lange Nacht.
Und ich bekomme Zahnschmerzen.

Woran ich mich erinnern will:
Im Regen gehen.

What I did today that could matter a year from now:
.

Was wichtig war:
Machen.
Dranbleiben.
Durchhalten.
Zuhören.

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