Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Endlich wieder Sonne

10. Januar 2021. Sonntag. Halbwegs gut geschlafen und erholt um halb acht aufgestanden.
Eine ältere Frau geht sehr, sehr langsam den Bürgersteig entlang Richtung Hauptstraße und U-Bahnhof. Wohin mag sie unterwegs sein an einem Sonntag Morgen? Es ist noch fast dunkel, ein Hund is nicht zu sehen. Sie sieht latent schick aus mit schwarzen Stiefelchen zur engen Hose und wehender Jacke, die aus Pelz sein könnte oder aus einem leicht glänzenden Stoff, aber sicher einen dicken Pelzkragen hat.

H. steht kurz nach mir auf, ist patschnass geschwitzt und sieht zerschlagen aus: Am Oberkiefer hat sich an einer Zahnwurzel „ein dickes Ei“ gebildet, Stirn- und Nebenhöhle sind „dicht“. Er ist entsprechend genervt. Es gibt sich im Laufe des Tqges, aber er spürt mmer wieder schmerzhaft, dass die Blockade im Rücken nicht einfach wieder verschwindet und schon gar nicht so schnell, wie er es gerne hätte.
Schmerzhafte Erkenntnisse.

Während wir frühstücken, kommt zum erstenmal seit einer Woche die Sonne wieder heraus. Den sowieso notwendigen Gang zur Bank (Geld einzahlen) erweitern wir um einen schönen Spaziergang eine selten gegangene Straße entlang und durch den Park.

Ein Schwanenpaar gründelt unter der „Besucherterrasse“ am Teich. Sie beginnt, lose Schilfhalme und Ästchen beiseite zu räumen, paddelt dann zu ihm, es erfolgt ein kurzer Austausch, dann schwimmt er zu der Stelle und macht weiter, während sie anfängt, Brot aufzupicken. Er geht mit Feuereifer zu Werk, räumt Schilfhalme beiseite und schnabelweise Laub vom Grund, reißt lose Ästchen vom Gestrüpp und steigert sich völlig in seine Arbeit hinein. Sie beschaut sich das noch eine Weile und paddelt dann davon ans andere Teichufer, während er, blind für seine Umgebung, weiterhin mit großer Energie zur Sache geht.
Frühlingsgefühle.

Auf den Wiesen im Park liegen noch graue, festgepappte Schneehäufchen. Ist das noch von letzter Woche? Ich komme zu selten hierher. Hätte ich gewusst, dass es Schnee zu schauen gibt, wäre ich vielleicht auch mal im Grauen hergekommen.

Kurz vor zu Hause treffen wir zwei alte Bekannte, die sich gerade zu einem Spaziergang nach Mitte aufmachen wollen; beide seit Monaten bzw. Jahren nicht gesehen. Das ist schön und tut gut.

Zu Hause Glühwein und Gebäck. Ich bin unentschlossen: Hinlegen und asruhen? Einen Film anschauen? Am rechner arbeiten? Aufräumen. Alles ist gleichermaßen attraktiv bzw. unattraktiv.
Ich entscheide mich für körperliche Aktivität mit sichtbarem Ergebnis und räume eine seit langem zugemüllte Ablage in der Küche frei. Dort sammeln sich einfach aus Faulheit immer wieder Dinge an, aber in wenigen Minuten ist da wieder halbwegs Ordnung.

Eigene und fremde Fotos anschauen, während H. vor dem Fernseher sitzt und sich schließlich hinlegt. Ich werde immer lustloser und lege mich schließlich auch hin, allerdings geht schlafen nicht, aber immerhin lesen und etwas entspannen.

H. steht kurz darauf auf und sitzt noch ein Stündchen am Rechner, ich bleibe bis halb sechs liegen, es ist schließlich Sonntag und die Aufgaben sind morgen auch noch da, sogar in vielfacher Form.
Dann: Geschirr spülen, Discounter-Angebote für nächste Woche durchsehen (ich warte auf einen bestimmten Kochtopf), Feedreader lesen. Noch mehr Fotos von anderen Leuten anschauen. Essen machen.

Im Fernsehen Der dunkle Turm. Ich hatte die Bücher ausgesprochen gern gelesen, die Verfilmung war mittelgut besprochen worden, ich war gespannt. Natürlich kann in 95 Minuten nicht die komplexe Handlung von acht Büchern verfilmt werden, der Film nimmt vielmehr Motive aus den Büchern auf und spinnt die Geschichte fort, das Ergebnis ist aber schlüssig, gut gespielt und passt zum Geist der Bücher.

Fun Fact: ich glaube, das war seit fünf oder mehr Jahren das erste Mal, dass ich tatsächlich etwas auf RTL sehen wollte und nicht nur versehentlich beim Zappen hängengeblieben war. Die Programmvorschau machte auch wieder deutlich, warum: Scripted Reality Shows und Pseudo-Wettbewerbe sind einfach nicht mein Ding, da bleibt die Kiste lieber aus, ehe ich mir das anschaue.

Zum Essen panierte Schweineschnitzel, Salzkartoffeln, Rosenkohl.

Woran ich mich erinnern will:
Endlich wieder Sonne.

What I did today that could matter a year from now:
Rausgehen.

Was wichtig war:
Sonne.
Raus.
Bewegung.
Etwas tun.
Etwas nicht tun.
Schauen.

Begegnungsnotizen:
H (Haushaltsmitglied).
Die Bekannten A. und H. (draußen, Abstand, alle ohne Maske).
Menschen im Park (Abstand).

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.