Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Ruhiges Silvester

31. Dezember 2020. Donnerstag. Gegen sieben wach und noch vor mich hin gedöst und getagträumt. Um acht dringend aufs Klo, aber wieder hingelegt. Um neun holt H. uns Kaffee. Im Bett bis halb zehn: Dösen, tagträumen.

Feiertagsgefühl mit einsetzender Urlaubserholung.
Definitiv keine Lust auf Erwerbsarbeit, also lasse ich es. Dann wird es halt nächste Woche etwas stressiger, dann komme ich gleich wieder richtig rein in den Arbeitsrhythmus.
Auch kein Bedürfnis nach neuen Konzepten und Strategien; es wird halt einfach wieder losgehen, und ich werde hoffentlich im Laufe des Januars etwas Zeit und Lust finden, in mich zu gehen und meine Jahresplanung zu machen. Im Moment bin ich einfach nur erschöpft und müde.

Der Tag geht irgendwie vorbei: Ich spiele, bearbeite Fotos, wühle ein wenig in Kirchenbüchern, räume die gewaschene Wäsche weg, spüle Geschirr. Wir beratschlagen, wie wir das Raclettegerät aufbauen und was wir brauchen. Ich suche einen Karton, mit dem H. sein Keyboard einschicken kann (eine Taste ist defekt, die Kommunikation mit dem Support zog sich hin, nun kann er es endlich auf den Weg bringen).
Im Fernsehen kommt nur Mist.
Draußen ist es angenehm ruhig. Also verhältnismäßig ruhig. Es erinnert an Silvester im Dorf: Ab und an knallen Familien mit kleineren Kindern ein wenig, auch der eine oder andere Kanonenschlag wird gezündet. Kein Vergleich zu den sonstigen bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Von halb sechs bis acht das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker auf ARTE. H. schwärmt von Rodrigos Concierto de Aranjuez, das wohl besonders gerne von Jassmusikern interpretiert wird. Die Version von Jim Hall (YouTube) will er mir vorspielen, aber es ist mir gerade zuviel.

Gegen neun beginnen wir zu essen. Wir haben Pellkartoffeln gekocht, haben fünf Sorten Käse (Raclettekäse, Appenzeller, Cheddar, Blauschimmel, Feta), auf der Platte grillen wir Schinken, Zwiebeln, Champignons, Zucchini und Paprika, dazu gibt es Silberzwiebeln, süß-sauer eingelegte Gurken und Pflaumen, Oliven.
Es ist lecker, dazu gibt es einen guten Riesling.
Im Fernsehen immerhin Mister Bean. Es ist kein Kompliment für das Fernsehprogramm, wenn das das einzig Sehenswerte ist.

Ab etwa zehn Uhr kreisen Polizeihubschrauber. Sie überwachen aus der Luft die Böller-Sperrzonen, wo ein Versammlungsverbot gilt. Knapp 3000 Polizisten sollen heute im Einsatz sein.

In unserer Straße und auf dem Platz bleibt es sehr ruhig; um Mitternacht sind nur wenige Menschen draußen, die meisten stehen an den Fenstern, winken sich mit Wunderkerzen zu.

Ich rufe bei M. an; sie hatte es vorher schon bei uns versucht, aber den ersten Anruf hatte ich gar nicht gehört, der zweite kam um halb zwölf, das passte mir nicht.
Sie war ein wenig verstimmt, weil sie mich nicht erreicht hatte, beruhigt sich aber. H. muntert sie mit irgendeinem Quatsch wieder auf.

Ich haue fast die ganze Flasche Sekt alleine weg, H. hatte sowieso schon Vorsprung, er hatte nach seinem Mittagsschlaf um fünf mit Bier angefangen.
Nun gehen auch die furchtbaren Musiksendungen mit „Hits“ der 70er und 80er. Schreckliches Zeug, H. leidet mit. Gegen Ende dann immerhin Walk This Way von RUN DMC mit Aerosmith (YouTube). Das Stück hatte ihm schon früher gefallen, und er sucht mir später noch das Video raus, damit ich es mir anschaue.

Dann baue ich massiv ab; gegen vier gebe ich auf und gehe ins Bett. Zum Einschlafen lasse ich Bob Ross laufen; H. setzt sich Kopfhörer auf und hört noch eine Weile Musik am Laptop.

Woran ich mich erinnern will:
Zusammen sein.

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Abwechslung.
Der Depression entgegentreten.
Anrufen.
Zu Hausebleiben.

Begegnungsnotizen:
H (Haushaltsmitglied).

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