Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der fünfundzwanzigste Tag im Danach: Pendel

Die ganze Person sehen. Mit der Freundin in der Vorfrühlingssonne über den Friedhof spazieren und übers Leben sprechen. Zwei gute Ratschläge aus einer unerwarteten Ecke bekommen. Erstmals so etwas wie Zuversicht spüren.

20. Februar 2021. Samstag. Gestern noch bis kurz nach halb elf wach, dann vor dem Fernseher eingeschlafen. Der Fernseher schaltet gegen Mitternacht auf Standby, das merkte ich gegen eins. Fernseher aus, Weihnachtsbeleuchtung aus. Bei Licht schlafen bis etwa 2:00, dann auch Licht aus. Geschlafen bis 5:00, von seltsamen Träumen geweckt (keine Erinnerung). Aufs Klo. Nochmal geschlafen bis 6:00, merkwürdige Gedanken. Nochmal eingeschlafen bis um 7:05, da weckt mich orangefarbenes Licht im Zimmer: Draußen traumhaftes Morgenrot.
Achteinhalb Stunden Schlaf in Häppchen. Ich fühle mich erstmals seit Wochen morgens nicht todmüde. ‚Ausgeschlafen‘ wäre zu viel gesagt, aber wenigstens nicht gerädert.

Der Refrain eines Liedes („Jason“) geht mir im Kopf herum. Das Lied hatte H.s Freund B. geschrieben, aufgenommen und ihm am 19.12. geschickt. Ich erinnere mich, dass H. am nächsten Morgen begeistert davon erzählte, dass er „die halbe Nacht“ (also eigentlich „nur“ bis halb zwei oder zwei) dazu Ideen für eine Begleitung produziert hatte. Auch ihm ging das Lied wie ein Ohrwurm im Kopf herum.
Nun gefällt mir das Lied gar nicht so besonders, weder musikalisch, noch vom Text her, aber der Ohrwurm funktioniert.

* * * * *

Das Pendel schwingt in die andere Richtung, und erstmals werden mir auch wieder H.s Schwächen bewusster:
Sein manchmal langsames Denken, seine Unfähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun oder schnell den Fokus zu wechseln, seine Reaktionsträgheit in manchen Dingen.
Seine teilweise sehr unkritische kindliche Begeisterungsfähigkeit (keine Schwäche an sich, aber daraus resultierte oft Enttäuschung oder Überforderung, weil er bestimmte Aspekte nicht durchdachte oder voraussah oder sich Hals über Kopf in etwas stürzte, was sich dann hinterher für ihn als nicht ganz so toll herausstellte).
Sein Bier- und Zigaretten-Konsum.
Seine Selbstüberschätzung in manchen Dingen (ein zweischneidiges Schwert, denn diese Eigenschaft führte auch dazu, dass er sich nicht unterkriegen ließ, auch in schwierigen Situationen nicht die Flinte ins Korn warf, sondern immer einen Ausweg suchte und fand).

Das sind alles keine großen Charaktermängel, sondern einfach nur die kleinen menschlichen Schwächen, die ja jeder hat. Ich bin aber froh, dass ich sie wieder sehen kann, denn der idealisierte H. der letzten Wochen in meinem Kopf ist eben nicht der ganze H. gewesen.
Zum Zusammenleben mit ihm gehörten – wie in jeder Beziehung – neben großer Nähe und tief empfundener Liebe auch immer Phasen und Aspekte einer gewissen Distanziertheit. Eigenschaften, die mich genervt oder angestrengt haben. Nie so, dass mich der Mensch angestrengt oder genervt hätte, aber Dinge, die mir halfen, ein Stück ich selbst zu bleiben, eine gewisse Autonomie zu bewahren und eben nicht vollständig in diesem Paarwesen aufzugehen.

Ich bin sicher, ihm ging es genauso: Der Partner/ die Partnerin ist kein ideales Geschöpf, sondern ein Mensch mit vielen Stärken und liebenswerten Eigenschaften und ein paar wenigen Schwächen und nervigen Eigenschaften. Das macht die Person auch erst interessant. Die Schwächen und Macken können zwar zeitweise nerven, aber nie so sehr, dass die Beziehung an sich in Frage gestellt werden muss. Man kann sie annehmen, muss nicht versuchen, den anderen zu ändern, kann in guten Momenten liebevoll draufschauen und sie in schlechten verfluchen. Sie ändern aber nichts grundsätzlich.

Ich weiß, er war genervt von meinem Skin Picking. War angestrengt von meinem vielen und oft sprunghaften Reden, von meiner Ungeduld, wenn er mir zu langsam im Denken oder Erklären war. Litt sicher oft an meiner Unentschlossenheit, wenn es um Aktivitäten und Ausflüge ging. Wäre oft einfach lieber drauflos gelaufen, anstatt alle zehn Meter stehen zu bleiben, weil ich ein Fotomotiv entdeckt hatte. Und, und, und.
Manchmal frage ich mich ohnehin, wie er es mit mir ausgehalten hat.

Aber das macht eben eine gute Beziehung aus: Dass man den anderen Menschen in seiner Gesamtheit liebt und akzeptiert und respektiert und nicht nur in den Teilen, die einem selbst in den Kram passen.
Und in dieser Hinsicht hatten wir eine wirklich gute, tiefe Beziehung; selbst Außenstehende haben von Zeit zu Zeit geäußert, dass wir ungewöhnlich liebe- und respektvoll miteinander umgingen.

Insofern fehlen mir natürlich seine Macken genauso sehr wie seine guten Seiten.
Aber sie helfen mir, mich trotzdem als eigenständige Person zu empfinden, nicht nur als Teil eines symbiotischen Zwitterwesens. Und das wiederum ist die Voraussetzung für ein „Leben danach“.

* * * * *

Das Alpenveilchen im Blumenkasten hat schwer unter dem starken Frost der letzten Woche gelitten, alle Blätter sind angefault, gestern habe ich sie abgemacht. Nun hoffe ich, dass die Knolle überlebt hat und wieder austreibt. Es hatte im Herbst ja noch Unmengen Knospen gebildet; wäre zu schön gewesen, wenn die jetzt im Frühjahr alle aufgegangen wären. Schade.
Ich habe sie erstmal drangelassen, vielleicht wird das ja noch was.

* * * * *

Der Kopf analysiert abgeklärt, das Herz schmerzt.
Das „nie wieder“ lauert unter und hinter allem, was ich lese, sehe, denke.

* * * * *

Ich durchkämme die Blogroll einer geschätzten Hier-Mitleserin. Finde vieles, was mich anspricht, wo ich vielleicht eine Zeitlang mitlesen möchte. Jetzt erstmal nachlesen, zurückgehen, mich in andere Wirklichkeiten hineindenken und -fühlen.
Ich bin offen, neugierig. Suche auch Ablenkung und vielleicht Seelenverwandtem. Perspektiven.

* * * * *

Auf meinen Fotos lächelt er fast immer, scheint immer gut gelaunt. Das war seine Reaktion, wenn er merkte, dass ich die Kamera auf ihn richte: er wandte sich mir zu, war im Moment ganz bei mir, lächelte mich an wie ein „Hallo! Da bist Du ja!“ Es war sein Foto-Gesicht, oft habe ich ihn ausgeschimpft, weil das immergleiche Lächeln reflexhaft auf seinem Gesicht erschien, egal, was er sonst gerade tat.
Jetzt bin ich froh darum. Er wirkt wie ein immer fröhlicher Mensch. Und ich denke, er lächelte für mich, nicht fürs Foto.

* * * * *

Was fühle ich gerade jetzt?
Traurigkeit. Angst. Der Kopf summt. Gedanken wollen ins Scheinwerferlicht, aber ein übereifriger Impresario scheucht sie zurück ins Dunkel. Verwirrung. Vor mich hin starren. Innere Unruhe. Versuch, mich zu konzentrieren.

Was denke ich gerade jetzt?
Dass ich mich gerne klarer fühlen möchte. Eindeutiger. Nicht dieses chaotische und ermüdende Hin und Her, bei dem ich nichts richtig zu greifen bekomme.

Was möchte ich gerade jetzt tun?
Sitzen und meditieren. Die Gedanken und Gefühle kommen lassen. Gleichzeitig habe ich Angst davor, wieder überflutet zu werden. Denn genauso gerne möchte ich jetzt einfach unbeschwert und gut gelaunt einen produktiven Tag leben.

* * * * *

Gestern Abend darüber nachgedacht, was für ein anstrengendes, sorgenvolles Leben er eigentlich geführt hat.
Heute Morgen beim Lesen der Kurz-Tagebucheinträge der letzten drei Jahre erkannt: Auch mein Leben mit ihm (und davor) war geprägt von Sorgen, Stress, Überforderung, Erschöpfung. Droht auch mir der Herzinfarkt?

* * * * *

Ich gehe einkaufen, zum kleinen Supermarkt. Wochenende, Getränkeeinkauf. Hole nur die Hälfte von dem, was H. sonst geschleppt hat und komme trotzdem ordentlich ins Schnaufen auf der Treppe. Ich war auch schon mal fitter; vor zehn Jahren habe ich noch locker 10kg Kartenstreu hochgeschleppt. Plus einen Einkauf.
Bei jedem Schnaufen schwingt jetzt die Angst mit: Ist mein Herz auch schwach?

Statt bunter Tulpen bei unserem Blumenhändler (dem ich noch nicht mit der Todesnachricht entgegentreten kann) hole ich Narzissen aus dem Supermarkt. Ein guter Kompromiss, denn die hole ich immer dort.

Der Restaurantbesitzer donnert von drinnen mit der Faust an die Scheibe und zeigt mir den hochgestreckten Daumen. Heads up? Gut, dass Du draußen bist? Gut, dass Du Blumen hast? Gut, Dich zu sehen?
Alles das. Ich winke, lächle.

* * * * *

Um eins bin ich mit der Bekannten aus dem Nachbarhaus zum Spazierengehen verabredet. Bei Sonnenschein und milden Temperaturen drehen wir eine Runde, gehen zuerst zum Park, ändern dann den Plan und gehen zum Friedhof, weil die B. nicht so genau weiß, welcher von den dreien dort der Richtige ist.

Am Eingang steht ein Schaukasten, darin hängen Mitteilungen, unter anderem ein Zettel mit den Beisetzungen der aktuellen Woche. Ich gehe schauen, ob da schon der Zettel für nächste Woche hängt, um zu wissen, wann sie die Ankündigung raushängen, aber nein, es ist der für diese Woche. In der Mitte der Liste springt mich ein Name an: DB.
Mir wird ein bisschen schlecht. Mitte September hatte ich ihr noch notfallmäßig meinen Monitor vorbeigebracht, weil ihrer den Geist aufgegeben hatte, so schnell kein Ersatz zu beschaffen war und wir ohnehin auf dem Sprung nach K. waren. Im Oktober hatten wir dann nochmal Kontakt und sie hat mir den Monitor abgekauft. Mitte Januar habe ich ihr geschrieben, weil H. laut seinen Aufzeichnungen noch Geld von ihr zu bekommen hatte. Als keine Antwort kam, schrieb ich nochmal, bat um ein „Lebenszeichen“. Nichts. Da war sie wohl schon tot, wenn jetzt die Beisetzung war.

Was ist das dieses Jahr: Sie, H., ein junger Lehrer in H. (Klassenlehrer des Sohnes meiner Lieblingskundin) tot. Eine sehr langjährige Kundin von H. schwerst erkrankt und wohl dement im Krankenhaus. Und das Jahr ist erst sieben Wochen alt.
H. würde schimpfen über „diese Dreckskackscheiße“, würde Tod und Krankheit verfluchen.
Und sich doch sicher sein, davor gefeit zu sein, zumindest für den Augenblick.

Und doch ist das eine dieser Todesnachrichten, wie sie in den letzten Jahren ein Stück weit „normal“ für uns geworden sind: Man ist kurz geschockt – „Was? Wer?! Ach Du meine Güte!“ – dann denkt man darüber nach: „Na ja, sie war ja schon lange schwer krank, mit dem Krebs und allem – aber vor der letzten Chemo wirkte sie doch noch so optimistisch. War dann wohl doch nichts. Und wie alt war sie eigentlich? Auch weit über 70 oder?“ Man wütet ein wenig (H.) bzw. nimmt die Tatsachen resigniert zur Kenntnis (ich), man stößt beim Abendbrot auf die Verstorbene an, denkt noch ein, zwei Tage darauf herum, fragt sich praktische Dinge: Hatte sie noch Familie? Wer kümmert sich jetzt um alles? Wen kann/ soll man kontaktieren? Welche Hilfe könnte man anbieten?
Und dann versinkt das Ereignis im Alltagsstress, verliert an Bedeutung, man wird noch ab und zu an die Verstorbene denken, aber großeTrauer stellt sich nicht ein, so nah war man sich dann schließlich doch nicht. Aber sie wird nicht aus dem Gedächtnis derer verschwinden, die sie gekannt haben, das hat auch etwas Tröstliches.

Die B. hat die D. nicht gekannt und auch nicht ihren früheren Freund, Kollegen, Lebensgefährten, den J., den ich lange vor ihr kannte, mit dem auch H. lange befreundet war und der eine Zeitlang im selben Haus wohnte wie H. Der auch schon seit Jahren tot ist, auch nicht alt geworden.
So schlucke ich meinen Schreck herunter und wandere mit der B. kreuz und quer über den Friedhof und den benachbarten auch gleich. Anders als im Park oder am Kanal sind hier kaum Menschen unterwegs, auch hier erwacht die Natur, und der Friedhof strahlt eine Ruhe und einen Frieden aus, der die B. überrascht.

Wir reden über dies und das, über meine Zeremonie anlässlich der Kremierung, über den Hundespielplatz im Park, über einen Hund, den die B. mal hatte und den ich nicht kannte, über Haare schneiden in Zeiten von Corona und die Frisur ihres Sohnes. Im Park treffen wir eine ehemalige Schülerin der B. samt Geschwistern und Oma, wir reden über die geplante Trauerfeier, ich erzähle von DB und dem jung gestorbenen Lehrer in H., wir reden über Schulen fern vom Wohnort und wie das die Sozialisation und den Kontakt zu Gleichaltrigen im Herkunftsort verändert, B. erzählt von ihren Schwestern, wir machen an Grabsteinen halt, die uns auffallen, ich erzähle von der Geschichte dieser Gegend.

Dann kehren wir um, und die B. hat Fragen zur Organisation einer Bestattung: an wen wendet man sich, was ist zu tun, wo hat man Gestaltungsspielraum, was kostet das alles? Auch sie ist bass erstaunt, dass ein anonymes Grab teurer ist als das kleine Geviert mit Namensschildchen, das H. bekommen wird.
Sie fragt nicht ohne Hintergedanken: Der Vater ihres Sohnes ist schon lange schwer krank, und da der Sohn einmal gemeinsam mit einem Halbbruder rechtlich für die Beisetzung verantwortlich sein wird, möchte sie vorbereitet sein, um die beiden unterstützen zu können.
Vor ihrem Haus treffen wir den Sohn, er ist auf dem Weg zum Vater, will ihm Pizza mitbringen. Morgen hat der Vater Geburtstag. „Frag ihn, ob er mit mir Sekt trinken will, dann besorge ich noch eine Flasche“ trägt die B. dem Sohn auf.

Diese normalen alltäglichen Kleinigkeiten verankern mich gerade: Das Leben geht weiter. Einer ist weg, und er fehlt, aber das Leben geht weiter. So haben doch auch H. und ich weitergemacht, wenn es einen aus unserem Leben weggerissen hat. Es bleibt eine Lücke, aber es muss weitergehen. „Nützt ja nüscht.“

* * * * *

Ich bin erschöpft vom Spaziergang, die Haut im Gesicht ist gespannt von der Sonne, ich habe noch eine Stunde Zeit bis zum Telefontermin mit H.s Kundin. Ich bereite mich kurz vor, dann lese ich mich eine gute halbe Stunde durch die morgens neu entdeckten Blogs. Mache erste Favoriten aus.

Dann der Termin. Kurzes privates Vorgeplänkel, Frau W., selbst Jahrgang 1946, fragt mitfühlend, aber auch sachlich-klar nach, will gar keine Details hören, lässt mich aber reden, fragt nach dem Haus, äußert Verständnis, dass es kein Testament gab. Über H.s Einstellung zum Tod wusste sie nichts, das wundert mich etwas, ich dachte, H. hätte persönlicher mit ihr gesprochen, aber vielleicht hatte er mit ihr einfach eine andere Ebene. Sie haben oft skurrile Gedichte ausgetauscht.

Dann hebt sie an, um mir „ungefragt Rat zu erteilen, das mache ich immer.“ Die Ratschläge ist nicht dumm: „Sie werden die Trauer erst richtig spüren, wenn das ganze Organisationsgedöngel erledigt ist. Dann erst beginnt die richtige Trauer. Dann fahren Sie am besten irgendwohin und besuchen ihre gemeinsamen Lieblingsplätze, wo sie mit ihm reden können. Und vielleicht können Sie dann im Haus und im Garten sogar eine größere Geborgenheit finde, eben weil alles an ihn erinnert.“ und: „Wenn das Organisatorische erledigt ist, dann laden Sie seine Freunde ein. Legen Sie Fotoalben auf den Tisch, bieten Sie Essen und Trinken an. Und dann lassen Sie alle über ihn erzählen, lassen Erinnerungen austauschen. Daraus entstehen dann oft ganz neue Beziehungen, und Sie sind alle nochmal über ihn miteinander verbunden.“

Und ich denke, Wow, das ist eine großartige Idee, viel besser als ein Leichenschmaus, wo alle ja noch emotional angespannt von der Beisetzung sind. Und ich denke: Er hatte im Spätsommer Geburtstag, das wäre doch ideal, da eine Art Gedenk-Geburtstags-Picknick im Park oder auf dem Tempelhofer Feld zu veranstalten. Denn wie sonst sollte ich seinen Geburtstag überleben?

Bei den Computerproblemen kann ich kaum helfen, aber immerhin ein paar Tipps zu Themen wie Smartphone-Beschaffung, Zoom-Videokonferenzen oder Windows-Updates weitergeben, die H. auch immer nannte.
Ich fühle mich unzulänglich, aber sie scheint es zu akzeptieren. Das Leben geht weiter. Er war 30 Jahre ihr PC-Betreuer und nun wird es auf den letzten Metern nochmal jemand anderes.
Zerreißt es nur mich bei dem Gedanken?

* * * * *

Nun bin ich restlos erschöpft. ich schreibe eine Mail an Freund W., der DB eventuell, ihren Partner J. auf jeden Fall gekannt hatte. Und es gelingt mir endlich, herauszufinden, was das afrikanische Lied aus dem Film „Mit siebzehn“ ist: Yafaké von Victor Démé (YouTube-Link). Das Lied macht mich unglaublich traurig. Ich bin gar nicht sicher, dass es H. gefallen würde, obwohl er großes Interesse an außereuropäischer Musik hatte. Ich war oft überrascht, wie Lieder, die mich tief anrühren, vor seinem analytischen Gehör „versagten“ – wegen zu simpler Rhythmik oder Harmonik.

Ich rufe M. an und spreche eine Stunde mit ihr. Es geht ihr psychisch wieder etwas besser, sie hatte mit ihrer Bekannten M. telefoniert und merkt wohl gerade wieder, dass solche Bekanntschaften schon auch für was gut sind, auch wenn der intellektuelle Austausch nicht in dem Maße stattfindet, wie sie sich das wünscht.

Ich mache mir den Rest Lachs mit Gemüse warm, schnippele die restlichen Bratkartoffeln rein und koche nochmal ein paar Bandnudeln dazu. Wilde Mischung, aber es schmeckt. Dazu ein Glas Rotwein.

Im Fernsehen auf 3Sat „Hail, Caesar“ von den Coen-Brüdern (Eröffnungsfilm der Berlinale 2016). Sehr schön, ich muss mehrmals herzlich lachen.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Spaziergang mit B. in der Sonne über den Friedhof. Für einen Moment loslassen und sich „normal“ fühlen können, als wäre tatsächlich noch alles in Ordnung.

What I did today that could matter a year from now:
Begegnung.

Was wichtig war:
Rausgehen.
Kontakt.
Sonne.
Leben.
Hilfe anbieten und nach Möglichkeit leisten.
Die eigenen Grenzen erkennen und kommunizieren.
Offenheit.
Im Moment sein.

Begegnungsnotizen:
B. (ohne Maske, weitestgehend Abstand)
B.s Sohn F. (ohne Maske, mit viel Abstand).
Menschen auf der Straße, im kleinen Supermarkt, im Park, am Friedhofseingang.

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