Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der dreiundsiebzigste Tag im Danach: Umsonst unterwegs und kleine Zeichen

Als ich die heiß ersehnte Zuwendung endlich bekomme, brauche ich sie nicht mehr, jedenfalls nicht in dieser Form. Lange vermisstes Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung.

9. April 2021. Freitag. Sensationelle neun Stunden geschlafen und erstmals seit Monaten ansatzweise ausgeruht gefühlt.

Ich will M. die versprochenen Sachen ins Krankenhaus bringen und bei der gelegenheit gleich den Rollator in ihre Wohnung transportieren. Breche um acht Uhr auf, um möglichst früh zurück zu sein – nur um kurz vor ihrer Wohnung festzustellen, dass ich ihren Schlüssel vergessen habe. Wie blöd kann man sein?!

Kurzes Telefonat mit ihr, dann drehe ich ab und fahre zurück; die Sachen werde ich am Sonntag im Krankenhaus vorbeibringen.
Hole noch Geld und erledige ein paar Einkäufe.

Es steht nun fest, dass sie am Montag operiert wird. Mir ist das alles zuviel, ich weiß nicht, wie ich mich auch ncoh angemessen um sie kümmern soll, es geht nicht.

So denke ich, und dabei habe ich heute einen wirklich guten Tag: Die Arbeit geht mir einigermaßen gut von der Hand, nichts drängt heute,, und ich habe endlich wieder Appetit auf tausend Sachen und bin den ganzen Tag am Essen, und spiele auch mal wieder mit einer gewissen Entspanntheit.

Ich verschaffe mir einen Überblick über die Telefon- und Internet-Verträge, die H. für sich, die Firma und das Haus laufen hat, und entscheide, was davon gekündigt und was auf mich umgeschrieben werden soll.

Ich schreibe nachmittags eine Frust-Nachricht an TSO und entschuldige mich kurz daraf wieder, weil ich ihn mit meinem Kram belästige. Er reagiert lieb, aber wohl eher wegen der Entschuldigung; auf mein Gejammer geht er gar nicht ein.

Nachmittags wieder ein Spaziergang mit Freundin B.; ich erlaube mir, heute nicht zu H. in die Wohnung zu gehen, sondern mir mal einen Tag „frei“ zu nehmen, das tut so unglaublich gut.
Zum ersten Mal seit Monaten fühle ich mich ansatzweise entspannt und „normal“…

Wir spazieren zum Friedhof, sitzen eine Weile auf der Bank an senem Grab. Vorher gab es eine unangenehme Begegnung mit einer seltsamen Frau, die wegen einer Kleinigkeit sofort fürchterlich aggressiv und beleidigend wurde. Das wirft mich mehr aus der Bahn als ich eingestehen möchte. Ich fühle mich wehrlos.

Zum Abendbrot den Rest Selleriesuppe.

Abends eine lustige Kommunikation per Messenger mit TSO – er schickt was (von sich aus!), ich antworte, es geht eine Weile hin und her, dann endet er sehr abrupt.
Ich werde nicht schlau aus ihm, tendiere aber dazu, das alles nicht zu ernst zu nehmen und nicht mit Bedeutung aufzuladen.
Spüre erstmals eine gewisse Distanz und Genervtheit ihm gegenüber.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
Lange schlafen, viel essen, mich „normal“ fühlen – zum ersten Mal seit drei Monaten

What I did today that could matter a year from now:
.

Was wichtig war:
Entspannen.
Druck rausnehmen.
Auf mich hören.
Mir „frei“ nehmen.
Spaß haben.

Begegnungsnotizen:
Menschen in der U-Bahn und im Supermarkt.
Freundin B.

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.