Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der einundsiebzigste Tag im Danach: Nur weiter, immer weiter!

Überall weitermachen. Mich geerdet fühlen. Sehnsucht spüren.

7. April 2021. Mittwoch. Fürchterliche Nacht, ich war mega-gestresst, weil ich nun akut Angst habe, das mit der Wohnungsauflösung zu versauen. Bis heute weiß noch nicht mal der Trödler Bescheid – was, wenn er nicht kann oder will? Oder wenn die Hausverwaltung Stress macht?

Ich habe Angst, dass der Stress mich krank macht – die Dauerbelastung der letzten drei Monate hinterlässt ja bereits Spuren.

Versuche, mich zu beruhigen, indem ich mir einen klaren Tagesablauf baue. Dem muss ich nur folgen, das reduziert schon mal die ständigen Entscheidungen, was aus der Überfülle an Aufgaben als nächstes gemacht werden muss. Er arbeitet mit Zeitblöcken und ist flexibel genug, auf Anforderungen und Änderungen von außen zu reagieren.

Dann schreibe ich einen wichtigen Brief in einer dringenden Finanzangelegenheit. Auch das schafft etwas Luft und damit Seelenfrieden.

Ich rufe H.s Schwester endlich zurück. habe zwar keine Lust, mit ihr zu sprechen, aber durch ein Telefonat jetzt habe ich mindestens eine Woche Ruhe. Außerdem ist es gut, wenn sie mitbekommen, was hier los ist.

Ich arbeite ein Stündchen, dann bin ich schon wieder müde und leicht durchgedreht. Eine Meditations-Session mit Adriene (deren Yoga-Übungen ich sonst mache), bringt mich wieder runter.

Noch etwas arbeiten, Steuer fürs erste Quartal machen, Fotos bearbeiten.

Um halb drei breche ich auf Richtung Friedhof. Es dauert eine Weile bis ich am Grab soweit runerkomme, dass ich wirklich da bin und weinen kann, aber dann fließen die Tränen und es ist eine ungheure Befreiung. Aktuell ist das der einzige Ort, wo ich wirklich trauern kann, überall sonst bin ich im Alltagsstress gefangen und schiebe alles weg.

Ich drehe noch eine kleine Runde über den Friedhof und komme immer mehr zurück zu mir, fühle mich mehr und mehr geerdet und innerlich ruhig. Auch so etwas wie Zuversicht kehrt zurück.

Ich kaufe ein paar Kleinigkeiten ein und gehe dann zu H.s Wohnung, wo ich noch zweieinhalb Stunden räume und sortiere. Das dauert alles so elend lang! Mittlerweile bin ich schon so drauf, dass ich Zeug einfach kartonweise mitnehme, um es irgendwann in Ruhe durchzusehen.

Das abendliche Telefonat mit M. ist kurz, ihr geht es besonders schlecht heute. Mal sehen, was morgen der Arzt dazu sagt.

Ich koche mir eine Selleriesuppe, spüle nebenbei Geschirr, räume die mitgebrachten Sachen von H. weg und überweise die Steuer.

Sehne mich sehr nach einem liebevollen, zugewandten Menschen in meinem Leben. Ich mag das nicht alles allein durchkämpfen…

Gehe früh ins Bett (21:30).

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Am Grab sitzen, weinen und mich danach geerdet und in mir ruhend fühlen

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Meditieren.
Mich immer wieder bewusst entspannen.
Versuchen, mich zu beruhigen.
Am Grab sitzen.
Weinen.
Nachdenken.
Räumen.

Begegnungsnotizen:
Menschen auf der Straße und im Supermarkt.
H.s Nachbar im Hof.

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