Anna denkt nach, Anna schreibt, Miniaturen

Der hundertsechsundsiebzigste Tag im Danach: Geburtstagsbesuch

21. Juli 2021. Mittwoch. Unruhige Nacht, ich bin häufig aufgewacht und dabei nervös bis ängstlich gewesen. Wecker um 6:00 Uhr. Steifer Nacken, leichte Kopfschmerzen.

Ich habe ein straffes Vormittagsprogramm, damit ich abends nicht in Stress gerate. Stur abarbeiten, nicht nachdenken, dann geht das.

Schreiben. Orga-Kram. Mails beantworten. Ein Projekt wieder in die Spur bringen. Eine Sommerschlussverkaufs-Bestellung aufgeben. SSV heißt ja seit Jahren SALE. Was man dadurch gewonnen hat? Eine Anfrage beantworten: Nein, dass die Website nicht erreichbar ist, hängt nicht mit dem nächtlichen Update zusammen. Recherche. Eine Störung beim Provider. In diesem Fall: gut. So muss ich mich jetzt nicht noch mit mühseliger Fehlersuche herumschlagen.

Herausfinden, dass unser Zug gestrichen ist und stattdessen ein Ersatzzug über eine etwas andere Strecke fährt. Beim etwas bahnskeptischem Freund B. Schönwetter machen: Das klappt schon mit den Platzreservierungen. Ich glaube das wirklich, denn schließlich ist ja genug (?) Zeit, um die Reservierungen umzuschreiben. Wahrscheinlich ist es ja sogar physikalisch derselbe Zug, der fährt, so dass es keine Probleme wegen anderer Wagen(nummern) und Sitzplatzanzahl geben dürfte. Bahn, enttäusch mich nicht!

Wäsche wegsortieren, saugen, Bett beziehen.

Zu P. fahren. Auf dem Weg dorthin in einem kleinen Laden vorbeischauen, um noch ein Last-Minute-Geschenk zu besorgen. Der Laden hat zu, weder auf der Homepage noch am Laden selbst ein Hinweis, warum.
Blumen kaufen. Der Blumenhändlerin, die ich seit Weihnachten nicht gesehen habe, von H.s Tod erzählen. Tränen kommen hoch.
Zu P.
Mittagessen, Geschenke auspacken, er freut sich über alles: die Blumen, das Bild von H., den Topf. Die mitgebrachten Einmachgläschen. Ich bin trotzdem traurig: Melancholisch, wehmütig, einsam.
Wir sitzen auf der Terrasse bis wie los müssen zu P.s Arzt.
Dort wieder warten. Neue Medikamente nach oberflächlicher Untersuchung. Ist das alles so klar? Warum haben sie das dann im Krankenhaus nicht gemacht? Skepsis. Und wieder mal: Antibiotika einfach auf den Verdacht hin, dass die Entzündung bakteriell verursacht ist. Zwar wird eine Probe entnommen, aber man wartet das Ergebnis der Laboruntersuchung gar nicht ab.
Zur Apotheke. Anstehen. Ich schicke ihn zum Warten ins Auto. Es sind nicht alle Medikamente da, sie müssen bestellt werden, der Bote bringt sie heute Abend.
Weiterfahren zum Café. Milchkaffee und Torte vor dem Café, während sich wenige Meter neben uns der Berufsverkehr stadtauswärts walzt. P. ist selig: „Wie lange ich nicht mehr im Café war!“ Ich schlucke herunter, dass ja immer er es ist, der alles ablehnt, nie weg will von zu Hause. Jetzt ist er glücklich, also soll er es sein.
Auf dem Heimweg springe ich noch in den Discounter, um ihm ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.

Um 17:00 wieder zurück. Noch was trinken, kurz reden, dann breche ich auf. Doof, so früh – beinahe fluchtartig – vom Geburtstag abzuhauen, aber ich muss noch packen, die Wohnung klar machen, spülen usw.
Er ist aber auch platt und vielleicht gar nicht unfroh über meinen Aufbruch.

Eigentlich wollte ich noch zum Friedhof, aber das lasse ich dann doch, obwohl ich seit Sonntag nicht mehr dort war. Es würde zuviel Zeit kosten, und ich hätte jetzt ohnehin keine Ruhe, dort entspannt zu sitzen. Außerdem weiß ich, dass die Galerie bis 20:00 geöffnet ist, und ich will heute nicht mehr darüber nachdenken müssen, ob ich nicht vielleicht doch mal kurz vorbeischauen soll…

Vor dem Haus treffe ich die Bekannte M., die manchmal unten im Restaurant arbeitet. Sie sucht das Gespräch, hat aber eigentlich gar keine Zeit. Ich vermittle ihr anscheinend dauernd, dass ich mich nicht gut genug um mich kümmere, denn sie ermahnt mich zum wiederholten Mal: „Du musst an Dich denken! Du musst besser für Dich sorgen!“

Jaja, aber heute Abend muss ich mich erstmal um meine Reisevorbereitungen kümmern, also:
Mails abrufen und beantworten, M. anrufen, Geschirr spülen, essen (Rührei mit Resten), Sachen zusammensuchen, packen, aufräumen.

* * * * *

Woran ich mich erinnern will:
P. helfen und so etwas wie Anerkennung und Nähe erfahren

What I did today that could matter a year from now:
?

Was wichtig war:
Zu P. fahren und mit ihm Zeit verbringen.
Geduld.
Langmut.
Zuhören.
Rausgehen.
Rechtzeitig den Absprung finden.

Begegnungsnotizen:
P.
Bekannte M.
Menschen in U-Bahn, Bussen, Blumenladen, Arztpraxis, Apotheke, Café, Supermarkt.

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